Kolleginnen in Uniform
Marschieren, schießen oder kämpfen - das ist längst kein Betätigungsfeld mehr allein für Männer. Seit 2001 treten in Deutschland auch Frauen den Dienst mit der Waffe an.Es war ein denkwürdiges Datum für die Geschichte der Bundeswehr, der 11. Januar 2000. An diesem Tag entschied der Europäische Gerichtshof in Luxemburg, dass die seit 1976 im deutschen Recht gesetzlich fixierte "Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung" endlich auch für die deutschen Streitkräfte zu gelten habe.
Nur ein Job
Dem Urteil vorausgegangen war eine Klage von Tanja Kreil. Eigentlich wollte die damals 19-Jährige nur einen Job, als sie sich 1996 als Elektronikerin bei der Bundeswehr bewarb. Prompt erhielt sie eine Ablehnung - nicht etwa wegen fehlenden Fachwissens, sondern weil sie eine Frau war. Zur Rechtfertigung berief sich die Bundeswehr auf das Grundgesetz, das besagte, dass "Frauen in keinem Fall Dienst mit der Waffe leisten dürfen."
Männlicher Schutzinstinkt
Bis dahin duldete die Bundeswehr Frauen nur im Sanitätsdienst und im Musikkorps - damit bildete Deutschland das Schlusslicht im internationalen Vergleich. Während beispielsweise in Norwegen Frauen schon in den 1980er Jahren sämtliche Dienstgrade erklimmen durften oder in den USA seit Jahrzehnten zum militärischen Alltag gehörten, sprach sich die damalige Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages noch 1996 gegen eine Öffnung der deutschen Streitkräfte aus. Ihre Begründung: Frauen könnten bewirken, dass der männliche Schutzinstinkt mit der militärischen Befehlslage in Konflikt gerate.
Durch alle Instanzen
Weil Tanja Kreil die Sachlage als diskriminierend empfand, reichte sie Klage beim Verwaltungsgericht Hannover ein. Zwei Jahre später landete der Fall in Luxemburg: zu brisant erschien den örtlichen Richtern die Frage, ob geschlechtsspezifische Bewerbungsabsagen seitens der Bundeswehr zulässig seien oder nicht. Der Europäische Gerichtshof gab Tanja Kreil schließlich Recht. Die Auflage: eine Änderung des Grundgesetzes mit der Konsequenz, dass Frauen seit Anfang 2001 alle Laufbahnen in der Bundeswehr offen stehen - ob als Pilotin, Panzerkommandantin oder Crewmitglied auf einem U-Boot.
Bosnien 2002 - Soldaten der Bundeswehr proben für den Ernstfall. Soldatinnen sind an Einsätzen in Kriegsgebieten noch selten beteiligt.
Viele Frauen schienen sich mit den neuen Möglichkeiten allerdings nur langsam anfreunden zu können - der Ansturm auf die Armee blieb aus. Im Januar 2001 traten gerade einmal 244 Rekrutinnen ihren Dienst in der Kaserne an. Vielleicht lag das Zögern darin begründet, dass es keine Massendebatte zur Gleichstellung war, die zur Öffnung der Bundeswehr führte, sondern ein gerichtliches Urteil. Ende 2006 gab es zwar bereits über 13.500 Soldatinnen, doch sind die verglichen mit ihren rund 236.000 männlichen Kollegen nur eine Minderheit. Die Bundeswehr - sie ist noch immer eine Bastion der Männer.
Soldatinnen für die Quote
Damit das nicht ganz so bleibt, trat 2005 das Gleichstellungsgesetz von Soldatinnen und Soldaten in Kraft. Indem Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt werden, will die Bundeswehr die Frauenquote im Sanitätsdienst auf fünfzig Prozent, in allen anderen Laufbahnen auf fünfzehn Prozent steigern - und das, obwohl es im September 2000 noch hieß, es werde keine "Festlegung von Quoten für die Einstellung von Frauen" geben. Was bewirkte diesen Sinneswandel? Angst davor, dass langfristig Bewerber fehlen, weil der Job unattraktiv werden könnte? Will die Bundeswehr einem Mangel vorbeugen, der noch in weiter Zukunft liegt?
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