Phänomen Fan
Mehr als dreißig Prozent aller Menschen sind Fans - der Fan existiert jedoch nicht. Die Vielfalt ist enorm. Sozialforscher wagten sich dennoch an die komplizierte Materie.Jubelschreie von 13.000 Fans gellen durch die Ostseehalle Kiel. An diesem Abend im März 1995 werden Teenagerwünsche wahr: Die englische Boygroup Take That gibt ein Konzert. Plakate mit Aufschriften wie "Robbie - I love you" oder "Take That forever" werden mit schweißfeuchten Händen hoch in die Luft gehalten. Ab und zu brechen Fans - meist weibliche Teenager - vor Euphorie oder Hitze zusammen und werden abtransportiert.
Phase der Unsicherheit
Starkult ist unter Jugendlichen keine Seltenheit. Psychologen sehen einen Zusammenhang zwischen dem Durchleben der Pubertät und der daraus erwachsenden Empfänglichkeit für das Fan-Sein. Die Identifikation mit einem Leitbild wird von Fachleuten als der unbewusste Ausgleich von Ich-Schwächen in dieser schwierigen Lebensphase der Unsicherheit interpretiert.
Fan kann jeder sein
Fanatische Begeisterung für konkrete Personen oder Dinge (Fan ist die Abkürzung des englischen Wortes fanatic und mit "fanatischer Anhänger" zu übersetzen) ist allerdings kein auf Pubertierende begrenztes Phänomen. Fans gibt es in allen sozialen Schichten, Altersklassen und Geschlechtern. Die Leidenschaft kann sowohl auf Produkte mit "Kultstatus", wie spezielle Motorräder, gerichtet sein als auch auf Sportler, Sportarten- und Vereine, Künstler oder eben Medienstars. Wie leben Fans den Starkult? Warum tun sie das? Was erhoffen sie sich davon?
Undefinierbar
Wegen des Mangels an vergleichenden Arbeiten ist eine Definition des Fans im Allgemeinen bisher nicht möglich. Doch liegen Studien zu bestimmten Gruppen von Fans vor. Eine dieser Untersuchungen hat sich dem deutschen Schlager und seinen Fans gewidmet: 25 Stars der Schlagerszene und 450 Fans wurden befragt. Im Frühjahr 2001 präsentierten die Psychologen Prof. Dr. Martin Schweer und Jens Niederhagen die Resultate. Eines der wichtigsten Ergebnisse ist, dass Schlagerfans ihren Idolen eine besondere Form von Vertrauen entgegenbringen. Wie kommt das?
Einladung zur Identifikation
Fans finden in den Liedtexten eigene Erfahrungen wieder, so dass sie sich mit den Inhalten identifizieren können. Scheinbar stecken sogar Lösungsvorschläge für persönliche Probleme in den Texten. Viel wichtiger aber ist, dass Fans davon überzeugt sind, dass ihr Star sie keinesfalls enttäuschen würde. Die Persönlichkeitsstruktur des Musikers - sein Bühnenimage - lädt zur Identifikation ein: der nette Mensch von nebenan. Dieses Image wird von Fans als authentisch angenommen...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Fans | ![]() |
Infobox
Stalking als Extremfall...
des Fan-Seins: In den 1990er Jahren verfolgte ein "Fan" den US-amerikanischen Popstar Madonna exzessiv. Der Mann drohte ihr sogar Gewalt an und wurde zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt.
Aber nicht nur Stars, auch "ganz normale Menschen" sind Opfer von Stalking. Dieser Begriff bezeichnet ein Verhaltensmuster, bei dem der Täter wiederholt Aktivitäten gegen den Willen eines anderen Menschen unternimmt. Das geschieht auf vielfältige Weise: Stalkingopfer erleiden oft zunächst Belästigung durch unerwünschte Kontakte. Reagiert das Opfer nicht, schlägt das Verhalten in Beleidigung oder Verfolgung um. Gegebenenfalls folgen sogar körperliche Attacken.
Eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim ergab, dass 3,9 Prozent der Probanden in ihrem Leben bereits von Stalking betroffen waren. 87,2 Prozent der Opfer waren Frauen und 85,5 Prozent der Stalker Männer. In mehr als drei Viertel der Fälle kannte das Opfer den Verfolger. Bei fast siebzig Prozent dauerte die Tortur länger als einen Monat, bei einem Viertel sogar länger als ein Jahr.
Die psychischen und körperlichen Folgen sind enorm: Angst, Depression, Magenbeschwerden. Betroffene änderten neben dem alltäglichen Verhalten auch Wohnort oder Arbeitsplatz, um den Attacken zu entgehen.
des Fan-Seins: In den 1990er Jahren verfolgte ein "Fan" den US-amerikanischen Popstar Madonna exzessiv. Der Mann drohte ihr sogar Gewalt an und wurde zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt.
Aber nicht nur Stars, auch "ganz normale Menschen" sind Opfer von Stalking. Dieser Begriff bezeichnet ein Verhaltensmuster, bei dem der Täter wiederholt Aktivitäten gegen den Willen eines anderen Menschen unternimmt. Das geschieht auf vielfältige Weise: Stalkingopfer erleiden oft zunächst Belästigung durch unerwünschte Kontakte. Reagiert das Opfer nicht, schlägt das Verhalten in Beleidigung oder Verfolgung um. Gegebenenfalls folgen sogar körperliche Attacken.
Eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim ergab, dass 3,9 Prozent der Probanden in ihrem Leben bereits von Stalking betroffen waren. 87,2 Prozent der Opfer waren Frauen und 85,5 Prozent der Stalker Männer. In mehr als drei Viertel der Fälle kannte das Opfer den Verfolger. Bei fast siebzig Prozent dauerte die Tortur länger als einen Monat, bei einem Viertel sogar länger als ein Jahr.
Die psychischen und körperlichen Folgen sind enorm: Angst, Depression, Magenbeschwerden. Betroffene änderten neben dem alltäglichen Verhalten auch Wohnort oder Arbeitsplatz, um den Attacken zu entgehen.



