Schicksal Familie?
Sei es als Älteste_r, als "Mittelkind", oder als Jüngste_r - mit der Geschwister-Rolle sind immer ganz bestimmte Erfahrungen verbunden. Ob das Erlebte den Charakter grundlegend formt - das ist hier die Frage.Was wäre, wenn es keine jüngeren Geschwister gäbe? Dann würde die Welt sich wohl ein Stück langsamer drehen. Ob auf dem Feld der Wissenschaft, in der Politik oder im "gewöhnlichen" Leben: Erstgeborene seien tendenziell zwar ehrgeizig und gewissenhaft, jedoch auch konformistisch, konventionell und defensiv.
Den älteren stünden die jüngeren Brüder, oder Schwestern, gegenüber: Deren Rangplatz in der Geburtenfolge zwinge sie zu offenem, unkonventionellem Verhalten. Aufgeschlossen für neue Erfahrungen und Ideen, neigten sie zum Rebellentum. Der prägende, darwinistische Existenzkampf in der Familie um die knappe Ressource elterliche Aufmerksamkeit forme erst den Typ des Rebellen - per Rivalität mit dem übermächtigen, älteren Geschwister.
Zum Beispiel Darwin
Frank J. Sulloway, Wissenschaftshistoriker am Bostoner Massachussetts Institute of Technology (MIT), hat mit dieser Theorie versucht, die Geschwisterforschung um eine wichtige Hauptthese zu bereichern. Die biografischen Beispiele in seinem 1996 erschienenen Buch Der Rebell der Familie sind eindrucksvoll. Ganz oben steht - natürlich - Charles Darwin (1809 bis 1882): Den Schöpfer der Evolutionstheorie, fünftes von sechs Kindern, präsentiert Sulloway als Paradebeispiel eines wissenschaftlichen Revolutionärs, dessen unabhängiges, nonkonformes Denken sich über den Status als jüngerer Bruder erkläre.
Niedliches Baby - oder Störenfried? Für das ältere Geschwister ist es nicht immer leicht, den Neuankömmling zu verkraften.
Andere Beispiele aus einem halben Jahrhundert westlicher Geschichte stützen die kühne Hypothese. Wo es um freiheitliche Einstellungen gehe, um demokratisches Konfliktmanagement kontra orthodoxe Dogmatik, da hätten "Nachkömmlinge" eben die besseren Karten: "Nicht jeder unorthodoxe Denker hatte Erfolg, nicht alle behielten recht. Doch viele von ihnen waren durch ein mächtiges Band miteinander verbunden: Meist waren sie zur Rebellion gleichsam geboren."
Verschwindende Gräben
Widerspruch gegen Sulloways Argumente ließ nicht lange auf sich warten: Kann der Rangplatz in der Geburtenfolge - also die kindliche Position im Familiengefüge - tatsächlich schicksalsbestimmend sein? "Die Vorstellung, dass Erstgeborene Perfektionisten sind, die von Natur aus zur Identifikation mit dem Vater beziehungsweise der Mutter neigen, und dass Letztgeborene Rebellen sind, ist allzu simpel", meint etwa der populäre französische Autor und Kinderpsychologe Marcel Rufo.
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Von einem Entthronungstrauma,...
welches das erstgeborene Kind bei der Geburt des zweiten Kindes erleidet, sprechen Psychologen, wenn sie die Ursachen von Geschwister-Rivalität beschreiben. Eine Konsequenz kann sein, dass sich die (oder der) Erstgeborene gegen die aufgezwungene Rolle als älteres Geschwister wehrt, etwa mit einer Regression, also mit plötzlich wieder auftretendem "babyhaften" Verhalten.
"Darwinistisch" gesehen, gibt es so gut wie immer das Bemühen beider Geschwister, in der Familie jeweils eigene "Nischen" zu besetzen, mit der Absicht, bestimmte Anteile an elterlicher Zuwendung zu sichern. Der (oder die) Ältere zeigt sich zum Beispiel besonders pflichtbewusst und gewissenhaft (Elternidentifikation); die (oder der) Jüngere versucht, mit Originalität und einer Reihe von Begabungen zu glänzen. Rivalitäten können - abhängig vom elterlichen Einfluss - konstruktive oder destruktive Formen annehmen.
Als idealen Altersunterschied, um Rivalitäten zu steuern, empfehlen Kinderpsychologen einen Abstand von ungefähr sechs bis sieben Jahren. Weil der (oder die) Erstgeborene sich nun sicherer mit der Elternrolle identifizieren kann, schlagen Aggressionen jetzt sogar in Zärtlichkeit um.
welches das erstgeborene Kind bei der Geburt des zweiten Kindes erleidet, sprechen Psychologen, wenn sie die Ursachen von Geschwister-Rivalität beschreiben. Eine Konsequenz kann sein, dass sich die (oder der) Erstgeborene gegen die aufgezwungene Rolle als älteres Geschwister wehrt, etwa mit einer Regression, also mit plötzlich wieder auftretendem "babyhaften" Verhalten.
"Darwinistisch" gesehen, gibt es so gut wie immer das Bemühen beider Geschwister, in der Familie jeweils eigene "Nischen" zu besetzen, mit der Absicht, bestimmte Anteile an elterlicher Zuwendung zu sichern. Der (oder die) Ältere zeigt sich zum Beispiel besonders pflichtbewusst und gewissenhaft (Elternidentifikation); die (oder der) Jüngere versucht, mit Originalität und einer Reihe von Begabungen zu glänzen. Rivalitäten können - abhängig vom elterlichen Einfluss - konstruktive oder destruktive Formen annehmen.
Als idealen Altersunterschied, um Rivalitäten zu steuern, empfehlen Kinderpsychologen einen Abstand von ungefähr sechs bis sieben Jahren. Weil der (oder die) Erstgeborene sich nun sicherer mit der Elternrolle identifizieren kann, schlagen Aggressionen jetzt sogar in Zärtlichkeit um.



