Problematisch: die Konzentration sozial benachteiligter und delinquenzbelasteter Jugendlicher an deutschen Hauptschulen. (Bild: www.polizei-beratung.de)
Gewaltfördernde Lebensbedingungen
Sowohl Statistiken als auch Studien belegen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als ihre deutschen Altersgenossen. Kriminologe Pfeiffer führt das auf besonders gewaltfördernde Lebensbedingungen zurück. Mehrere Belastungsfaktoren zählt seine eingangs erwähnte Studie auf: So werden junge Migranten weit häufiger Opfer familiärer Gewalt als deutsche Jugendliche. Diese Erfahrung erhöhe unmittelbar die Gewaltbereitschaft der Betroffenen. Außerdem würden sie häufiger zu Alkohol- und Drogenkonsum neigen, gewaltorientierte Männlichkeitsnormen - die so genannte "Machokultur" - akzeptieren, Schule schwänzen und gewalthaltige Medieninhalte nutzen.
Bildungsgrad und Gewalt
Größtes Problem aber sei die Konzentration sozial benachteiligter Kinder und "delinquenzbelasteter" Jugendlicher an deutschen Hauptschulen. Der stärkste Einfluss auf die Entwicklung krimineller Karrieren gehe nämlich von der Zahl der delinquenten Freunde aus, mit denen die Jugendlichen in ihrem sozialen Netzwerk verbunden sind. Darüber hinaus gebe es einen engen Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und
Mobbing - in Form physischer wie auch psychischer Gewalt - ist heute Alltag an deutschen Schulen. (Bild: www.polizei-beratung.de)
Zusammenhalt statt Ausgrenzung
Prävention lohnt sich. Jugendgewalt ist kein Gespenst, sondern existiert - als Phänomen, das in Einzelfällen schockiert, sich in seiner Gesamtheit jedoch weniger dramatisch zeigt, als es die Debatte um härtere Strafen suggeriert. Statt in die Folgekosten der Kriminalität zu investieren, sind Politik und Gesellschaft erst einmal gefordert, nicht weiter die Augen zu verschließen vor den Ursachen der Gewalt. Die "Kultur des Wegguckens" (Christian Pfeiffer) muss einem Umdenkungsprozess weichen: gesellschaftlicher Zusammenhalt, nicht Ausgrenzung lautet die Formel. Niemand wird als Krimineller geboren…
Ulrike Wolf (20.11.2009)
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Jugendkriminalität | ![]() |
Infobox
Mobbing in der Schule
Triezen, schikanieren, fertig machen - die systematische und wiederholte Aggression Schwächeren gegenüber ist heute unter dem Begriff Mobbing bekannt. Er leitet sich ab vom englischen "mob" (Meute, randalierender Haufen) und bezeichnet eine Art Psychoterror, charakterisiert durch Ausgrenzung und fortwährende Erniedrigung. Schätzungsweise jeder zehnte Schüler wird hierzulande gemobbt. Als gefährdet gelten Schüler, die sich durch einzelne Merkmale vom Rest der Klasse abheben, wie etwa Behinderung, Sprache, Sozialstatus, Kleidung, Haare, Verhalten oder Ansichten. Besonders die introvertierten Schüler werden häufig Opfer. Und egal, ob leistungsschwach oder überaus engagiert - es kann jeden treffen.
Grundsätzlich werden zwei Arten des Mobbings unterschieden: zum aktiven, körperlichen Mobbing gehören unter anderem physische Gewalt, Beschädigung und Diebstahl von Gegenständen oder Kleidungsstücken des Opfers, das Zerstören von Unterrichtsmaterialien, Erpressung, Nötigung und sogar sexuelle Belästigung. Nicht weniger schlimm zeigt sich das passive, psychische Mobbing, wo Schüler aus der Klassengemeinschaft ausgegrenzt, mit bissigen und verletzenden Bemerkungen belegt, ausgelacht, ungerechtfertigt beschuldigt oder verpetzt werden. Hinter ihrem Rücken wird gelästert, vieles geschieht aber auch offen und laut. Gerüchte machen die Runde. Demütigend ist aber auch die stillschweigende Verachtung, wenn die Opfer einfach links liegen gelassen werden.
Allerdings geht die Bedrohung nicht nur von Klassenkameraden aus. Oft machen auch Lehrer ihren Schülern das Leben schwer, indem sie sie vor der ganzen Klasse bloßstellen, missglückte Arbeiten oder schlechte Noten öffentlich machen, sich abfällig äußern und die Kinder beleidigen, etwa durch ironische Bemerkungen oder Spitznamen. Aber auch mangelnde Bereitschaft, für gemobbte Schüler einzutreten - wenn das Problem überhaupt erkannt wird -, verschlimmert die Situation der Opfer.



