Bereits in den zwanziger und dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts stieß die Forschung an Zwillingen auf großes Interesse. Auslöser war die Suche nach den erblichen Ursachen von Krankheiten. Dahinter steckte jedoch mehr: Schon 1883 führte der Engländer Sir Francis Galton den Begriff der Eugenik ein. Es ging ihm um "praktische Vorschläge zur Verbesserung der Erbmasse des britischen Volkes." Ein starkes Volk sollte sich gegen schwächere durchsetzen.
Ideologisch belastet
Schon damals (und auch heute noch) ist die Zwillingsforschung ideologisch belastet. Gegensätzliche politische Strömungen entwickelten jeweils eigene Ansichten vom Wesen des Menschen.
So gaben marxistische Denker immer den Umwelteinflüssen den Vorrang, während in der nationalsozialistischen Vorstellungswelt - aber nicht nur dort - nahezu völlig auf den Faktor Vererbung gesetzt wurde. Die Erforschung ererbter Fähigkeiten widersprach dem marxistischen Ideal von der Gleichheit aller Menschen. Daher wurden in der Sowjetunion sämtliche Untersuchungen zum Thema eingestellt.
Die dunkle Seite
Im Deutschland der Nationalsozialisten dagegen vergrößerte sich das Interesse an der Zwillingsforschung. Galtons Eugenik wurde zur "Rassenhygiene". Führender Theoretiker war der - später auch in der Bundesrepublik wissenschaftlich tätige - Prof. Ottmar von Verschuer. Dessen Assistent Dr. Josef Mengele, SS-Freiwilliger und Mediziner, widmete sich schließlich ganz der Zwillingsforschung. Sein "Laboratorium" war das KZ Auschwitz-Birkenau. Durch Experimente an ins Lager eingelieferten Zwillingen wollte Mengele herausfinden, wie das Erbgut gezielt zu manipulieren sei.
"Freundlich und kinderlieb"
Giftspritzen und Sektionen an Lebenden gehörten zur täglichen Praxis. Mengeles Versuche brachten Tausenden Kindern den Tod. Inwieweit die Projekte des als "sonst freundlich und kinderlieb" beschriebenen Mannes die moderne Genforschung beeinflusst haben, ist noch immer nicht völlig geklärt. Finanziert wurden sie übrigens von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft,
Vorläuferin der heutigen Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Dominanz der Gene
Mengeles Experimente brachten die Zwillingsforschung für lange Zeit in Misskredit. Dabei kann sie bei der Erklärung erblicher Krankheiten tatsächlichen Nutzen bringen. Zwillingsstudien in neuerer Zeit bestätigen jedoch auch die Dominanz der Gene für die Persönlichkeit: Thesen, wie etwa die, dass Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen zu 65 Prozent genetisch bedingt ist, sind heute durchaus üblich. Zwei alte Herren mit dem Vornamen Jim haben einen Trend im wissenschaftlichen Denken ausgelöst, der den Blick auf unsere Mitmenschen verändern könnte.
Michael Schmittbetz (02.07.2003)
Ideologisch belastet
Schon damals (und auch heute noch) ist die Zwillingsforschung ideologisch belastet. Gegensätzliche politische Strömungen entwickelten jeweils eigene Ansichten vom Wesen des Menschen.
So gaben marxistische Denker immer den Umwelteinflüssen den Vorrang, während in der nationalsozialistischen Vorstellungswelt - aber nicht nur dort - nahezu völlig auf den Faktor Vererbung gesetzt wurde. Die Erforschung ererbter Fähigkeiten widersprach dem marxistischen Ideal von der Gleichheit aller Menschen. Daher wurden in der Sowjetunion sämtliche Untersuchungen zum Thema eingestellt.
Die dunkle Seite
Im Deutschland der Nationalsozialisten dagegen vergrößerte sich das Interesse an der Zwillingsforschung. Galtons Eugenik wurde zur "Rassenhygiene". Führender Theoretiker war der - später auch in der Bundesrepublik wissenschaftlich tätige - Prof. Ottmar von Verschuer. Dessen Assistent Dr. Josef Mengele, SS-Freiwilliger und Mediziner, widmete sich schließlich ganz der Zwillingsforschung. Sein "Laboratorium" war das KZ Auschwitz-Birkenau. Durch Experimente an ins Lager eingelieferten Zwillingen wollte Mengele herausfinden, wie das Erbgut gezielt zu manipulieren sei.
"Freundlich und kinderlieb"
Giftspritzen und Sektionen an Lebenden gehörten zur täglichen Praxis. Mengeles Versuche brachten Tausenden Kindern den Tod. Inwieweit die Projekte des als "sonst freundlich und kinderlieb" beschriebenen Mannes die moderne Genforschung beeinflusst haben, ist noch immer nicht völlig geklärt. Finanziert wurden sie übrigens von der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft,
Joseph Mengele (1911 bis 1979): brutale Experimente im KZ Auschwitz.
Dominanz der Gene
Mengeles Experimente brachten die Zwillingsforschung für lange Zeit in Misskredit. Dabei kann sie bei der Erklärung erblicher Krankheiten tatsächlichen Nutzen bringen. Zwillingsstudien in neuerer Zeit bestätigen jedoch auch die Dominanz der Gene für die Persönlichkeit: Thesen, wie etwa die, dass Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Menschen zu 65 Prozent genetisch bedingt ist, sind heute durchaus üblich. Zwei alte Herren mit dem Vornamen Jim haben einen Trend im wissenschaftlichen Denken ausgelöst, der den Blick auf unsere Mitmenschen verändern könnte.
Michael Schmittbetz (02.07.2003)
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Siamesische Zwillinge
Spektakulär sind Berichte aus dem 17. Jahrhundert: So soll es in Schottland einen Mann mit zwei Köpfen gegeben haben. Dieser verblüffte seine Zuschauer, indem er zweistimmig sang. Außerdem wurde beobachtet, dass sich die zwei Köpfe oft stritten. Er starb im Alter von 28 Jahren.
Berühmter wurden die 1811 in Siam, dem heutigen Thailand, geborenen Zwillinge Eng und Chang. 1827 entdeckte sie ein englischer Kapitän und stellte sie in den USA zur Schau. Nach ihnen wird die ganze Gruppe der an einer Körperstelle zusammengewachsenen Zwillinge benannt. Mit 32 Jahren heirateten Eng und Chang zwei Töchter eines amerikanischen Pfarrers und hatten mit ihnen 22 Kinder.
Konflikte zwischen den Zwillingen gab es wegen Changs zunehmendem Alkoholkonsum. Sie prügelten sich immer öfter und prozessierten sogar einmal vor Gericht. 1874 bekam Chang eine Lungenentzündung und starb. Nur zwei Stunden später war auch Eng tot.
Berühmter wurden die 1811 in Siam, dem heutigen Thailand, geborenen Zwillinge Eng und Chang. 1827 entdeckte sie ein englischer Kapitän und stellte sie in den USA zur Schau. Nach ihnen wird die ganze Gruppe der an einer Körperstelle zusammengewachsenen Zwillinge benannt. Mit 32 Jahren heirateten Eng und Chang zwei Töchter eines amerikanischen Pfarrers und hatten mit ihnen 22 Kinder.
Konflikte zwischen den Zwillingen gab es wegen Changs zunehmendem Alkoholkonsum. Sie prügelten sich immer öfter und prozessierten sogar einmal vor Gericht. 1874 bekam Chang eine Lungenentzündung und starb. Nur zwei Stunden später war auch Eng tot.



