Jedem sein Name
Nomen est omen, heißt es so schön - jeder Name sei Vorbedeutung, gar Schicksal. Doch muss jemand, der Felix heißt, glücklich sein? Was auf jeden Fall stimmt, ist: Namen haben viel mit Individualität zu tun.Der französische Moralphilosoph Jean de La Bruyère bemerkte einst spöttisch: "Manche Leute tragen drei Namen, als fürchteten sie sich, keinen zu besitzen." Die Angst ist sicher verständlich: Namen kennzeichnen Personen und sind zugleich Ausdruck von Individualität. Ohne sie würden wir in der Anonymität versinken, könnten keine Ansprüche geltend machen, keiner könnte uns rufen oder sich bei einem Dritten nach unserem Befinden erkundigen. Im Mittelalter galt der Namenlose gar als Mensch ohne Stand und Ehre.
Individualität und Freiheitsverlust
Zugleich bringen Namen aber auch Kontrolle mit sich: Der Einzelne wird bestimmbar, kann sich nicht mehr herausreden, muss seiner Pflicht nachkommen oder Strafe hinnehmen. Passt das zusammen: steigende Individualität mit Freiheitsverlust? Um dies zu beantworten, werfen wir einen Blick auf die Entstehung der Namen.
Nachkommen durchnummerieren
Was heute selbstverständlich ist, nämlich einen Vor- und einen Nachnamen zu besitzen, ist in der Geschichte der Menschheit etwas relativ Neues. Jahrhunderte lang begnügten sich Menschen mit einem einzigen Rufnamen. Dabei waren sie nicht immer einfallsreich: So nummerierten die Römer gelegentlich ihre Nachkommen einfach durch: Quintus, Sixtus, Septimus. Immerhin gab es dazu wenigstens Sippen- und Beinamen.
Zeit der Einnamigkeit
Bei den Griechen und Germanen hingegen war es üblich, nur einen einzigen Namen zu besitzen: Platon, Sokrates, Wulfila oder Attila. Können wir hier die Bezeichnungen meist noch einer bestimmten Person zuordnen, ist so etwas bei mittelalterlichen Namen fast aussichtslos. Grund: Das Phänomen der Modenamen griff schon damals um sich. Doch statt Kevin oder Jennifer häuften sich Heinrich, Georg, Karl, Kunigunde und Hildegard, meist Namen von Kirchenheiligen. Wenn ein Kind starb, nannte man das nächste ebenso - irgendwie praktisch, wenn auch scheinbar ohne Pietät.
Karl der Große, Karl der Kahle
Kein Wunder, wenn es da zu Verwechslungen kam - und bei Generationen heutiger Schüler immer noch kommt: Welcher Heinrich hat denn nun Sizilien erobert, welcher Friedrich war sein Vater, welcher sein Sohn? Zur Unterscheidung gab man den Potentaten Nummern und Beinamen, die meist die Person näher bezeichnen: Karl der Große, Karl der Kahle, Heinrich der Löwe oder Robert Kurzhose - oft wertschätzend, manchmal geschmacklos. Die Vorreiterrolle übernahm also, wie so oft, der Adel. Doch mit steigender Bevölkerungszahl und höherem Grad an Verschriftlichung, und damit auch Bürokratisierung, wurde im 12. Jahrhundert die genaue Benennung aller Personen nötig.
Müller, Meyer, Schulze, Schmidt
Zunächst behalf man sich mit der Vergabe von Beinamen, die auf den Beruf einer Person deuten, wie etwa Müller, Meyer oder Fischer. Sie sind heute noch am gängigsten. Namen konnten aber auch Charakter oder Aussehen bezeichnen, beispielsweise Großkopf. Manches Mal findet sich ein Zusatz, der Herkunft oder Wohnort erklärt, beispielsweise Dorer - der am Tor wohnt - oder Ungar. Andere Varianten leiteten sich vom Namen der Eltern ab, etwa Karl Petersohn. Vielfach wandelte sich so der Vor- zum Nachnamen...
Seite
1
| 2
Infobox
Das Pseudonym...
ist ein fiktiver Name, der zumeist von Künstlern verwendet wird, um sich eine zusätzliche, schützende Identität zu schaffen. Es leitet sich von dem griechischen Wort pseudonymos - falscher Name ab.
Die Gründe für seine Verwendung sind vielfältig: Angst vor Skandalen oder Verfolgung spielt dabei ebenso eine Rolle, wie Vereinfachung komplizierter Namen, Anpassung an eine neue Sprache oder das phantasievolle Ausgestalten von Allerweltsnamen. Während sich mitunter Personen dahinter verstecken, wie etwa der Schriftsteller Stephen King, der auch als Richard Bachman veröffentlichte, dient es anderen bei der Erlangung größerer Popularität.
Eine Variante des Pseudonyms ist das Anagramm, bei dem die Buchstaben des echten Namens vertauscht werden. Eine Sonderform hiervon ist das Ananym, wo der Name rückwärts gelesen wird: Ceram statt Marek. Das Traduktionym übersetzt den Namen in eine fremde Sprache: in Mittelalter und früher Neuzeit ins Griechische oder ins Latein, um einen gewissen Bildungsgrad zu zeigen, heute eher ins Englische. Im Internet werden Pseudonyme häufig genutzt, um die wahre Identität zu verschleiern.
ist ein fiktiver Name, der zumeist von Künstlern verwendet wird, um sich eine zusätzliche, schützende Identität zu schaffen. Es leitet sich von dem griechischen Wort pseudonymos - falscher Name ab.
Die Gründe für seine Verwendung sind vielfältig: Angst vor Skandalen oder Verfolgung spielt dabei ebenso eine Rolle, wie Vereinfachung komplizierter Namen, Anpassung an eine neue Sprache oder das phantasievolle Ausgestalten von Allerweltsnamen. Während sich mitunter Personen dahinter verstecken, wie etwa der Schriftsteller Stephen King, der auch als Richard Bachman veröffentlichte, dient es anderen bei der Erlangung größerer Popularität.
Eine Variante des Pseudonyms ist das Anagramm, bei dem die Buchstaben des echten Namens vertauscht werden. Eine Sonderform hiervon ist das Ananym, wo der Name rückwärts gelesen wird: Ceram statt Marek. Das Traduktionym übersetzt den Namen in eine fremde Sprache: in Mittelalter und früher Neuzeit ins Griechische oder ins Latein, um einen gewissen Bildungsgrad zu zeigen, heute eher ins Englische. Im Internet werden Pseudonyme häufig genutzt, um die wahre Identität zu verschleiern.


