Wächter oder Sklave?
Die Polizei: dein Helfer und Bestrafer. Zwischen diesen Extremen bewegt sich die Rolle von Ordnungshütern seit der Antike. Lang und steinig war der Weg vom rigiden Polizeistaat zur demokratischen Polizei.Blick auf die Agora, den Markt- und Versammlungsplatz des alten Athen. Dort sorgten die Bürger selbst für Ordnung und Sicherheit.
Die Polis-Sklaven
Das antike Athen - die Polis - hatte derweil ganz andere Polizisten: ein Korps aus skythischen Sklaven war bestellt, die öffentliche Ordnung zu wahren. Denn auch dort verprügelte mal der Nachbar den Nachbarn, oder ließ seinen Dreck auf dem Marktplatz fallen. Mit Fackeln bewehrt, leuchteten die Polis-Sklaven dem freien Bürger heim, falls der besoffen in der Gosse lag, höflich und mit allem Respekt. Für Athener Bürger war solche Schmutzarbeit gänzlich unter ihrer Würde: Sklaven-Angelegenheit eben, anrüchig und gemein.
Zwei Extreme
Wozu wir das wissen sollten? Zwischen den beiden Extremen pendelt von da ab das Bild vom Polizisten: der weise Wächter über die Ordnung einerseits, andererseits der niedrige Sklave, der dem Bürger zu dienen hat. Schon bei Platon erscheint der Wächter jedoch auch als Kontrollmacht, als Schreckgespenst für bürgerliche Freiheit später, der Sklave hingegen bloß als lästiger, doch nützlicher Idiot. So ist es in Demokratien eine merkwürdige Sache mit der Polizei: Sie soll sein, wofür man sie verachtet, will sie mehr, werden warnende Rufe laut.
Der Landesherr als Ober-Polizist
Das ist kein Wunder. Denn demokratischen Ursprung hat Polizei nun einmal nicht, jedenfalls nicht in unserem Vaterland. Anfangs war sie eher ein Notbehelf: Städte lagen ums 13. Jahrhundert in Gebieten voller Willkür. Innerhalb der Stadtmauern sorgten bald Gewerbe-, Feuer- und Baupolizei für ein Minimum an Sicherheit.
Noch war alles improvisiert, im Sinne der Bürger. Erst 1530 zu Augsburg machte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation die Ordnung und die Polizei zum Gegenstand von Gesetzen. Ehebruch, Gotteslästerung, Betrug, viel mehr aber Außenseiter wie Zigeuner, Landfahrer und Sänger wurden Objekt polizeilicher Aktion.
Truppe von Fürstendienern
Polizei unterstand nun den Landesherren, ein entscheidender Schritt. Für die nämlich gab es nichts, worum sie sich nicht zu kümmern hätten: Polizei kontrollierte folglich sogar den Anbau auf den Feldern. Und sie stand, als Truppe von Fürstendienern, weit über ihren gewöhnlichen Zeitgenossen, weil die selbst bloß sklavenartige Wesen waren. Nur konsequent, dass um jene Zeit Kerker und Zuchthaus erscheinen. Für die Antike, und selbst noch im frühen Mittelalter, waren Freiheitsstrafen undenkbar.
Friedrich II. von Preußen (1712 bis 1786): Unter seiner Regentschaft entwickelte sich die Polizei zum machtvollen Wächter.
Direkt auf Platon beruft er sich natürlich, der so genannte "aufgeklärte Absolutismus". Allerlei Herrscher der Epoche lesen das Buch des Philosophen mit Gewinn. 1742 erlässt Friedrich der Große eine ausführliche Polizei-Instruktion. Die Kriminalpolizei entsteht.
Wohlfahrtspflege wird aus dem Aufgabenspektrum der Polizei entfernt. Innerhalb weniger Jahrhunderte mutierte die Polizei vom emsigen, aber harmlosen Stadt-Diener zum machtvollen, oft mit Willkür agierenden Wächter. Das Allgemeine Landrecht für die preußischen Staaten von 1794 schreibt diese Entwicklung fest.
Angst um den Kopf
So richtig öffnet die Französische Revolution von 1789 den Weg für einen deutschen Polizeistaat: Jeder Landesherr bangt nun um den eigenen Kopf und setzt Polizei gezielt als Instrument politischer Unterdrückung ein. Lange nach der Revolution sind es dann die Karlsbader Beschlüsse aus dem Jahre 1819, die der Polizei Vollmacht gegen alles geben, was nur leicht nach Demokratie und Liberalismus riecht.
Datenerfassung, möglichst lückenlos soll sie sein, ist schon damals ein wichtiges Mittel: 1811 ersinnt der Berliner Polizeipräsident eine Kriminalabteilung. Zu der gehört neben einem Fremdenbüro auch ein Sicherheitsbüro. Dessen wenige Beamte sind verantwortlich für Registrierung und Kontrolle sämtlicher Einwohner. Steckbriefregister, Straftäter: Listen über Listen von verdächtigen Personen gelangen in den Alltagsgebrauch der Polizei...
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Infobox
Einheitliche Polizeiuniformen führt Preußen Mitte des 18. Jahrhunderts ein - blaue Dienströcke, die der damaligen Militärkleidung nachempfunden sind. In der Folge statten auch andere deutsche Staaten ihre Ordnungshüter mit einheitlichen Anzügen in grün oder blau aus.
Im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik erkennt man Polizisten an ihrer hellgrünen Ausgehuniform mit schwarzen Schaftstiefeln, komplettiert durch hellgrüne Schirmmütze, dunkelgrauen Helm (Tschako) oder Pickelhaube. Im Nationalsozialismus dient ebenfalls Militärkleidung als Vorbild für die hellgrün und feldgrau gefärbten Polizeiuniformen.
In der Nachkriegszeit herrscht Materialmangel - die Dienstjacken der Polizisten fallen kürzer aus. Die heutigen, beige-grünen Uniformen werden in den alten Bundesländern 1976, in Ostdeutschland nach der Wende eingeführt. Seit einigen Jahren ersetzen alle Bundesländer außer dem Saarland und Bayern sie durch blaue Uniformen.
Im Deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik erkennt man Polizisten an ihrer hellgrünen Ausgehuniform mit schwarzen Schaftstiefeln, komplettiert durch hellgrüne Schirmmütze, dunkelgrauen Helm (Tschako) oder Pickelhaube. Im Nationalsozialismus dient ebenfalls Militärkleidung als Vorbild für die hellgrün und feldgrau gefärbten Polizeiuniformen.
In der Nachkriegszeit herrscht Materialmangel - die Dienstjacken der Polizisten fallen kürzer aus. Die heutigen, beige-grünen Uniformen werden in den alten Bundesländern 1976, in Ostdeutschland nach der Wende eingeführt. Seit einigen Jahren ersetzen alle Bundesländer außer dem Saarland und Bayern sie durch blaue Uniformen.
Infobox
Durch dick und dünn geht der Polizeihund, ganz gleich, ob sein Herrchen blau oder grün gekleidet ist. Polizeihunde waren in Deutschland bereits um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Einsatz. Den ersten großen Erfolg erzielte ein vierbeiniger Ordnungshüter bereits 1904: In Braunschweig überführte der Schäferhund eines Polizeiinspektors einen Mörder.
Mit der Aufstellung der Schutzpolizei in der Weimarer Republik entstanden Hundeschulen und Zuchtanstalten, Polizeidiensthunde wurden zur Normalität. Der gezielte Einsatz von Spürhunden kam jedoch erst in den 1970er Jahren. 1987/88 bildete die Polizei der BRD Diensthunde für das so genannte Geruchsspurenvergleichsverfahren aus, in der DDR existierte dieses Verfahren bereits seit 1970.
Mit der Aufstellung der Schutzpolizei in der Weimarer Republik entstanden Hundeschulen und Zuchtanstalten, Polizeidiensthunde wurden zur Normalität. Der gezielte Einsatz von Spürhunden kam jedoch erst in den 1970er Jahren. 1987/88 bildete die Polizei der BRD Diensthunde für das so genannte Geruchsspurenvergleichsverfahren aus, in der DDR existierte dieses Verfahren bereits seit 1970.



