Panzerwagen: In der Weimarer Republik agierte die Polizei auch mit schwerem Gerät, um Aufstände und Putsche zu unterdrücken.
Während der Revolution 1918 sind es meist reaktionäre Freikorps-Männer (solche, die das Schießen nicht lassen können, obwohl das Heer längst aufgelöst ist), die sich dem Staat für Polizeiaufgaben andienen. Kasernierte Sicherheitspolizei ("Sipo"), bestehend aus Freikorps-Freiwilligen, stellt im Januar 1919 "Ruhe und Ordnung" wieder her.
Feuer nach links und rechts
1920 verschmilzt die grün uniformierte Sipo mit den Resten der alten, "blauen" Polizei, und heißt von da ab Schutzpolizei. Woher der "demokratische Charakter" einer solchen Organisation, der in mancher Publikation behauptet wird, eigentlich gekommen sein soll, bleibt unklar. Auf jeden Fall ist sie von Beginn an in heftigste innenpolitische Kämpfe verwickelt: Aufstände in Hamburg und im Ruhrgebiet, rechte und linke Putschversuche, rheinischer Separatismus. Aus den Wächtern ist eine quasi-militärische Truppe mit unsicherer Loyalität geworden.
Razzia der deutschen Ordnungspolizei in Krakau (Anfang 1941) - eng an die SS gebunden, fungierte die Polizei im Dritten Reich als ein Werkzeug der Führergewalt. (Bild: Kintscher/Deutsches Bundesarchiv, Lizenz: CreativeCommons)
Unterstellt sind die Polizeiformationen den Regierungen der Länder. Vergleichbar mit den Regelungen für die Reichswehr, die ebenfalls auf dem Berufsbeamtentum beruht, fixieren die Polizeigesetze von 1922 und 1927 die gesetzliche Basis: zwölfjährige Dienstzeit oder sogar lebenslängliche Anstellung.
Aus Polizei wird SS
Allen Konzepten von einer bürgernahen Miliz, vielleicht sogar gewählten Polizisten wie in den USA, ist damit eine Absage erteilt. Dass die zu reinen Befehlsempfängern degradierten Wächter den legalen Aufstieg eines Adolf Hitler nicht verhindern können, überrascht da nicht. Von Ausnahmen abgesehen, wollen sie es wohl auch nicht.
Ob "Polizei-Staat" oder "SS-Staat", es ist ihnen im Grunde egal. Die Mehrheit der Beamten verbleibt nach 1933 in Dienst und Stellung. 1936 schon setzt die personelle Verschmelzung von Polizei und SS den vorläufigen Schlusspunkt unter eine lange Entwicklung, die mit der Rekrutierung von Polizisten aus rechtsextremen Freikorpsverbänden begonnen hat.
Mörderische Tätigkeit
Der Massenmord an Juden, Sinti und Roma und anderen ausgegrenzten Gruppen wird von der Polizei tatkräftig unterstützt, wenn nicht sogar begangen. Das vielleicht traurigste Kapitel ist die mörderische Tätigkeit von Polizei-Bataillonen in den besetzten Ostgebieten: wildgewordene "Skythen", die - freilich nach "Recht und Gesetz" - ihr blutiges Geschäft betreiben.
Polizeiaufmarsch, 2007 in Rostock: Wer kontrolliert die Wächter? (Bild: Fernando O.M., Lizenz: CreativeCommons)
Der Untergang des Nazi-Reichs ist keineswegs zwangsläufig das Ende der Dienstkarriere: In West wie Ost übernehmen erfahrene Beamte in den neu geschaffenen Formationen selbst hohe Funktionen. Wenn wir heute von einer demokratischen Polizei sprechen können, so steckt dahinter ein Prozess, der erst auf die letzten vier Jahrzehnte zu datieren ist.
Wer kontrolliert die Wächter?
Sklaven ohne persönliche Rechte sind Polizeibeamte heute gewiss nicht. Sie ausschließlich als "Diener" an einem abstrakten Bürger-Interesse zu betrachten, erscheint ebenso verfehlt: In den aktuellen Diskussionen über Datenschutz, Telefonüberwachung und über die Verknüpfung organisierter Kriminalität mit staatlichen Strukturen taucht das alte Problem wieder auf: Wer kontrolliert die Wächter? Sind sie wirklich kontrollierbar, oder ist der "Wächter-Staat" Platons unsere Zukunft?
Michael Schmittbetz (aktualisiert 21.05.2007)
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Selbst der "brave Bürger" begegnet dem Polizisten hin und wieder mit mulmigem Gefühl. Dass viele Deutschen der Polizei zwiespältig gegenüberstehen, bestätigte 1998 eine Studie im Auftrag der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder des Bundes (ProPK). Gute Bewertungen erhielt die Polizei für ihre Kompetenz im Bereich Information, Vorbeugung und Beratung.
Doch dem "Freund und Helfer" steht auch "Überwacher und Bestrafer" auf die Uniform geschrieben: Mehr als einem Drittel der Befragten waren gerade ihre schlechten Erfahrungen mit der Polizei in Erinnerung geblieben; Verkehrskontrollen, Anzeigenerstattungen und Besuche wegen nächtlicher Ruhestörung graben sich tief ins Gedächtnis. Als Garant für Sicherheit rangiert die Polizei dennoch an erster Stelle.
Doch ihre Arbeit kann nur dann funktionieren und Verbrechen verhindern, wenn Bürger und Polizist gut miteinander kommunizieren. Ob das funktioniert, hängt laut der Studie von vielen Faktoren ab: Weltanschauung, soziales Milieu, Alter und Schulabschluss der Beteiligten sind nur einige davon. Auch rein optisch konnten die Staatsdiener bisher nicht beim Volk punkten.
Die beige-grüne Uniform (in der Bundesrepublik seit 1976 im Einsatz) hat daher in den meisten Bundesländern ausgedient. Blau ist angesagt: Nach Auffassung von Psychologen besitzt diese Farbe einen hohen Sympathiewert und ist außerdem die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen. Ob blaue Polizeiuniformen ihre Träger beim Volk wirklich beliebter machen, wird sich zeigen.
Doch dem "Freund und Helfer" steht auch "Überwacher und Bestrafer" auf die Uniform geschrieben: Mehr als einem Drittel der Befragten waren gerade ihre schlechten Erfahrungen mit der Polizei in Erinnerung geblieben; Verkehrskontrollen, Anzeigenerstattungen und Besuche wegen nächtlicher Ruhestörung graben sich tief ins Gedächtnis. Als Garant für Sicherheit rangiert die Polizei dennoch an erster Stelle.
Doch ihre Arbeit kann nur dann funktionieren und Verbrechen verhindern, wenn Bürger und Polizist gut miteinander kommunizieren. Ob das funktioniert, hängt laut der Studie von vielen Faktoren ab: Weltanschauung, soziales Milieu, Alter und Schulabschluss der Beteiligten sind nur einige davon. Auch rein optisch konnten die Staatsdiener bisher nicht beim Volk punkten.
Die beige-grüne Uniform (in der Bundesrepublik seit 1976 im Einsatz) hat daher in den meisten Bundesländern ausgedient. Blau ist angesagt: Nach Auffassung von Psychologen besitzt diese Farbe einen hohen Sympathiewert und ist außerdem die Lieblingsfarbe der meisten Deutschen. Ob blaue Polizeiuniformen ihre Träger beim Volk wirklich beliebter machen, wird sich zeigen.



