Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zu den Themen

Rauchen
Tabak

Infobox

"Rache des Indianers"
Deutschland gehörte zu den letzten europäischen Staaten, in denen die Anti-Tabak-Regelungen der EU umgesetzt wurden. Hat das vielleicht was mit Hypotheken aus der eigenen, traurigen Vergangenheit zu tun?

Fakt ist: Deutsche Forscher legten als Erste dar, dass Lungenkrebs epidemische Ausmaße angenommen hat - und zwar schon auf dem Berliner Pathologenkongress 1923. Sie wiesen darüber hinaus erstmals Zusammenhänge zum Rauchen nach. Einige der wichtigsten Forschungsarbeiten zum Thema fallen in die Zeit des Nationalsozialismus.

Das ist kein Wunder, war doch Hitler selbst ein militanter Anti-Raucher, der das Rauchen in seiner Umgebung verbot und persönlich ein Institut zur Erforschung der Tabakgefahren an der Universität Jena ins Leben rief.

Wie in den Tischgesprächen überliefert, betrachtete der "Führer" Tabak als "Rache des Indianers", da der weiße Mann ihm den Schnaps geliefert und ihn dadurch zugrunde gerichtet hätte. Rauchen, sprich: Tabak, galt als gefährliches "Rassengift".

Per behördlicher Anweisung verhängte man Rauchverbote in öffentlichen Verkehrsmitteln und Gebäuden. Umgekehrt empfand so mancher das Rauchen - mit seinen aus den USA übernommenen Werten Freiheit und Individualität - als Zeichen des Widerstands gegen den kontrollwütigen Nazistaat.