Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.
aus George Orwells 1984
aus George Orwells 1984
Das Gespenst
Deutschland entwickelt sich, schenkt man den Demografen Glauben, zu einem Land der Senioren. Das habe gravierende Folgen - zum Beispiel sei das heutige Rentensystem künftig nicht mehr zu finanzieren.Bedroht der demografische Wandel die 'Generationengerechtigkeit'?
Märchen vom demografischen Wandel
Stopp! Wir haben kein Problem - zumindest kein demografisches. Mal davon abgesehen, dass die Bundesrepublik mit durchschnittlich 1,36 Kindern pro Frau zwar eine niedrige, bei weitem aber nicht die niedrigste Geburtenrate der Welt hat, lässt sich das von Politik, Wissenschaft und Medien verbreitete Märchen vom dramatischen demografischen Wandel Deutschlands anhand weniger Überlegungen entzaubern.
"Moderne Kaffeesatzleserei"
So zweifeln Kritiker des Demografie-Pessimismus bereits an dessen Fundament: die 2003 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Berechnungen der Bevölkerungsentwicklung für die Jahre bis 2050. Die verkünden für die kommenden fünf Jahrzehnte gravierende gesellschaftliche Probleme. Während solche erschreckenden Prognosen von manchem fast wie Naturgesetze gehandhabt werden, sind sie für Gerd Bosbach, Professor für Statistik, Mathematik und Empirie an der Fachhochschule Koblenz, nichts weiter als "moderne Kaffeesatzleserei". Nur mit den Mitteln der Statistik sei die demografische Entwicklung in Deutschland nicht im Voraus zu berechnen, zu viele Einflussfaktoren wären heute noch unbekannt. Eine derart langfristige Berechnung im Jahre 1950 hätte zum Beispiel die Verbreitung der Antibabypille übersehen.
Der Teufel an der Wand
Außerdem weisen Kritiker wie Bosbach darauf hin, dass die prophezeiten Verschiebungen der Alterstruktur nur eine Tendenz fortsetzen, die vor über einem Jahrhundert ihren Anfang nahm. Und selbst wenn die Berechnungen der Statistiker sich als richtig erweisen sollten, hätte der demografische Wandel "bei weitem nicht die dramatischen Auswirkungen, wie sie aller Orten wie ein Teufel an
Von der Pyramide zum Tannenbaum: auf der Briefmarke ist die demografische Entwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2000 zu sehen.
Demografisches Desaster?
Sind also die Finanzierungsprobleme der sozialen Sicherungssysteme, wie zum Beispiel der gesetzlichen Rente, gar nicht der demografischen Entwicklung geschuldet, wie immer wieder behauptet wird? Warum beschwören dennoch Politiker, Ökonomen und Journalisten beinahe einhellig ein demografisches Desaster herauf, entwerfen Schreckensszenarien, schüren Angst und Verunsicherung? ...
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Die Finanzierung der gesetzlichen Rente...
beruht auf dem so genannten Umlageverfahren. Die Rentenversicherungsträger zahlen die an sie entrichteten Beiträge und einen Zuschuss des Bundes aus Steuermitteln umgehend an die Rentner aus. Die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung erwerben aufgrund ihrer Beiträge einen Anspruch auf die eigene gesetzliche Rente in der Zukunft, den sie bei der jeweils nachfolgenden Generation geltend machen.
Der Generationenvertrag, als gesellschaftlicher Konsens verstanden, soll mit dem Gespenst der demografischen Zeitbombe zunehmend ausgehebelt werden: durch die Schrumpfung der Bevölkerungszahlen würde automatisch auch die Finanzierungsbasis des Rentensystems schrumpfen. Die Diskussion wird allerdings von einem Denkfehler geprägt: Für die Finanzierung ist nämlich nicht die Anzahl der Erwerbsfähigen entscheidend, sondern die der Erwerbstätigen.
beruht auf dem so genannten Umlageverfahren. Die Rentenversicherungsträger zahlen die an sie entrichteten Beiträge und einen Zuschuss des Bundes aus Steuermitteln umgehend an die Rentner aus. Die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung erwerben aufgrund ihrer Beiträge einen Anspruch auf die eigene gesetzliche Rente in der Zukunft, den sie bei der jeweils nachfolgenden Generation geltend machen.
Der Generationenvertrag, als gesellschaftlicher Konsens verstanden, soll mit dem Gespenst der demografischen Zeitbombe zunehmend ausgehebelt werden: durch die Schrumpfung der Bevölkerungszahlen würde automatisch auch die Finanzierungsbasis des Rentensystems schrumpfen. Die Diskussion wird allerdings von einem Denkfehler geprägt: Für die Finanzierung ist nämlich nicht die Anzahl der Erwerbsfähigen entscheidend, sondern die der Erwerbstätigen.



