Ein Eheberater erzählt
Wenn aus Partnern Gegner werden, ist das schmerzvoll für Frauen, Männer und vor allem die Kinder. Doch auch in dieser Situation gibt es Begleiter, die beistehen können - Jörg Müller zum Beispiel.Jörg Müller arbeitet seit über 20 Jahren als Ehe-, Familien- und Lebensberater.
Jörg Müller: Ich bin ursprünglich studierter Theologe, habe aber nach dem Studium die Chance wahrgenommen, noch eine zusätzliche Ausbildung zum Ehe-, Familien- und Lebensberater zu absolvieren. Mittlerweile arbeite ich zusammen mit anderen Beratern in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Caritas in Erfurt.
LexiTV: Wie müssen wir uns die Arbeit in ihrem Beruf genau vorstellen?
Jörg Müller: Ziel unserer Arbeit ist es, den Rat-Suchenden in einem Prozess zu helfen, neue Lebensmöglichkeiten und Konflikt-Lösungs-Strategien zu entdecken und auszuprobieren. Auch müssen sie oft noch verstehen lernen, woher alte Gefühls- und Verhaltensmuster herrühren. Wir Berater verstehen uns dabei als professionelle Wegbegleiter, also als Helfer zur Selbsthilfe. Die Partner sollen während des Beratungsprozesses lernen, anders und neu miteinander umzugehen, zu reden, einander zu verstehen. Sie sollen zusammen eine Lösung für ihre Probleme finden. Das heißt, sie können entweder die Chancen entdecken und ihre Beziehung neu beleben, oder sie müssen eine Trennung akzeptieren.
LexiTV: Hat Ihr Beruf Auswirkungen auf Ihr eigenes Leben? Erleben Sie Konflikte in Ihrer Beziehung anders als "normale" Paare?
Jörg Müller: Nun ja, seitdem ich diese Arbeit mache, bin ich auf alle Fälle aufmerksamer geworden, sowohl was unsere Kinder betrifft, als auch was unsere Ehe angeht. Andererseits bin ich dabei aber auch ein wenig gelassener geworden, sehe Streit und Konflikte in unserer Ehe nicht mehr so sehr als katastrophal an. Wenngleich sie mir natürlich sehr wehtun. Ich gehe damit heute einfach gelassener um.
LexiTV: Hat die Arbeit mit Menschen in Lebenskrisen Sie persönlich verändert?
Beratungsstellen helfen den Betroffenen, schmerzhafte Erfahrungen - wie die einer Trennung vom Partner - zu verarbeiten.
LexiTV: Was kann man einem jungen Paar an Ratschlägen auf den Weg geben, damit eine Beziehungskrise nicht gleich in eine Trennung mündet?
Jörg Müller: Vielleicht eines, nämlich, dass Krisen zum Leben gehören. Und wenn man eine Beziehungskrise erlebt, dann ist das zwar hart, bedeutet aber längst nicht das Aus für die Beziehung. Ein häufiges Problem bei jungen Paaren ist das schwindende Bedürfnis, möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen. Das führt bei vielen Paaren zu dem Eindruck, dass man sich nicht mehr füreinander interessiert. Darin liegt ein Trugschluss: Zu glauben, die Phase der Distanz, die man für seine persönliche Entwicklung braucht, wäre eine Katastrophe für die Beziehung und eine Trennung stünde vor der Tür. Die Leute sollten begreifen: eine Krise ist nicht gleich das Ende jeder Beziehung, sondern darin steckt eine Chance, die wahrgenommen werden sollte. Im beschriebenen Fall zum Beispiel steckt die Chance darin, sich neu zu entdecken und sich wieder interessant zu machen. Da ist es wichtig, miteinander zu reden und nicht in Resignation zu verfallen...
Teil 1: Miteinander reden, um einander zu verstehen
Teil 2: Menschen verantworten selbst, was sie aus ihren Leben machen
Teil 2: Menschen verantworten selbst, was sie aus ihren Leben machen
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Infobox
Wenn Sie Hilfe suchen, steht Ihnen die Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Caritas-Verbandes Bistum Erfurt e.V. gerne zur Seite.
Regierungsstraße 55
99084 Erfurt
Tel. 0361 - 5553370
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