Ein Dorf macht Schule
Fällt eine Schule weg, leiden die Dörfer und Städte - sie büßen ein Stück soziales Leben ein. Es ist nicht leicht, das zu verhindern, aber die Mühen zahlen sich aus.Der Eßlinger Schulmeister, Darstellung im Codex Manesse (um 1300) - Bildung war im Mittelalter nur wenigen zugänglich. In Dorfschulen konnten später alle lernen.
Kinderschwund
Wie in Frankenthal wirken sich seit 1990 in vielen Gegenden Deutschlands Geburtenrückgang und Abwanderung aus: In Sachsen etwa trugen 1992 noch mehr als 57.000 Knirpse stolz ihre Zuckertüten die Schultreppe hoch, 2006 waren es nur noch rund 30.000. Folge des Kinderschwunds: Vierhundert Grundschulen im Freistaat, viele davon auf dem Lande, mussten dichtmachen. Die letzten Überbleibsel ländlicher Bildungskultur drohten damit zu verschwinden.
Schule und Dorfkultur
"Die Schule ist das geistige und kulturelle Zentrum des Dorfes", schrieb der Pädagoge Arthur Brühlmeier 1976 über die Bedeutung der Dorfschule. Noch bis zur Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts erwarben hier die Dorfkinder ihr Wissen um Tier- und Pflanzenwelt, Besonderheiten der Landschaft, örtliche Sitten und Gebräuche. Die Lehrer waren angesehene Persönlichkeiten im Ort, bereicherten als Küster, Organisten und Heimatgeschichtsschreiber die Dorfkultur. Die Geräuschkulisse der lärmenden Kinder im Pausenhof gehörte zum Dorfleben ebenso wie das Glockenläuten oder das Muhen der Kühe.
Die Frankenthaler Schule wurde 1893 erbaut. Die Inschrift über der Tür gibt das Schulmotto wieder: "Lerne, lehre Gott zur Ehre."
Natürlich, die Dorfschule hatte ihre Schattenseiten: Vor der Einführung von Lehrerseminaren und geregelter pädagogischer Ausbildung waren wenige Lehrer in der Lage, Schülern altersgerecht etwas beizubringen. Lernmethoden erschöpften sich lange Zeit im Abschreiben und Auswendiglernen. Zucht und Disziplin wurden den Schülern eingebläut - wenn nötig, mit dem Rohrstock. Klassengrößen von über einhundert Schülern trugen nicht gerade zum Lernerfolg bei, ebenso wenig wie die Tatsache, dass viele Schüler daheim in der Landwirtschaft helfen mussten und darum monatelang den Unterricht versäumten.
Ende der Dorfschule
Kein Wunder also, dass Dorfschulen im Ruf des Hinterwäldlerischen und Rückständigen stehen. In der Bundesrepublik verschwand diese Schulform im Zuge der Bildungsreformen der 1960er Jahre. Auf den Dörfern blieben meist nur Grundschulen zurück - ab der Sekundarstufe besuchten auch Kinder aus dem Dorf die Schulen in den Städten. In der DDR bestanden in zahlreichen kleinen Ortschaften noch Schulen mit acht Klassen - nach der Wiedervereinigung wurden auch sie zu Grundschulen umgewidmet.
Tradition und Selbstwertgefühl
Nun müssen viele Ortschaften um ihre bedrohte Schule kämpfen, Eltern sammeln Unterschriften, schreiben an den Kultusminister, klagen gegen Schulgesetze, Schüler und Lehrer gehen in den Streik. Alle wissen, was auf dem Spiel steht:
Klassenraum der Frankenthaler Schule: Die sind Tische in Gruppen gestellt - eine Einladung zum gemeinsamen Lernen.
Keine Seminare
Dieses Schicksal blieb den Frankenthalern erspart: Schon im Sommer 2000 bildete sich eine Initiative aus Kirchenvorstand und interessierten Bürgern. Ihr Ziel: die Gründung einer evangelischen Grundschule im Ort. Vieles habe man im Selbstversuch - learning by doing - durchgezogen, sagt Kerstin Otto, seit 2001 Bürgermeisterin in Frankenthal. Denn: "Es gibt ja keine Seminare 'Wir gründen eine freie Schule.'" Die Initiative wuselte sich durch: Gemeinsam entwarf man ein Schulkonzept, trieb Gelder auf, renovierte das Schulhaus, stellte Lehrer ein. Erst vierzehn Tage vor der Eröffnung gab das Regionalschulamt Bautzen grünes Licht - am 3. August 2002 öffnete die Evangelische Grundschule Frankenthal für fünfzehn Kinder ihre Pforten...
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Das Wort Schule...
leitet sich vom griechischen Begriff scholé ab und bedeutet Müßiggang, Muße oder Nichtstun. Tatsächlich war das Lernen in der Antike ein Luxus: Nur wer frei war von Geschäften und Verpflichtungen, konnte sich der Bildung widmen. Auch der Begriff Gymnasium stammt aus dem Griechischen. Er bezeichnete ursprünglich einen Ort der geistigen, vor allem aber der körperlichen Ertüchtigung für junge Männer. Wie das Wort Gymnastik geht das Gymnasium auf gymnázesthai zurück - auf das "Turnen mit nacktem Körper".
leitet sich vom griechischen Begriff scholé ab und bedeutet Müßiggang, Muße oder Nichtstun. Tatsächlich war das Lernen in der Antike ein Luxus: Nur wer frei war von Geschäften und Verpflichtungen, konnte sich der Bildung widmen. Auch der Begriff Gymnasium stammt aus dem Griechischen. Er bezeichnete ursprünglich einen Ort der geistigen, vor allem aber der körperlichen Ertüchtigung für junge Männer. Wie das Wort Gymnastik geht das Gymnasium auf gymnázesthai zurück - auf das "Turnen mit nacktem Körper".



