Seitdem ist die Gemeinde nicht nur die Sorge um das Gebäude los. Bürgermeisterin Otto sieht in der Schule einen wichtigen Beitrag zum Lebensgefühl der Menschen im Ort. Vor allem für junge Familien sei die Schule - neben dem Kindergarten - ein Grund, nach Frankenthal zu ziehen oder hier zu bleiben. Auch Familien ohne Kinder profitieren: Die Schule präsentiert sich zum Tag der Offenen Tür, Schulkinder bereichern Rentnerfeiern mit Programmen, führen Theaterstücke auf und laden zu Schulfesten ein.
Werte vermitteln
Nicht nur im eigenen Ort ist die Schule beliebt - aus fünfzehn Gemeinden kommen die 93 Kinder, die hier 2007 in vier Klassen lernen. Ein Grund: das christlich-reformpädagogische Programm der Schule. Viele Eltern, gläubige wie nichtgläubige, meinen, ihre Kinder seien hier gut aufgehoben: Die Evangelische Grundschule könne ihre Kinder nicht nur Wissensstoff lehren, sondern ihnen auch Werte vermitteln: gegenseitige Achtung und Wertschätzung, Gemeinschaftssinn und Uneigennützigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.
Wachsende Resonanz
Deutschlandweit stoßen reformpädagogische Ansätze bei Eltern auf immer größere Resonanz, vor allem im Grundschulbereich: 2005 besuchten mehr als 62.000 Kinder Grundschulen in freier Trägerschaft - mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre vorher. Was Jena-Plan, Montessori-, Waldorf- und andere reformpädagogische Konzepte angeht, hinken staatliche Schulen den freien hinterher - sie wenden alternative pädagogische Ansätze höchstens aus der Not heraus an. Aber es gibt sie, zum Beispiel in entlegenen Gemeinden: Kinder, die auf nordfriesischen Halligen oder in engen Alpentälern leben, müssen nicht den beschwerlichen Weg über das Wasser oder über den Bergkamm auf sich nehmen - sie gehen in so genannte Zwergschulen. Hier lernen alle Grundschüler in einer gemeinsamen Klasse.
Besseres Lernen
Die pädagogischen Vorteile liegen auf der Hand: Kleinere können von den Größeren lernen. Jeder Schüler kann nach seinem eigenen Tempo arbeiten und die Grundschule in drei, vier oder fünf Jahren durchziehen, ohne aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Altersunterschiede treten in den Hintergrund und durch Gruppenarbeit lernen die Kinder Toleranz und Achtung vor dem anderen. Das individuelle Lernen fördert außerdem ihre Selbstständigkeit.
"Kleine Grundschule"
Der Bevölkerungsschwund könnte dafür sorgen, dass die Zwergschule keine Ausnahme bleibt. Brandenburg hat sie als pädagogisch anspruchsvolle Lösung des Problems sinkender Schülerzahlen bereits umgesetzt: Etwa fünfzig Schulen arbeiten nach dem Prinzip der "Kleinen Grundschule". Hier werden je zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet. Für Land und Leute lohnt sich das doppelt: Schulstandorte bestehen weiter und auch kleine Ortschaften bleiben attraktiv für ihre Bewohner. Kinder müssen nicht die langen Wege zu größeren Schulen auf sich nehmen und profitieren dazu pädagogisch. Der Erfolg blieb nicht unbeachtet: Inzwischen diskutieren die Landtage Bayerns und Nordrhein-Westfalens ähnliche Grundschulmodelle.
Doppelte Freude
Die Dorfschule - vor vier Jahrzehnten noch als rückständig und hinterwäldlerisch abgeschrieben - wird möglicherweise zum pädagogischen Pilotprojekt, erlebt eine Renaissance als Zwergschule oder freie Schule. "Worauf es ankommt, sind die Inhalte", sagt auch Kerstin Otto, selbst Mutter eines Sohnes. Die Bürgermeisterin freut sich darüber, dass der Ort mit der Schule eine Besonderheit besitzt, etwas, was andere nicht haben - vor allem als Mutter aber ist sie begeistert: "Es ist toll, dass mein Kind auf eine Schule gehen kann, die so ist, wie ich es mir wünsche."
Urte Paul (10.04.2007)
Werte vermitteln
Nicht nur im eigenen Ort ist die Schule beliebt - aus fünfzehn Gemeinden kommen die 93 Kinder, die hier 2007 in vier Klassen lernen. Ein Grund: das christlich-reformpädagogische Programm der Schule. Viele Eltern, gläubige wie nichtgläubige, meinen, ihre Kinder seien hier gut aufgehoben: Die Evangelische Grundschule könne ihre Kinder nicht nur Wissensstoff lehren, sondern ihnen auch Werte vermitteln: gegenseitige Achtung und Wertschätzung, Gemeinschaftssinn und Uneigennützigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.
Wachsende Resonanz
Deutschlandweit stoßen reformpädagogische Ansätze bei Eltern auf immer größere Resonanz, vor allem im Grundschulbereich: 2005 besuchten mehr als 62.000 Kinder Grundschulen in freier Trägerschaft - mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre vorher. Was Jena-Plan, Montessori-, Waldorf- und andere reformpädagogische Konzepte angeht, hinken staatliche Schulen den freien hinterher - sie wenden alternative pädagogische Ansätze höchstens aus der Not heraus an. Aber es gibt sie, zum Beispiel in entlegenen Gemeinden: Kinder, die auf nordfriesischen Halligen oder in engen Alpentälern leben, müssen nicht den beschwerlichen Weg über das Wasser oder über den Bergkamm auf sich nehmen - sie gehen in so genannte Zwergschulen. Hier lernen alle Grundschüler in einer gemeinsamen Klasse.
Besseres Lernen
Die pädagogischen Vorteile liegen auf der Hand: Kleinere können von den Größeren lernen. Jeder Schüler kann nach seinem eigenen Tempo arbeiten und die Grundschule in drei, vier oder fünf Jahren durchziehen, ohne aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden. Altersunterschiede treten in den Hintergrund und durch Gruppenarbeit lernen die Kinder Toleranz und Achtung vor dem anderen. Das individuelle Lernen fördert außerdem ihre Selbstständigkeit.
"Kleine Grundschule"
Der Bevölkerungsschwund könnte dafür sorgen, dass die Zwergschule keine Ausnahme bleibt. Brandenburg hat sie als pädagogisch anspruchsvolle Lösung des Problems sinkender Schülerzahlen bereits umgesetzt: Etwa fünfzig Schulen arbeiten nach dem Prinzip der "Kleinen Grundschule". Hier werden je zwei Klassenstufen gemeinsam unterrichtet. Für Land und Leute lohnt sich das doppelt: Schulstandorte bestehen weiter und auch kleine Ortschaften bleiben attraktiv für ihre Bewohner. Kinder müssen nicht die langen Wege zu größeren Schulen auf sich nehmen und profitieren dazu pädagogisch. Der Erfolg blieb nicht unbeachtet: Inzwischen diskutieren die Landtage Bayerns und Nordrhein-Westfalens ähnliche Grundschulmodelle.
Doppelte Freude
Die Dorfschule - vor vier Jahrzehnten noch als rückständig und hinterwäldlerisch abgeschrieben - wird möglicherweise zum pädagogischen Pilotprojekt, erlebt eine Renaissance als Zwergschule oder freie Schule. "Worauf es ankommt, sind die Inhalte", sagt auch Kerstin Otto, selbst Mutter eines Sohnes. Die Bürgermeisterin freut sich darüber, dass der Ort mit der Schule eine Besonderheit besitzt, etwas, was andere nicht haben - vor allem als Mutter aber ist sie begeistert: "Es ist toll, dass mein Kind auf eine Schule gehen kann, die so ist, wie ich es mir wünsche."
Urte Paul (10.04.2007)
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Der Hausunterricht...
- in vielen Ländern eine geschätzte Alternative zum öffentlichen Schulsystem - fristet in Deutschland ein Nischendasein. Schätzungsweise fünfhundert Familien unterrichten ihre Kinder hierzulande am heimischen Küchentisch.
Unzufriedenheit mit den Inhalten des Sexualkunde- und Religionsunterrichts ist einer der Gründe, aber auch das Anliegen, den Kindern selbstbestimmtes Lernen im individuellen Tempo zu ermöglichen oder sie vor Mobbing, Gewalt und Drogen an den Schulen zu schützen.
Ob sich Hausunterricht in Deutschland durchsetzen wird, ist fraglich: Solange für alle Kinder Schulpflicht besteht, müssen Eltern, die ihren Nachwuchs zu Hause unterrichten, mit dem Widerstand von Behörden, mit Anklagen und Bußgeldern rechnen.
- in vielen Ländern eine geschätzte Alternative zum öffentlichen Schulsystem - fristet in Deutschland ein Nischendasein. Schätzungsweise fünfhundert Familien unterrichten ihre Kinder hierzulande am heimischen Küchentisch.
Unzufriedenheit mit den Inhalten des Sexualkunde- und Religionsunterrichts ist einer der Gründe, aber auch das Anliegen, den Kindern selbstbestimmtes Lernen im individuellen Tempo zu ermöglichen oder sie vor Mobbing, Gewalt und Drogen an den Schulen zu schützen.
Ob sich Hausunterricht in Deutschland durchsetzen wird, ist fraglich: Solange für alle Kinder Schulpflicht besteht, müssen Eltern, die ihren Nachwuchs zu Hause unterrichten, mit dem Widerstand von Behörden, mit Anklagen und Bußgeldern rechnen.



