Die Dritte im Bund
Über Jahrhunderte hat sich das Bild vom besserwisserischen, herrschsüchtigen Störenfried verfestigt. Und tatsächlich: der schlechte Ruf der Schwiegermutter ist oft mehr als bloße Folklore.Für immer soll der Bund fürs Leben halten - doch Scheidungen gibt es trotzdem. Oft sind Schwiegermütter der Grund.
Mediterranes Kuriosum?
Freilich, italienische Männer sind bekannt für eine enge Bindung zu ihrer Mamma. Ein rein mediterranes Kuriosum sind aufdringliche Schwiegermütter und Muttersöhnchen jedoch nicht. Auch hierzulande geben laut Experten sieben Prozent der Geschiedenen die Schwiegermutter als Trennungsgrund an. Während Männer allerdings meist gute Beziehungen zur Schwiegermutter unterhielten, seien es in der Mehrheit Frauen, die mit der Mutter des Mannes irgendwann "nicht mehr könnten".
Antikes Drama: Antigone führt ihren Vater Ödipus. Der hatte sich wegen des nicht wissentlichen Inzests mit seiner Mutter die Augen ausgestochen. (Gemälde: Charles François Jalabert, 19. Jahrhundert)
Dass die Konstellation Schwiegertochter-Schwiegermutter häufig konfliktgeladen ist, weiß auch Ruth Gall, die 1995 die erste Selbsthilfegruppe für Schwiegertöchter ins Leben rief. Ein Novum, denn bis dato war das Thema Schwiegermutter ein gesellschaftliches Tabu, das innerhalb der Familienforschung keine große Aufmerksamkeit genoss. Von Ruth Gall, der gelernten Goldschmiedin, erhofften sich zahlreiche Frauen Rat. Viele Schwiegertöchter klagten über Bevormundung und Überwachung, Ablehnung, Verleumdung und ständiges Einmischen in ihre Ehe, wüssten Schwiegermütter doch grundsätzlich, was das Beste für den Sohn sei. "Der Einfallsreichtum, mit dem Schwiegermütter versuchen, uns lästige, störende Weiber loszuwerden, ist nahezu grenzenlos", sagt Gall.
Nur noch Nummer zwei
Warum aber ist der Umgang mit manchen Schwiegermüttern so schwer? "Sie verteidigen ihren Besitzstand am Sohn", erklärt Gall schlicht: die Schwiegertochter nehme das Kind weg und pflege es dann nicht einmal richtig. Zudem fühlten sich Schwiegermütter von jüngeren, attraktiveren Rivalinnen verdrängt, ergänzt die Autorin und Journalistin Petra Neumann-Prystaj. "Diese Rivalin erschüttert das Selbstbewusstsein der Schwiegermutter" - die sich nur schwer mit der Tatsache abfinden könne, bloß noch Nummer zwei im Leben ihres Sohnes zu sein...
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Ödipus
Spätestens seit Sigmund Freud (1856 bis 1939) weiß man, dass die Mutter das erste Liebesobjekt des Mannes ist. Freud nannte das den Ödipuskonflikt: demnach durchlaufe jedes männliche Kind eine ödipale Phase, in der es die eigene Mutter begehre und den Vater als Rivalen sehe.
Im Normalfall endet diese Phase im Laufe der Entwicklung des Sohnes, er betrachtet den Vater dann nicht länger als Rivalen, sondern als Vorbild. Der infantile Wunsch, die Mutter zu besitzen, weicht dem reiferen Wunsch, eine Frau wie die eigene Mutter zu treffen - außerhalb der Familie. Wenn Söhne auch im Erwachsenenalter noch in der ödipalen Phase verharren, spricht man vom Ödipuskomplex.
Spätestens seit Sigmund Freud (1856 bis 1939) weiß man, dass die Mutter das erste Liebesobjekt des Mannes ist. Freud nannte das den Ödipuskonflikt: demnach durchlaufe jedes männliche Kind eine ödipale Phase, in der es die eigene Mutter begehre und den Vater als Rivalen sehe.
Im Normalfall endet diese Phase im Laufe der Entwicklung des Sohnes, er betrachtet den Vater dann nicht länger als Rivalen, sondern als Vorbild. Der infantile Wunsch, die Mutter zu besitzen, weicht dem reiferen Wunsch, eine Frau wie die eigene Mutter zu treffen - außerhalb der Familie. Wenn Söhne auch im Erwachsenenalter noch in der ödipalen Phase verharren, spricht man vom Ödipuskomplex.



