Gefährliches Nein
Einzig Abstinenz könne Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten sicher verhindern, lautet das Credo der Say No-Bewegung - die findet in den USA immer mehr Anhänger. Der Trend zur Keuschheit hat Folgen.1993 gründete Baptisten-Pfarrer Richard Ross in Nashville die Organisation True Love Waits.
Gezielte Aktivität
So lösten auch Plakate mit der Aufschrift "Gute Katholiken verwenden Kondome", die von der Organisation Catholics for a free Choice zu Beginn des Glaubensfestes in Kölner U-Bahn-Stationen angebracht worden waren, nicht nur Empörung sondern gezielte Aktivität aus: schnell wurden die provokanten Sprüche mit der Botschaft "Enthaltsamkeit funktioniert! Wahre Liebe wartet" überklebt.
Say No
Eine wachsende Zahl junger Menschen scheint dieser Botschaft folgen zu wollen. In Zeiten zunehmender Liberalisierung, Enttabuisierung und Kommerzialisierung von Sex wenden sie sich verstärkt einer an christlichen Werten orientierten Sexualmoral zu. Besonders in den USA findet die in den 1980er Jahren gestartete Say-No-Bewegung viele Anhänger. Für die ist das "Nein" zu vorehelichem Sex und Verhütung Ausdruck eines "verantwortungsvollen Umgangs mit Sexualität".
Antisexuelle Gegenbewegung
Gewiss, jeder hat das Recht, aus welchen Gründen auch immer, auf Sex zu verzichten. Besorgniserregend ist allerdings eine Entwicklung, die sich seit Aufkommen der antisexuellen Gegenbewegung in den USA abzeichnet: Kirchliche wie auch staatliche Organisationen nehmen gezielt Einfluss auf die Sexualerziehung an Schulen und versuchen, durch bewusste Falschaufklärung Teenager von der Keuschheits-Ideologie zu überzeugen.
Abstinenz als oberstes Gebot: über den richtigen Gebrauch von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln erfahren US- amerikanische Schüler oft nichts. Das hat weitreichende Folgen.
Unterstützt werden sie dabei von der Regierung mit Fördermitteln in Millionenhöhe. So genehmigte der Bewilligungsausschuss für Arbeit, Gesundheit, Soziales und Erziehung des US-Repräsentantenhauses am 9. Juni 2005 ein Aufstocken der Förderung für Abstinenz-Programme für das kommende Jahr um elf Millionen auf insgesamt 115 Millionen Dollar. Der damalige US-Präsident George W. Bush hatte ursprünglich 39 Millionen Dollar gefordert.
Der "einzig sichere Weg"
Bundesmittel zur Enthaltsamkeitserziehung gibt es schon seit der Reagan-Ära. 1981 entstand der Adolescent Family Life Act (AFLA) - eine Regelung zur Finanzierung von Bildungsprogrammen, die den Jugendlichen "religiöse Werte, Keuschheit und Selbstdisziplin" nahe bringen sollen. Seit 1996 gilt eine erweiterte gesetzliche Regelung, nach der ein aus der Staatskasse gefördertes Abstinenz-Programm unter anderem folgende Inhalte vermitteln muss: "Die Enthaltung von sexueller Aktivität ist der einzig sichere Weg, um vor- bzw. uneheliche Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten zu vermeiden. Eine monogame eheliche Beziehung entspricht der gesellschaftlichen Norm von Sexualität. Sexuelle Abstinenz außerhalb der Ehe ist der Standard - er wird von allen Schülern erwartet..."
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"Gemäß der natürlichen Ordnung dient die Geschlechtskraft primär zur Erhaltung und Fortpflanzung des Menschengeschlechtes. Wenn man diese Kraft pervertiert, richtet sie sowohl den Einzelnen als auch ganze Völker moralisch und physisch zugrunde." (II. Vatikanischen Konzil) - Die Abstinenzprogramme an amerikanischen Schulen liegen mit ihren Bestrebungen ganz auf der Linie kirchlicher Moralvorstellungen. Im Zentrum steht die Annahme, dass die Fortpflanzung einziger Zweck des Sexualaktes sei. Voreheliche Keuschheit und eheliche Treue gelten als anstrebenswertes Ziel, Homosexualität als sündhaft. Verhütung und Kondome zum Schutz vor Aids werden strikt abgelehnt. Auch die Vorstellungen vieler Protestanten von Ehe und Sexualität basieren bis heute häufig auf dieser christlich-fundamentalistischen Sexualethik.



