Teufelskreis Kaufsucht
Alle Jahre wieder laden Schlussverkäufe ein zur Jagd auf Schnäppchen. Wer sich den Kampf am Wühltisch ersparen will, sollte Einkaufspassagen und Kaufhäuser meiden. So einfach ist das aber nicht immer.Schon in den 1950er Jahren drängten die Deutschen, hier im Münchener Kaufhaus Oberpollinger, zu den Schlussverkäufen. (Bild: Gerhard Gronefeld; DHM)
Schon 1983 machte sich Herbert Grönemeyer in seinem Lied "Kaufen" über die Konsumgesellschaft lustig. Da ist was dran: Ganz Deutschland verfällt phasenweise in einen wahren Kaufrausch - bei Schluss- und Sonderverkäufen oder alljährlich im vorweihnachtlichen Einkaufsmarathon. Kaufen ist in der modernen, konsumorientierten Gesellschaft gern gesehen, wenn nicht gar ausdrücklich erwünscht.
Kaufen als Erlebnis
Seinen Anfang nahm das rauschhafte Kaufen zur Zeit des Wirtschaftswunders in den 1950er und '60er Jahren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den langen Hungerjahren füllten sich in Deutschland langsam wieder die Teller. Für viele rückte der Traum vom guten Leben mit steigenden Einkommen in greifbare Nähe. Früher kaum erschwingliche Luxuswaren wandelten sich nun in Gebrauchsgüter: Kühlschrank und Waschmaschine waren 1965 schon in den meisten deutschen Haushalten vorhanden. Der Konsum entwickelte sich zum Motor der Wirtschaft. Moderne Warenhäuser und Supermärkte prägten jetzt das Stadtbild - das "Einkaufserlebnis" setzte sich durch.
Frust und Belohnung
Konsum spielt seitdem in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle, die durch die Werbung noch überhöht wird: Sie verspricht psychischen Ausgleich und Problemlösung durch Konsum. Wie gefährlich das ist, zeigt das inzwischen weit verbreitete Phänomen der Kaufsucht. Laut Untersuchungen der Universität Stuttgart-Hohenheim sind fünf Prozent der Erwachsenen "stark" und zwanzig Prozent "deutlich" kaufsuchtgefährdet. Frust-, Belohnungs- oder auch manch überflüssige Schnäppchenkäufe gelten noch als normal - problematisch wird es aber, wenn persönliche Defizite regelmäßig durch Käufe überwunden werden, der Frustkauf zur Sucht wird.
Unerkannte Sucht
Kaufsucht ist eine unauffällige Sucht, häufig bleibt sie vom Süchtigen selbst und von seiner Umwelt lange unerkannt. Übermäßiges Einkaufen gehört scheinbar zur Normalität, während Nikotin- und Alkoholsucht gesellschaftlich negativ belegt sind. In ihrem Verlauf ist die Kaufsucht jedoch durchaus mit anderen Süchten vergleichbar: Es kommt zur Abhängigkeit vom Kaufen, die bis zum Verlust der Selbstkontrolle führen kann. Das Kaufen bleibt dem Süchtigen als alleiniges Ausgleichs- und Befriedigungsmittel. All seine Interessen zielen auf das Suchterleben - fällt es weg, folgen Entzugserscheinungen...
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Private Verschuldung
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland drastisch zugenommen. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, da in Deutschland über den Verschuldungsgrad privater Haushalte keine Statistik geführt wird.
Schätzungen des ersten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung aus dem Jahr 2000 zufolge waren 1999 mehr als 2,7 Millionen Haushalte überschuldet, 1989 nur 1,2 Millionen. Derzeit wird die Zahl der überschuldeten Haushalte auf 3 Millionen beziffert. Im ersten Halbjahr 2003 wurden rund 32.000 Privatinsolvenzen gemeldet.
Von 1970 bis 2001 hat sich das Konsumentenkredit-Volumen von 14,8 Milliarden auf 219,8 Milliarden Euro erhöht. Zwischen 1997 und 2000 stieg die Zahl der Verbraucherkredite um 30 Prozent. Schuldnerberatungsstellen berichten, dass im Jahr 2000 knapp die Hälfte ihrer Klienten bis zu 15.000 Euro Schulden hatte, etwa 17 Prozent waren sogar mit über 50.000 Euro verschuldet.
Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, 17 Prozent der Betroffen sind älter als fünfzig Jahre. Als häufigste Ursache für die private Verschuldung gelten Arbeitslosigkeit und gescheiterte Ehen. (Quelle: SCHUFA Schulden-Kompass 2003)
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland drastisch zugenommen. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, da in Deutschland über den Verschuldungsgrad privater Haushalte keine Statistik geführt wird.
Schätzungen des ersten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung aus dem Jahr 2000 zufolge waren 1999 mehr als 2,7 Millionen Haushalte überschuldet, 1989 nur 1,2 Millionen. Derzeit wird die Zahl der überschuldeten Haushalte auf 3 Millionen beziffert. Im ersten Halbjahr 2003 wurden rund 32.000 Privatinsolvenzen gemeldet.
Von 1970 bis 2001 hat sich das Konsumentenkredit-Volumen von 14,8 Milliarden auf 219,8 Milliarden Euro erhöht. Zwischen 1997 und 2000 stieg die Zahl der Verbraucherkredite um 30 Prozent. Schuldnerberatungsstellen berichten, dass im Jahr 2000 knapp die Hälfte ihrer Klienten bis zu 15.000 Euro Schulden hatte, etwa 17 Prozent waren sogar mit über 50.000 Euro verschuldet.
Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen, 17 Prozent der Betroffen sind älter als fünfzig Jahre. Als häufigste Ursache für die private Verschuldung gelten Arbeitslosigkeit und gescheiterte Ehen. (Quelle: SCHUFA Schulden-Kompass 2003)



