Wege aus der Sucht
Abhängigkeit wird heute als Krankheit interpretiert, die medizinisch, psychologisch wie auch sozialpädagogisch zu behandeln ist. Im Laufe der Zeit entstanden diverse Therapiekonzepte.Kleine Schritte: Wer die Sucht bezwingen will, braucht einen langen Atem, viel Kraft - und professionelle Hilfe.
Von den Drogen befreit
Dauerhafte Abstinenz ist oberstes Ziel der klassischen Drogentherapie. Die erfolgt meist in mehreren Schritten: Vor der eigentlichen Behandlung muss der Körper des Süchtigen von den Drogen befreit werden. Man nennt dies Entzug oder Entgiftung. Schwere Nebenwirkungen, Entzugserscheinungen und das heftige Verlangen nach erneutem Konsum machen häufig eine stationäre Behandlung erforderlich.
Verhalten umstellen
Ohne anschließende Therapie würden die meisten Süchtigen bald nach der Entgiftung in alte Verhaltensweisen zurückfallen. In weniger schweren Fällen reichen eine ambulante Psychotherapie und der regelmäßige Besuch von Selbsthilfegruppen. Meist aber ist eine stationäre Entwöhnung im Anschluss an die Entgiftung die sinnvollste Maßnahme. Hier lernt der Patient, sein Verhalten von Grund auf umzustellen, um ohne Drogen leben zu können.
Rückfall programmiert?
Doch beim Abstinenzziel sind Rückfälle ein großes Problem; schätzungsweise 75 Prozent der Patienten werden innerhalb eines Jahres rückfällig. Inzwischen lässt sich der Erfolg der Suchtbehandlung aber durch Medikamente steigern. In der Pharmakotherapie werden so genannte Anti-Craving-Substanzen eingesetzt, welche den Suchtdruck (Craving), also das Verlangen nach der Droge, unterdrücken und so Rückfällen vorbeugen sollen. Eine dieser Substanzen ist Methadon. Der Heroinersatz gelangt über den Darm und nicht über das Blut in den Körper. Dadurch löst er im Gehirn keinen Kick aus, womit ein wichtiger Anreiz die Dosis zu erhöhen, entfällt.
Kontrollierter Konsum
Neben der psychotherapeutischen Entwöhnung gibt es die Verhaltensmodifikation. Die Verhaltenstherapie soll auf der Basis kognitiver Ansätze selbstschädigendes Verhalten reduzieren. Das Erlernen von Eigenverantwortung findet im Konzept des kontrollierten Konsums seinen Ausdruck: Um Rückfälle zu vermeiden, heißt das Ziel nicht unbedingte Abstinenz. Eine weitere Möglichkeit, das Suchtverhalten zu beeinflussen, ist die Methode der Rückprägung. Basierend auf Erkenntnissen der Neurobiologie kann das Suchtgedächtnis mittels Pharmakotherapie überschrieben beziehungsweise umprogrammiert werden. Das zwanghafte Verabreichen der Substanzen soll im Gehirn zur Umbewertung früherer Drogenerlebnisse führen, sie als negative Erfahrung ins Gedächtnis rufen und damit künftigen Konsum verhindern.
Management der Sucht
Eine ganz andere Herangehensweise an das Suchtproblem verfolgt das so genannte Akzeptanzmodell. Sucht wird hier als mögliche Lebensweise toleriert. Ziel ist nicht dauerhafte Abstinenz, sondern das Minimieren von durch Drogenkonsum entstandenen Schäden. Statt einer kompletten Heilung steht das Management der Sucht im Vordergrund. Und das betrifft nicht nur die Verbesserung des Gesundheitszustandes: Um Verelendungs- und Kriminalitätstendenzen vorzubeugen, werden beispielsweise Konzepte wie Heroin auf Rezept entwickelt.
Ulrike Wolf (30.01.2007)
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Vier Kriterien...
laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Sucht aus: das unbezwingbare Verlangen zur Einnahme und Beschaffung der Substanz (Alkohol, Drogen oder Medikamente), die Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung), die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge, sowie die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft.
Typisch ist, dass der Kranke seinen Drogenkonsum nicht kontrollieren kann; dass er, um den Rausch zu erzeugen, wesentlich größere Mengen als ein Nichtsüchtiger nehmen muss; und dass er Drogen oder Alkohol zu sich nimmt, um keine Entzugserscheinungen zu bekommen. Und der Konsum wird selbst dann fortgesetzt, wenn erhebliche Folgeerscheinungen aufgetreten sind.
Auch die Einengung des Lebens auf Beschaffung und Einnahme der Substanz mit Vernachlässigung bisheriger Interessen ist kennzeichnend. Neben der stoffgebundenen Abhängigkeit gibt es die stoffungebundene Sucht, die durch Verhaltensweisen charakterisiert wird, welche die Kriterien der Abhängigkeit erfüllen: Zum Beispiel Arbeits-, Internet-, Spiel- oder Esssucht sind weit verbreitet.
laut Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Sucht aus: das unbezwingbare Verlangen zur Einnahme und Beschaffung der Substanz (Alkohol, Drogen oder Medikamente), die Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung), die psychische und meist auch physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge, sowie die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft.
Typisch ist, dass der Kranke seinen Drogenkonsum nicht kontrollieren kann; dass er, um den Rausch zu erzeugen, wesentlich größere Mengen als ein Nichtsüchtiger nehmen muss; und dass er Drogen oder Alkohol zu sich nimmt, um keine Entzugserscheinungen zu bekommen. Und der Konsum wird selbst dann fortgesetzt, wenn erhebliche Folgeerscheinungen aufgetreten sind.
Auch die Einengung des Lebens auf Beschaffung und Einnahme der Substanz mit Vernachlässigung bisheriger Interessen ist kennzeichnend. Neben der stoffgebundenen Abhängigkeit gibt es die stoffungebundene Sucht, die durch Verhaltensweisen charakterisiert wird, welche die Kriterien der Abhängigkeit erfüllen: Zum Beispiel Arbeits-, Internet-, Spiel- oder Esssucht sind weit verbreitet.



