Vielen Vätern wird vorgeworfen, dass sie sich nur den angenehmeren Seiten der Erziehung widmen würden.
Rebellion gegen Konvention
Ohne den Vater war die Familie nicht komplett - ein Leitbild, das lange Zeit Bestand hatte. Erst die 68er Generation rebellierte gegen diese familiäre Ordnung, lehnte sich gegen die aus Vater, Mutter und Kind bestehende Kernfamilie auf. Die Scheidungsraten stiegen, viele Frauen zogen ihre Kinder nun allein groß, von der Überflüssigkeit väterlicher "Einmischung" überzeugt. Die alte Vaterrolle, die Rolle als Autoritätsperson, schien vorerst ausgedient zu haben.
Irrweg der Evolution?
Doch waren die Forderungen nach neuen Mutter- und Vaterrollen tatsächlich realistisch? Blieb vieles nicht nur Gedankenspielerei, weil eine Umwälzung bestehender Rollenmuster biologisch und evolutionär gar nicht möglich war, nicht möglich sein sollte? Wollten Frauen denn jemals wirklich Männer, die weich und feminin sind? Die 68er Generation als Irrweg der Evolution?
Dass Konventionen mitunter stärker sind als Revolutionen, das zeigt die heutige Gesellschaft. Und so genießen Männer, die Geburtsvorbereitungskurse besuchen, Babys wickeln und Spielplätze bevölkern, kurz: weibliche definierte Aufgaben übernehmen, eher das Image eines späten 68ers - eines "Softies" eben - als das eines richtigen Mannes.
Wunschdenken
Väter haben es schwer. Niemand weiß, wie der richtige, der Vater zu sein hat. Weil es keine Vorbilder, keine verbindlichen Ideale gibt. Es gibt Stereotype; dazu gehört das des familienorientierten Brotverdieners - der protestantischen Arbeitsmoral sei Dank. Weniger die politische Situation ist es, sondern das soziale Umfeld, das den Wunsch vieler Männer nach einer intensiveren Beteilung an der Erziehung ihres Kindes bloßen Wunsch bleiben lässt.
Gleichgewicht im Familienalltag? Oft sind es die Mütter, die tonangebend bei der Erziehung der Kinder sind.
Tatsächlich verbringen Männer nach der Geburt ihrer Kinder deutlich mehr Zeit auf Arbeit als zuvor, zeigen aktuelle Studien, während Mütter ein "mütter-zentriertes", hierarchisches System errichten, das es ihnen geradezu verbietet, Aufgaben an Väter zu delegieren. So werden anderslautenden Forderungen zum Trotz traditionelle Rollenmuster nicht aufgeweicht, sondern eher zementiert.
Rückkehr zum Konservatismus
Anstelle eines Aufbruchs, der sich allenfalls in großstädtischen Randmilieus vollzieht, erlebt unsere Gesellschaft eine Rückkehr zum klassischen Konservatismus, die wenig Verständnis für die "Neuen Väter" zeigt. Es ist ein Konservatismus, der Freiheitsräume einschränken kann.
Vielleicht würden ja gern mehr Männer so wie Joachim sein, der seinem Nachwuchs selbstbewusst die Windeln wechselt, wäre da nicht die Angst vor dem Verlust von Autorität und Männlichkeit - was schließlich weder Männer noch Frauen wollen. Haben neue Vaterbilder überhaupt eine Chance? Können Väter wie Joachim in Zukunft auf mehr Verständnis hoffen? Sicher sind wir da nicht.
Yvonne Schmidt (aktualisiert 02.12.2009)
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Rollenbilder abklopfen
Neue Wege für Jungs heißt ein bundesweites Pilotprojekt, das die berufliche und gesellschaftliche Zukunft von männlichen Heranwachsenden in den Blickpunkt rücken will. Nachdem die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in den letzten Jahren vorwiegend auf die Probleme von Mädchen gerichtet war, rücken nun vermehrt auch wieder Jungs in den Mittelpunkt des Interesses. Mit Workshops, Diskussionsrunden oder Projekttagen sollen nicht nur berufliche Wege aufgezeigt, sondern auch verfestigte männliche Rollenbilder kritisch abgeklopft werden.
Denn gerade Jungs verbinden Vaterschaft weniger mit Pflege, Fürsorge und Freude, sondern mit der finanziellen Verpflichtung, die Familie als Hauptverdiener ernähren zu müssen. Jungs sollen lernen, dass es kein festgelegtes Muster dafür gibt, was ein Mann ist und wie er sich zu verhalten hat. Vielmehr sollen sie eine eigene Identität entwickeln. Nur so können sie dazu beitragen, alte Rollenmuster aufzubrechen.
Neue Wege für Jungs heißt ein bundesweites Pilotprojekt, das die berufliche und gesellschaftliche Zukunft von männlichen Heranwachsenden in den Blickpunkt rücken will. Nachdem die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in den letzten Jahren vorwiegend auf die Probleme von Mädchen gerichtet war, rücken nun vermehrt auch wieder Jungs in den Mittelpunkt des Interesses. Mit Workshops, Diskussionsrunden oder Projekttagen sollen nicht nur berufliche Wege aufgezeigt, sondern auch verfestigte männliche Rollenbilder kritisch abgeklopft werden.
Denn gerade Jungs verbinden Vaterschaft weniger mit Pflege, Fürsorge und Freude, sondern mit der finanziellen Verpflichtung, die Familie als Hauptverdiener ernähren zu müssen. Jungs sollen lernen, dass es kein festgelegtes Muster dafür gibt, was ein Mann ist und wie er sich zu verhalten hat. Vielmehr sollen sie eine eigene Identität entwickeln. Nur so können sie dazu beitragen, alte Rollenmuster aufzubrechen.



