Coitus kurios
Wer heute liebt, hat's gut: binnen Sekunden lässt sich ein großer Teil der Gefahren rund um den Sex bannen. Ein wenig Gummi nur, vielleicht ein paar Hormone, und schon steht dem Lustgewinn nichts mehr im Wege.Unverkrampftes Verhältnis zur Sexualität: mehr als vierhundert Verhütungs- und Abtreibungsrezepte kennt das Altertum. (Satyr und Nymphe, ein Kupferstich von Agostino Carracci, 1557 bis 1602)
Skurrile Tipps
Die Frage, ob sich die Anwendung der vorchristlichen Verhüterli so umstandslos wie heutzutage in den Akt fügen lässt, steht indes auf einem anderen Papyrus. Tatsächlich lesen sich die prähistorischen Tipps zum ergebnisfreien Verkehr heute eher wie Rezepte aus einem kuriosen Kochbuch. So schlägt das mehr als dreitausend Jahre alte Papyrus Ebers zeugungsunwilligen Damen folgende Tampon-Ingredienzien vor: "Akazienspitzen, fein zerrieben, mit Datteln und Honig auf einem Faserbausch gestrichen und tief in ihren Schoß gegeben."
Saures Verhüterli
War der Ägypterin, an sie nämlich richteten sich die heiklen Hinweise, die Herstellung dieser mechanischen Sperre zu umständlich, sollten Granatapfelkerne die Sache regeln: zerstoßen und in Wachs gerollt, enthalten die Obstsamen tatsächlich beträchtliche Mengen eines pflanzlichen Estrogens, das den Eisprung verhindert haben könnte. Saure Vorreiter unseres Diaphragmas dürften Zitronenschalen gewesen sein: halbiert und ausgepresst, legten sich die Ägypterinnen diese über den Muttermund.
Wie man sich vor einer Schwangerschaft schützt, lehrt das Kamasutra leider nicht. Abbildung aus einer Kamasutrahandschrift um 300 n. Chr.
Die Entdeckung des Kondoms verdankt die Herrenwelt - der Sage nach - König Minos; denn der produzierte statt gewöhnlichen Spermas, so heißt es, nur Schlangen, Skorpione und anderes giftiges Getier. Da die Gespielinnen des geilen Halbgottes dadurch leider stets umkamen, empfahl schließlich Prokris, Tochter des Erechtheus, dem Minos, eine Ziegenblase übers königliche Gemächt zu stülpen. Bis ins 19. Jahrhundert sollte Minos' Überzieher wegweisend bleiben: Blinddärme von Kälbern, Ziegen und Schafen oder auch Fischblasen ermöglichten Verkehr ohne Reue.
Niesen in der Hocke
Wer gerade kein Tier bei der Hand hatte, konnte sich mit den Ratschlägen des Soranus von Ephesos (98 bis 138 n. Chr.) behelfen: der römische Gynäkologe riet gewitzten Frauen, im Augenblick der Ejakulation den Atem anzuhalten und ihren Körper zurückzuziehen. Sodann sollte die Dame in die Hocke gehen und kräftig niesen. Plinius der Ältere hielt es dagegen für klüger, dass sich Frauen vor Sonnenaufgang zwei kleine Larven einer speziellen Spinne, eingelegt in Hirschleder, um den Hals hängen.
Fötenanus und Wieselbein
Den Spaß am Sex verdarb schließlich das keusche Mittelalter: stand vor- und außereheliches Geschlechtsleben ohnehin nicht zur Debatte, galt nun auch der Gebrauch von Kontrazeptiva innerhalb der Ehe als verwerflich. Selbst Enthaltsamkeit war Verheirateten verboten. Unter der Hand gab das liebestolle Volk freilich auch weiterhin Verhütungs-Tipps weiter, etwa jene des Albertus Magnus (1200 bis 1280): Frauen empfahl der Gelehrte, Finger und Anus eines toten Fötus oder das Bein eines weiblichen Wiesels um den Hals zu tragen. Wirksamer dürften die Pessare aus Holz oder Leder gewesen sein, die findige Ärzte verkauften. Auf der Ritterburg war vor allem der Keuschheitsgürtel beliebt.
Sie gilt als das sicherste Verhütungsmittel: Weltweit vertrauen zwischen siebzig und achtzig Millionen Frauen auf die Pille.
Ein verwegenes Gerät brachte der wollüstige Barock hervor: die Scheidenspülung mit Pumpsystem und Essighydraulik bestand aus einem Blasebalg mit zwei Gummischläuchen. Kam es zum Verkehr, führte sich die Dame einen der Schläuche ein und hielt den anderen in ein Essigfass. Pumpten die Liebenden gegen Ende des Akts eifrig, konnten sie das eindringende Ejakulat unter Umständen unschädlich machen. Zum Glück erfand der Amerikaner Charles Goodyear 1855 das erste Kondom aus Gummi und Kautschuk. Schon 1919 ließ sich der Deutsche Julius Fromm seine gefühlsechten Gummis patentieren.
Endlich Anovlar
Lustfreundlicher als das Kondom gilt vielen die Pille: bei ihrer Einführung 1961 noch als Mittel gegen Menstruationsstörungen und ausschließlich an Verheiratete verschrieben, stellte das Präparat Anovlar der Schering AG den weiblichen Hormonhaushalt schnell auf die bevorstehende sexuelle Revolution ein. Heute versüßen kaubare, mit Pfefferminzgeschmack aromatisierte Antibabypillen den Frauen den "sündigen Verkehr". Offenbar hat die humanere Liebeskultur der Griechen den Sieg davon getragen.
Kathleen Niebl (aktualisiert 29.04.2010)
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Infobox
Moderne Verhütungsmethoden
Die Pille: Ihre Hauptwirkung besteht darin, den Eisprung und damit eine Befruchtung zu verhindern. Sie wird 21 Tage lang eingenommen, danach setzt die Monatsblutung ein. Bei richtiger Anwendung verhütet sie vom ersten Tag an nahezu hundertprozentig sicher.
Das Kondom verhindert, dass Spermien in die Scheide gelangen. Bei richtiger Anwendung bieten Kondome eine hohe Sicherheit. Darüber hinaus verringern sie als einziges Verhütungsmittel erheblich das Risiko, sich mit HI-Viren oder Geschlechtskrankheiten anzustecken.
Die Kupferspirale löst in der Gebärmutter einen Dauerreiz aus, wodurch das Einnisten befruchteter Eizellen verhindert wird. Außerdem hemmt das Kupfer der Spirale die Samenzellen in ihrer Beweglichkeit. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingelegt und gibt dort kontinuierlich ein Hormon ab. Dadurch verhindert sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und macht es den Spermien schwer, zur Eizelle vorzudringen. Sie ist bis zu fünf Jahre wirksam und bietet eine hohe Verhütungssicherheit.
Das Hormonimplantat wird unter die Haut eingepflanzt. Es schützt für die Dauer von drei Jahren vor ungewollter Schwangerschaft, indem es den Eisprung hemmt und die Spermien daran hindert, in die Gebärmutter zu gelangen. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Die Dreimonatsspritze wirkt über die Dauer von drei Monaten ähnlich wie Pille und Hormonimplantat. Zum einen wird der Eisprung verhindert. Zum anderen bewirken Veränderungen an den Eileitern und an der Schleimhaut von Gebärmutter und Gebärmutterhals das Eindringen von Samenzellen.
Der Vaginalring wird in die Scheide eingeführt und verbleibt dort drei Wochen lang. Eine niedrig dosierte hormonelle Kombination hemmt den Eisprung und hindert die Spermien daran, in die Gebärmutter zu gelangen. Die Sicherheit ist sehr hoch.
Das Verhütungspflaster wird für eine Woche wie ein normales Pflaster auf die Haut geklebt und wirkt als Östrogen-Gestagen-Kombination ähnlich wie die Pille: In erster Linie werden Eisprung und Einnistung einer Eizelle verhindert. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Das Diaphragma zählt wie das Kondom zu den so genannten Barriere-Methoden. Die kleine Gummikappe wird kurz vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und dort vor den Muttermund gesetzt, um das Eindringen von Spermien zu verhindern. Die gleichzeitige Verwendung spermienabtötender Gels erhöht die Verhütungssicherheit.
Die Pille: Ihre Hauptwirkung besteht darin, den Eisprung und damit eine Befruchtung zu verhindern. Sie wird 21 Tage lang eingenommen, danach setzt die Monatsblutung ein. Bei richtiger Anwendung verhütet sie vom ersten Tag an nahezu hundertprozentig sicher.
Das Kondom verhindert, dass Spermien in die Scheide gelangen. Bei richtiger Anwendung bieten Kondome eine hohe Sicherheit. Darüber hinaus verringern sie als einziges Verhütungsmittel erheblich das Risiko, sich mit HI-Viren oder Geschlechtskrankheiten anzustecken.
Die Kupferspirale löst in der Gebärmutter einen Dauerreiz aus, wodurch das Einnisten befruchteter Eizellen verhindert wird. Außerdem hemmt das Kupfer der Spirale die Samenzellen in ihrer Beweglichkeit. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Die Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingelegt und gibt dort kontinuierlich ein Hormon ab. Dadurch verhindert sie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und macht es den Spermien schwer, zur Eizelle vorzudringen. Sie ist bis zu fünf Jahre wirksam und bietet eine hohe Verhütungssicherheit.
Das Hormonimplantat wird unter die Haut eingepflanzt. Es schützt für die Dauer von drei Jahren vor ungewollter Schwangerschaft, indem es den Eisprung hemmt und die Spermien daran hindert, in die Gebärmutter zu gelangen. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Die Dreimonatsspritze wirkt über die Dauer von drei Monaten ähnlich wie Pille und Hormonimplantat. Zum einen wird der Eisprung verhindert. Zum anderen bewirken Veränderungen an den Eileitern und an der Schleimhaut von Gebärmutter und Gebärmutterhals das Eindringen von Samenzellen.
Der Vaginalring wird in die Scheide eingeführt und verbleibt dort drei Wochen lang. Eine niedrig dosierte hormonelle Kombination hemmt den Eisprung und hindert die Spermien daran, in die Gebärmutter zu gelangen. Die Sicherheit ist sehr hoch.
Das Verhütungspflaster wird für eine Woche wie ein normales Pflaster auf die Haut geklebt und wirkt als Östrogen-Gestagen-Kombination ähnlich wie die Pille: In erster Linie werden Eisprung und Einnistung einer Eizelle verhindert. Die Verhütungssicherheit ist sehr hoch.
Das Diaphragma zählt wie das Kondom zu den so genannten Barriere-Methoden. Die kleine Gummikappe wird kurz vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und dort vor den Muttermund gesetzt, um das Eindringen von Spermien zu verhindern. Die gleichzeitige Verwendung spermienabtötender Gels erhöht die Verhütungssicherheit.
(Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)



