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Zivilcourage

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Der lebenslange Widerständler Ernst Niekisch, die Geschwister Scholl, Mahatma Gandhi, Martin Luther King, die Demonstranten im Herbst 1989 in der DDR: Zivilcourage gibt es nicht nur in alltäglichen Situationen; sie kann sich auch gegen politische Verhältnisse wenden und helfen, die Welt zu verändern.

Eine spezielle Form der Zivilcourage ist der zivile Ungehorsam, also das symbolische Übertreten von Normen und Gesetzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Es war der US-amerikanische Dichter Henry David Thoreau (1817 bis 1862), der den Ausdruck prägte und das Konzept in die Tat umsetzte: Er weigerte sich, Steuern zu zahlen - aus Protest gegen die Sklaverei und gegen den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846 bis 1848).

Vorreiter des zivilen Ungehorsams im Zwanzigsten Jahrhundert war Mohandas Karamchand (genannt Mahatma) Gandhi (1869 bis 1948). Gandhis Philosophie der Satyagraha stützte sich auf die Lehren des Hinduismus und Jainismus. Kern der Satyagraha ist ein Appell an Herz und Gewissen der Gegner durch eigene Gewaltlosigkeit und die Bereitschaft zu Leiden und Schmerz.

Legendär ist Gandhis "Salzmarsch" im Jahr 1930: In 24 Tagen legten Gandhi und 78 Mitstreiter 385 Kilometer zur Westküste Indiens zurück (Schmerz und Leiden). Dort angekommen, hob Gandhi Salz vom Strand auf (Gewaltlosigkeit) und verstieß damit gegen das britische Salzmonopol - ein Symbol für koloniale Ausbeutung. Es war nur eine kleine Geste, doch stieß sie Ereignisse an, die 1947 in Indiens Unabhängigkeit mündeten.

An Gandhi orientierten sich in den 1950er und 1960er Jahren auch Martin Luther King und andere Bürgerrechtler in den USA, um die institutionelle Rassentrennung zu überwinden. Eine beliebte Aktionsform waren Sit-ins: Afroamerikaner setzten sich in Restaurants, zu denen nur Weiße Zutritt hatten. Häufig wurden sie dafür beschimpft, nicht selten bedroht und geschlagen.

Auch auf die so genannten Freedom Rides reagierten weiße Mobs mit Gewalt: Afroamerikaner fuhren mit Bussen durch die USA, um auf die faktisch unverändert weiter bestehende Rassentrennung in Bahnhöfen und Verkehrsmitteln aufmerksam zu machen. Sowohl Gandhi als auch King, die beide zeitlebens für Gewaltlosigkeit eintraten, fanden einen gewaltsamen Tod durch die Hand von Attentätern.