Arglistige Allergene
Schon ein Gang durch den schönen Frühlingswald kann für Allergiker gefährlich sein: Da läuft die Nase, die Augen tränen und in schlimmeren Fällen ist sogar das Luftholen ein Problem. Ist die Natur giftig geworden?Fresszellen bekämpfen Fremdkörper, können dabei jedoch unangenehme Nebenwirkungen auslösen. (Bild: UFZ)
Der Tod des Pharaos
Allergie - den Namen dieser Krankheit gibt es erst seit knapp einem Jahrhundert: 1906 wurde der Begriff von dem Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet erstmals verwendet. Das Wort stammt aus dem Griechischen (allos = anders; ergon = Verrichtung) und drückt im Grunde schon aus, was gemeint ist: Eine übersteigerte Reaktion des Organismus´ auf bestimmte Substanzen in der Umwelt. Allerdings ist das Phänomen schon seit Jahrtausenden bekannt: Überliefert ist die tödlich endende Allergie des Pharaos Menes, der 2640 v. Chr. an einem Wespenstich starb.
Übersteigerte Abwehr
Der Schlüssel zum Verständnis von Allergien liegt in der Art, wie unser Immunsystem funktioniert. Es soll körperfremde Stoffe erkennen und bekämpfen. Was aber bei der Auseinandersetzung mit Bakterien und Viren vorteilhaft ist, wird bei der Abwehr von harmlosen Blütenpollen oder Tierhaaren störend und unnötig. Wichtigster Bestandteil des Immunsystems sind die weißen Blutkörperchen. Solche Zellen werden erst wirksam für die Abwehr, wenn Verständigungsstoffe und Antikörper ausgesendet werden.
Kommunikation im Blut
Verständigungsstoffe, wie zum Beispiel IL-1beta, sind Produkte weißer Blutkörperchen, die abgegeben werden, um andere weiße Blutzellen zu aktivieren und zum Wachstum anzuregen. Antikörper werden ebenfalls von bestimmten weißen Blutkörperchen hergestellt und dienen dazu, körperfremde Oberflächen - von Bakterien oder Blütenpollen - zu beschießen und zu kennzeichnen.
Markiert
Es sind sozusagen "Pfeile", die als gefährlich eingestufte Fremdkörper markieren, worauf diese vom gesamten Immunsystem gnadenlos bekämpft und vernichtet werden. So gesehen ist der allergische Mechanismus einfach zu erklären: Zwar körperfremde, aber im Grunde harmlose Stoffe markiert das Immunsystem fälschlicherweise als bekämpfungswürdig. Es beschießt diese Allergene bei jedem neuen Kontakt mit Antikörpern und leitet eine Kettenreaktion von Abwehrmaßnahmen ein. Dazu gehört die schlagartige Ausschüttung des Botenstoffs Histamin. Bei Überproduktion kann er Schwindel, Herz- und Kreislaufprobleme oder auch Hautreizungen hervorrufen.
Schock!
Schwerste Form einer allergischen Reaktion ist der so genannte anaphylaktische Schock: Auslöser ist meist ein Allergen, welches direkt in die Blutbahn gelangt. Das Immunsystem spielt dann gleichsam verrückt. Die häufigsten Auslöser sind Arzneimittel, vor allem wenn sie per Injektion verabreicht werden, Röntgenkontrastmittel, bestimmte Nahrungsmittel, Lebensmittel-Zusatzstoffe oder Insektengifte. Erste Symptome des Schocks sind Rötungen der Haut, Kribbeln im Mund und Atemprobleme. Besonders heftige Reaktionen können sogar bis zum Kreislauf-Stillstand führen.
Vererbtes Risiko
Die Neigung zu vielen Allergien ist erblich: Liegt das Allergierisiko im Durchschnitt bei zwanzig Prozent, kann es für Kinder, deren Eltern unter Allergien leiden, auf siebzig Prozent ansteigen. Aber das Spektrum begünstigender Faktoren ist breit und reicht weit über die Erbanlagen hinaus: Es seien nur Virusinfekte, Umweltbelastungen, Klima, Schwächungen der Immunabwehr und Störungen des Hormonhaushalts genannt. Auch das Rauchen gehört zu den allergiefördernden Einflüssen.
Besonders im Frühling quälen sich viele Menschen mit Allergien herum. (Bild: UFZ)
Trotz all der Probleme und Gefahren, die mit Allergien verbunden sind, so zeigen sie doch auch, dass das Immunsystem intakt ist. Das gilt besonders bei Kindern: Allergien im Kindesalter sorgen so für ein Art natürliche Hyposensibilisierung, bei der sich die Kinder an die Allergene gewöhnen und später damit nur noch wenige oder gar keine Probleme mehr haben.
Früh unterscheiden lernen
Nach der Wende wurde in einer Studie die Häufigkeit von Erkrankungen bei neun bis elf Jahre alten Kindern untersucht. Das Ergebnis war verblüffend: Bei Heuschnupfen, Asthma und bronchialen Überreaktionen waren Kinder im Osten Deutschlands weniger anfällig. Zwar geht man von mehreren Faktoren aus, die dieses Ergebnis beeinflussen. Eine Theorie jedoch macht typische Institutionen der DDR dafür hauptverantwortlich: Kinder wurden sehr früh in gemeinschaftlichen Einrichtungen betreut und damit Allergenen ausgesetzt, die sie Zuhause wohl nicht aufgenommen hätten. Aus diesem Grund lernte ihr Organismus schon früh, zwischen wirklich gefährlichem Fremdkörper und Allergen zu unterscheiden.
Jochen Bast/Michael Schmittbetz (23.04.2003/aktualisiert 29.03.2006)
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Infobox
Etwa sechzehn Prozent der Bevölkerung leiden alljährlich unter Heuschnupfen = Pollinosis. Ausgelöst wird die Allergie durch Blütenstaub = Pollen von Bäumen, Gräsern, Sträuchern, Getreide und Kräutern.
Fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung haben eine Nahrungsmittel- Allergie: Sie zeigt sich durch typische Symptome wie Juckreiz und Schwellungen im Mund, Quaddeln, Durchfall, Blähungen, Ekzemen an Schleimhäuten und auf der Haut, Husten oder auch Atemnot.
Bei der Insektengift-Allergie treten kurz nach dem Einstich rund um die Einstichstelle starke Schwellungen auf. Oft werden sie von Atemnot, Schwellungen an Gesicht und Hals und einer starken allgemeinen Hautrötung begleitet. Ohne Gegenmittel können die Reaktionen bis zum Tod führen.
Niesanfälle, Schnupfen, Husten, Asthma, Magen-Darm-Beschwerden, Nesselfieber, Migräne, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch Gelenkbeschwerden können Folgen einer Schimmelpilz-Allergie sein.
Bei der Tierhaar-Allergie sind es Schweiß, Talg, Speichel oder Urin von Tieren, die an den Haaren kleben und zu lästigen allergischen Reaktionen führen. Davon sind Augen, Nase oder auch Bronchien betroffen.
Menschen, die an Hausstaub- Allergie leiden, reagieren dabei nicht auf Staub, sondern auf den Kot der Hausmilben. Bestimmte Bestandteile des Milbenkots dringen sogar durch die Haut und führen zu Juckreiz und Ekzemen.
Fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung haben eine Nahrungsmittel- Allergie: Sie zeigt sich durch typische Symptome wie Juckreiz und Schwellungen im Mund, Quaddeln, Durchfall, Blähungen, Ekzemen an Schleimhäuten und auf der Haut, Husten oder auch Atemnot.
Bei der Insektengift-Allergie treten kurz nach dem Einstich rund um die Einstichstelle starke Schwellungen auf. Oft werden sie von Atemnot, Schwellungen an Gesicht und Hals und einer starken allgemeinen Hautrötung begleitet. Ohne Gegenmittel können die Reaktionen bis zum Tod führen.
Niesanfälle, Schnupfen, Husten, Asthma, Magen-Darm-Beschwerden, Nesselfieber, Migräne, Konzentrationsschwierigkeiten oder auch Gelenkbeschwerden können Folgen einer Schimmelpilz-Allergie sein.
Bei der Tierhaar-Allergie sind es Schweiß, Talg, Speichel oder Urin von Tieren, die an den Haaren kleben und zu lästigen allergischen Reaktionen führen. Davon sind Augen, Nase oder auch Bronchien betroffen.
Menschen, die an Hausstaub- Allergie leiden, reagieren dabei nicht auf Staub, sondern auf den Kot der Hausmilben. Bestimmte Bestandteile des Milbenkots dringen sogar durch die Haut und führen zu Juckreiz und Ekzemen.




