Blutsauger
Auf den roten Lebenssaft sind nicht nur Patienten im Krankenhaus angewiesen: Auch Vampire leben vom Fremdblut. Im Dunkeln schleicht Graf Dracula an seine Opfer heran und saugt sie aus.Im Jahre 1897 schuf ein damals wenig erfolgreicher Schriftsteller und Theaterkritiker den wohl berühmtesten Vampir aller Zeiten. Sieben Jahre zuvor hatte Abraham (Bram) Stoker (1847 bis 1912) vom rumänischen Fürsten Vlad Tepes Draculea (1431 bis 1477) erfahren. Der Pfähler, wie er auch genannt wurde, faszinierte den Autor dermaßen, dass er dem brutalen Fürsten mit der Romanfigur Dracula ein literarisches Denkmal setzte.
Aberglaube und Mythos
Seitdem muss Dracula als Prototyp des unbarmherzigen Vampirs herhalten. Die blutrünstige Grausamkeit seines Vorbilds im Umgang mit Feinden wie mit den eigenen Untertanen, die verstörenden Legenden, die sich um Vlad Tepes rankten - sie waren beste Voraussetzungen, um aus dem kaum bekannten Fürsten der Walachei einen Mythos zu machen. Für einen Vampir hielten seine Landsleute Tepes jedoch nie, zum Vampir machte ihn erst Stoker.
Sein Roman - von Kritikern wegen seiner viktorianisch geprägten Moral als mittelmäßig, prüde und trivial verrissen - bestimmt bis in die Gegenwart unser Bild des Vampirs. Dabei hat Stoker wahrscheinlich nur Berichte aus Südosteuropa aufgegriffen, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer regelrechten Vampir-Hysterie unter Wissenschaftlern in ganz Europa führten. Es ist erstaunlich, dass in der Zeit eines aufgeklärten Geistes - welcher die Menschen vom Mystizismus und vom Aberglauben befreien wollte - der moderne Vampirmythos entstand.
Doch wie konnte ein regional begrenzter Volksglaube ganz Europa erobern? Es war ein Zusammenspiel verschiedener Kräfte: Okkulte Ambitionen vor allem in den gebildeten Schichten sowie medizinischer Irrglaube und ein reißerisches journalistisches Interesse führten zur raschen Ausbreitung des Glaubens an Vampire.
Bram Stoker (1847 bis 1912): Sein Roman prägt bis heute unsere Vorstellungen vom blutsaugenden Vampir.
Den Aufhänger lieferten rätselhafte Epidemien in serbischen Dörfern im Grenzgebiet zum Osmanischen Reich. Den Tod Dutzender Menschen konnten sich die Dorfbewohner nur mit aus ihren Gräbern entstiegenen Untoten erklären. Diese "Vampire" kehrten zurück, so der Verdacht, um das Blut der Menschen zu saugen und unsterblich zu werden. Erster aktenkundiger Vampir war 1725 Peter Plogojowitz aus dem serbischen Dorf Kisolova.
Die beunruhigenden Berichte über ihn und andere Blutsauger gelangten über die Militärbehörden der Österreichischen Monarchie - sie verwaltete das Grenzgebiet - nach Wien, über Zeitungen schließlich nach Deutschland und nach ganz Europa. Zunächst einmal lösten die Berichte politische Aktivität aus: Da Massenauswanderungen drohten, genehmigte man die Exhumierung derjenigen Leichen, die für Vampire gehalten wurden.
Wohlgenährte Leichen
Beim Ausgraben der Leichen muss die Beamten das Entsetzen gepackt haben: Rote Flüssigkeit trat aus Mund und Nase, ja, wohl genährt sahen die Toten aus, sie hatten sogar eine neue Haut, und auch Haare und Nägel waren länger als zum Zeitpunkt des Todes. Offensichtlich hatte man es wirklich mit jenen Vampiren zu tun, von denen die Menschen erzählten! Diese Merkmale schienen eindeutige Beweise, hätten die Toten doch eigentlich verwesen müssen.
Verstärkt wurde die Angst der Dorfbewohner durch ihren orthodoxen Glauben, der besagt, dass eine nicht "ordnungsgemäß" verweste Leiche verdammt sei. Die Ärzte jedoch hätten es besser wissen können: Auch wenn das medizinische Wissen jener Zeit nicht so umfangreich wie heute war, gab es bereits Erklärungen für die Vorgänge bei der Verwesung.
Blutsaugers erste Berühmtheit
Für jene Erscheinungen lassen sich leicht natürliche Ursachen identifizieren: Meist führten bei der Auflösung des Körpers entstehende Gase zum Austritt von Körperflüssigkeiten und zu Hautveränderungen. Und nicht selten begrub man bei Epidemien auch Scheintote, die sich ihre Nägel bei verzweifelten Befreiungsversuchen blutig kratzten.
Als die Berichte über die Untersuchungen an die Presse gerieten, gab es für den Vampirglauben kein Halten mehr. Es entbrannte eine rege Debatte um das unheimliche Phänomen. Dabei wurde Aberglaube nicht von objektiven Untersuchungsergebnissen getrennt, mehr noch, er wurde in die Erklärungsmodelle einbezogen. Die Diskussionen jener Zeit können als Geburtsstunde moderner Vampirlegenden bezeichnet werden und verhalfen den Blutsaugern zu erster Berühmtheit.
Nicht auf Friedhöfen
Voltaire, der französische Schriftsteller und Philosoph, hielt dazu mit einiger Ironie fest, "dass es Börsenspekulanten, Händler, Geschäftsleute gibt, die eine Menge Blut aus dem Volk heraussaugen, aber diese Herren sind überhaupt nicht tot, allerdings ziemlich angefault. Diese wahren Sauger wohnen nicht auf Friedhöfen, sondern in wesentlich angenehmeren Palästen."
Bereits wenige Jahrzehnte später, um 1770, verloren die Menschen das Interesse an den Vampiren wieder. So gerieten die mystischen Blutsauger zunächst in Vergessenheit. Nur etwas mehr als dreißig Jahre hatte ihr öffentliches Leben gedauert. Erst mit Bram Stokers Roman eroberten sich Vampire das öffentliche Interesse zurück.
Nosferatu. Eine Symphonie des Grauens: 1922 brachte Friedrich Wilhelm Murnau den Vampir ins Kino.
Sehnsucht nach Unsterblichkeit
Letztendlich spiegelt sich im Vampirmythos die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Doch so etwas funktioniert nur unter Aufgabe der eigenen Menschlichkeit. Und schon immer faszinierte die Frage: Wie weit soll man gehen, um Unsterblichkeit zu erlangen? Ist man für die Durchsetzung seiner Ziele bereit, gesellschaftliche Regeln, religiöse Gebote oder moralische Maßstäbe zu missachten? Manch einem wird der Vampir da zum Vorbild, wie schon Voltaire richtig erkannte. Blutsauger leben nicht nur auf Friedhöfen und in finsteren Nächten...
Ulrike Wolf/Michael Schmittbetz (aktualisiert 22.02.2012)
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Tierische Blutsauger
Wie nahrhaft Blut ist, wissen nicht nur Vampire. Auch kleinere Blutsauger entwickeln raffinierte Strategien, um an den Körpersaft zu gelangen. Das Problem: Sie saugen nicht nur Blut ab, sondern übertragen dabei mitunter gefährliche Krankheiten.
Zecken haben spezielle Sensoren für Wärme und Kohlendioxid, mit denen sie ihre Opfer aufspüren. Nachdem sie ihren Wirt angesprungen haben, saugen sie sich in Sekundenbruchteilen fest. Sie können auf das Zweihundertfache ihres Gewichts anschwellen. Vorsicht ist geboten, denn Zecken können Hirnhautentzündungen übertragen.
Flöhe lieben Blut, auch das des Menschen. Richtig gefährlich werden sie allerdings nur für junge Tiere. Nachdem der hungrige Floh zugebissen hat, fängt die Bissstelle an zu jucken und wird rot. Das ist äußerst unangenehm, zumal Flöhe gern mehrere Bisse an Armen, Beinen, Schultern und am Bauch verteilen.
Blutegel haben eine ebenso effektive wie unangenehme Strategie, um an Blut zu gelangen: Mit scheibenförmigen, sägeartigen Kiefern bohren sie sich zum Blutgefäß vor. Über Jahrhunderte wurden sie in der Medizin als Allheilmittel genutzt, zum Beispiel gegen Hautkrankheiten oder Rheuma. Zur Zeit erleben sie ein Comeback in der Natur- wie auch in der Schulmedizin.
Zecken haben spezielle Sensoren für Wärme und Kohlendioxid, mit denen sie ihre Opfer aufspüren. Nachdem sie ihren Wirt angesprungen haben, saugen sie sich in Sekundenbruchteilen fest. Sie können auf das Zweihundertfache ihres Gewichts anschwellen. Vorsicht ist geboten, denn Zecken können Hirnhautentzündungen übertragen.
Flöhe lieben Blut, auch das des Menschen. Richtig gefährlich werden sie allerdings nur für junge Tiere. Nachdem der hungrige Floh zugebissen hat, fängt die Bissstelle an zu jucken und wird rot. Das ist äußerst unangenehm, zumal Flöhe gern mehrere Bisse an Armen, Beinen, Schultern und am Bauch verteilen.
Blutegel haben eine ebenso effektive wie unangenehme Strategie, um an Blut zu gelangen: Mit scheibenförmigen, sägeartigen Kiefern bohren sie sich zum Blutgefäß vor. Über Jahrhunderte wurden sie in der Medizin als Allheilmittel genutzt, zum Beispiel gegen Hautkrankheiten oder Rheuma. Zur Zeit erleben sie ein Comeback in der Natur- wie auch in der Schulmedizin.
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Rezept: Thüringer Blutkuchen
Auch Menschen haben Appetit auf Blut. Die folgenden Zutaten genügen für vier Portionen:
4 Brötchen, altbacken
500 g Schweinefleisch (Bauchfleisch)
250 g Hackfleisch
500 ml Brühe
500 ml Blut vom Schwein
50 g Speck
2 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
2 EL Majoran
1 Liter Wasser
Salz und Pfeffer
Das Schweinefleisch mit Wasser und Salz weich kochen. Wenn es weich ist, in Würfel schneiden. Die Brötchen klein würfeln und in eine große Schüssel geben. Brühe mit den Fleischwürfeln sowie Milch hinzugeben. Hackfleisch zupfen und unterrühren. Mit Pfeffer, Salz und den gehackten Zwiebeln sowie dem gepressten Knoblauch würzen. Majoran dazugeben. Blut (muss man beim Fleischer bestellen) unterrühren.
Den Speck würfeln und in der Backofenpfanne leicht auslassen. Die Masse hinzugeben und bei 220 Grad Celsius circa 10 Minuten anbraten, dann bei 200 Grad Celsius etwa 50 Minuten weiter backen. Zwischendurch ab und zu umrühren. Mit Kartoffeln und Sauerkraut servieren.
Auch Menschen haben Appetit auf Blut. Die folgenden Zutaten genügen für vier Portionen:
4 Brötchen, altbacken
500 g Schweinefleisch (Bauchfleisch)
250 g Hackfleisch
500 ml Brühe
500 ml Blut vom Schwein
50 g Speck
2 Zwiebeln
2 Zehen Knoblauch
2 EL Majoran
1 Liter Wasser
Salz und Pfeffer
Das Schweinefleisch mit Wasser und Salz weich kochen. Wenn es weich ist, in Würfel schneiden. Die Brötchen klein würfeln und in eine große Schüssel geben. Brühe mit den Fleischwürfeln sowie Milch hinzugeben. Hackfleisch zupfen und unterrühren. Mit Pfeffer, Salz und den gehackten Zwiebeln sowie dem gepressten Knoblauch würzen. Majoran dazugeben. Blut (muss man beim Fleischer bestellen) unterrühren.
Den Speck würfeln und in der Backofenpfanne leicht auslassen. Die Masse hinzugeben und bei 220 Grad Celsius circa 10 Minuten anbraten, dann bei 200 Grad Celsius etwa 50 Minuten weiter backen. Zwischendurch ab und zu umrühren. Mit Kartoffeln und Sauerkraut servieren.
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Blaues Blut...
ist eine Legende: Nachweisbar fließt kein anderer Saft in den Adern von Adligen als in denen von "gewöhnlichen" Menschen. Dahinter steckt viel mehr: nämlich ein gutes Stück Rassentheorie.
Im mittelalterlichen Kastilien hat der Ausdruck Sangre azul vermutlich seinen Ursprung. Die maurischen Herrscher, erstaunt über die bleichen germanischen Westgoten, etablierten die Idee vom blauen Blut: Durch die helle Haut der Germanen schimmerten die Adern blau hindurch.
Später übertrug man diesen Ausdruck auf die hohen spanischen Adelsschichten und die Königsfamilie. Und von Spanien aus verbreitete sich der Glaube an das adelige Blaublut in ganz Europa.
Der Graf Arthur de Gobineau (1816 bis 1882) stellte die These auf, (französische) Aristokraten und niederes Volk gehörten verschiedenen Rassen an.
Der blutbedingte, Kampf zwischen germanischem (adligem) und romanischem Element präge die Geschichte, so Gobineau. Vermittelt auch durch die Theorien des Briten Houston Stewart Chamberlain (1855 bis 1927) griffen schließlich nationalsozialistische Rassentheoretiker den Denkansatz auf: jüdisches versus deutsches Blut - ein Konstrukt bar jeder medizinischen Basis. Dennoch: "Es steckt eben im Blut" - diese anschauliche und gefährliche Metapher hat die Zeiten überdauert.
ist eine Legende: Nachweisbar fließt kein anderer Saft in den Adern von Adligen als in denen von "gewöhnlichen" Menschen. Dahinter steckt viel mehr: nämlich ein gutes Stück Rassentheorie.
Im mittelalterlichen Kastilien hat der Ausdruck Sangre azul vermutlich seinen Ursprung. Die maurischen Herrscher, erstaunt über die bleichen germanischen Westgoten, etablierten die Idee vom blauen Blut: Durch die helle Haut der Germanen schimmerten die Adern blau hindurch.
Später übertrug man diesen Ausdruck auf die hohen spanischen Adelsschichten und die Königsfamilie. Und von Spanien aus verbreitete sich der Glaube an das adelige Blaublut in ganz Europa.
Der Graf Arthur de Gobineau (1816 bis 1882) stellte die These auf, (französische) Aristokraten und niederes Volk gehörten verschiedenen Rassen an.
Der blutbedingte, Kampf zwischen germanischem (adligem) und romanischem Element präge die Geschichte, so Gobineau. Vermittelt auch durch die Theorien des Briten Houston Stewart Chamberlain (1855 bis 1927) griffen schließlich nationalsozialistische Rassentheoretiker den Denkansatz auf: jüdisches versus deutsches Blut - ein Konstrukt bar jeder medizinischen Basis. Dennoch: "Es steckt eben im Blut" - diese anschauliche und gefährliche Metapher hat die Zeiten überdauert.



