Saft des Lebens
Blut ist durch nichts zu ersetzen. Es kann bisher nicht künstlich hergestellt werden. Deshalb sind viele Patienten mit schweren Verletzungen oder anderen Krankheiten auf Blutspenden angewiesen.Einen halben Liter Blut - so viel spenden im Schnitt mehr als zehntausend Deutsche täglich. Auch wenn bei jedem von uns "nur" vier bis sechs Liter Blut im Körper pulsieren, ist die gespendete Blutmenge doch so gering, dass der Verlust vom Organismus schnell wieder ausgeglichen wird. Was für den Einzelnen ein leicht verschmerzbarer Verlust ist, rettet anderen das Leben.
Nährt, baut auf, entgiftet
Kein Organ des menschlichen Körpers wird so oft transplantiert wie Blut. Und kein anderes Organ besitzt eine solche Vielzahl an lebenswichtigen Funktionen: Blut versorgt Organe und Gewebe mit Sauerstoff und transportiert von dort aus das Kohlendioxid zur Lunge zurück. Es dient der Versorgung der Zellen mit Nähr- und Aufbaustoffen, Salzen und Vitaminen. Blut entgiftet unseren Körper, indem es die in den Geweben anfallenden Stoffwechselendprodukte entsorgt.
Es ist eine Klimaanlage, welche die beim Stoffwechsel entstehende Wärme aus der Tiefe der Gewebe an die Körperoberfläche transportiert, wo sie dann nach außen abgegeben wird. Chemische Botenstoffe - die Hormone - gelangen über das Blut an ihren Bestimmungsort. Und im Kampf für die Gesundheit unseres Körpers bringt es auf Angriff und Verteidigung spezialisierte Zellen, die Lymphozyten, dahin, wo Krankheitserreger und körperfremde Stoffe bekämpft und beseitigt werden müssen.
Durch nichts zu ersetzen
Mit all diesen lebenswichtigen Funktionen ist Blut für unseren Körper unersetzlich - und es ist auch durch nichts zu ersetzen. Selbst fremdes menschliches Blut kann da gefährlich werden. Um Blutverluste bei Operationen oder bei Geburten auszugleichen, versuchte man schon in früheren Zeiten, Blut anderer Menschen zu übertragen.
Doch die Versuche kamen einem Glücksspiel gleich: Mal gelang die Prozedur, mal kam der Verletzte trotz - oder, wie wir heute wissen, gerade wegen - der Bluttransfusion ums Leben. Bis zur Entdeckung der Blutgruppen blieb dieses Phänomen ein Rätsel; in den meisten europäischen Ländern waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Bluttransfusionen gar verboten. Heute sind diverse Blutgruppensysteme bekannt, wobei das wichtigste das AB0-System ist.
Der österreichische Bakteriologe Karl Landsteiner war es, der 1901 herausfand, dass das Blut verschiedener Spender beim Vermischen teilweise agglutinierte, also verklumpte. Beim Vergleich mit Blutproben seiner Kollegen definierte er die Blutgruppen A, B und 0. Seine Erkenntnisse fasste Landsteiner im selben Jahr in seiner Arbeit mit dem Titel Über Agglutinationserscheinungen normalen menschlichen Blutes zusammen. 1930 erhielt der Wissenschaftler dafür den Nobelpreis für Medizin.
Ein kleiner Piekser, der Leben retten hilft.
Wie sich herausstellte, sind die Blutgruppen bei der Transfusion nicht beliebig übertragbar. Landsteiners Entdeckung, die eine exakte Bestimmung der Blutgruppen ermöglicht, revolutionierte die medizinische Praxis.
Lebensgefährliche Blutgruppenunverträglichkeiten - das Verklumpen des Blutes, das so keinen Sauerstoff mehr transportieren kann - sind seitdem weitestgehend ausgeschlossen. Vor jeder Bluttransfusion wird nun die Blutgruppe bestimmt.
Spender gesucht
Auch wenn sich die eingangs erwähnte Zahl der Blutspenden beachtlich anhört - täglich werden in Deutschland bis zu 15.000 Blutspenden benötigt: vor allem zur Behandlung von Krebspatienten, sowie zur Versorgung von Patienten, die an Herz-, Magen- oder Darmkrankheiten oder an Unfallverletzungen leiden.
Dabei ist der hohe Bedarf auch eine Folge des medizinischen Fortschritts: Viele Operationen, Organtransplantationen und Tumorbehandlungen sind erst mit der modernen Transfusionsmedizin möglich geworden. Schon die Spende eines halben Liters kann helfen, Leben zu retten.
Ulrike Wolf (aktualisiert 22.02.2012)
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Infobox
Infektionen durch verseuchtes Spenderblut
Zu Beginn der 1980er Jahre traten weltweit HIV- und Hepatitis-Infektionen durch Blutprodukte auf. Besonders Hämophile waren betroffen, deren Gerinnungsstoff-Mittel aus Blutkonserven von jeweils 2.000 bis 5.000 Spendern stammte.
In Deutschland infizierten sich über vierzig Prozent der Bluter-Patienten mit HIV, in den USA waren es rund fünfzig Prozent. Der Immunschwächevirus konnte im Mai 1983 zum ersten Mal isoliert werden.
Durch konsequentes und schnelles Handeln, wie Bluttests der Spender und Hitzeinaktivierung des Virus hätte die Ansteckungsquote deutlich reduziert werden können. Experten gehen davon aus, dass trotz damals noch unausgereifter Testverfahren immerhin rund sechzig Prozent der Infizierungen hätten verhindert werden können.
Das weltweit zögerliche Verhalten der Gesundheitsbehörden sowie Vertuschungsversuche und Fälle illegalen Bluthandels sorgten für mediale Empörung und Angst in der Bevölkerung.
Erst im Juli 1985 führt Deutschland die allgemeine Pflicht von HIV-Tests bei Blutspenden ein. Bis dahin hatten sich in der BRD schon 1.846 Bluter mit HIV infiziert. Heute liegt das Infektionsrisiko durch Blutprodukte bei geschätzten 1:1 Millionen.
Außerhalb der Industrieländer ist das Ansteckungsrisiko nach wie vor erheblich: In Venezuela liegt es bei etwa vierzig Prozent. Nach Angaben der WHO testen nur 43 der 191 Mitgliedsländer Spenderblut auf HIV.
Zu Beginn der 1980er Jahre traten weltweit HIV- und Hepatitis-Infektionen durch Blutprodukte auf. Besonders Hämophile waren betroffen, deren Gerinnungsstoff-Mittel aus Blutkonserven von jeweils 2.000 bis 5.000 Spendern stammte.
In Deutschland infizierten sich über vierzig Prozent der Bluter-Patienten mit HIV, in den USA waren es rund fünfzig Prozent. Der Immunschwächevirus konnte im Mai 1983 zum ersten Mal isoliert werden.
Durch konsequentes und schnelles Handeln, wie Bluttests der Spender und Hitzeinaktivierung des Virus hätte die Ansteckungsquote deutlich reduziert werden können. Experten gehen davon aus, dass trotz damals noch unausgereifter Testverfahren immerhin rund sechzig Prozent der Infizierungen hätten verhindert werden können.
Das weltweit zögerliche Verhalten der Gesundheitsbehörden sowie Vertuschungsversuche und Fälle illegalen Bluthandels sorgten für mediale Empörung und Angst in der Bevölkerung.
Erst im Juli 1985 führt Deutschland die allgemeine Pflicht von HIV-Tests bei Blutspenden ein. Bis dahin hatten sich in der BRD schon 1.846 Bluter mit HIV infiziert. Heute liegt das Infektionsrisiko durch Blutprodukte bei geschätzten 1:1 Millionen.
Außerhalb der Industrieländer ist das Ansteckungsrisiko nach wie vor erheblich: In Venezuela liegt es bei etwa vierzig Prozent. Nach Angaben der WHO testen nur 43 der 191 Mitgliedsländer Spenderblut auf HIV.
Infobox
Über den Blustspendeskandal der 1980er Jahre äußert sich Dr. med. Wolfgang Voerkel, Transfusionsmediziner am Leipziger Labor Dr. Reising-Ackermann und Kollegen:




