Der Schlüssel
Diabetes ist heimtückisch - zunächst treten kaum Beschwerden auf. Die Folgeschäden aber sind gravierend. Anfang des 20. Jahrhunderts kam die Diagnose einem Todesurteil gleich - bis zur Entdeckung des Insulins.Ihm verdanken viele Millionen ihr Leben: Frederick Banting (1891-1941) erhielt 1923 den Nobelpreis für Medizin.
Die medizinische Sensation war für viele wie eine Begnadigung, hob sie doch für Millionen Diabetiker das unausweichliche Todesurteil auf. Nach Versuchen an Hunden behandelten Banting und Best 1922 erstmals erfolgreich einen Menschen. Und bereits ein Jahr später wurde Insulin in großen Mengen hergestellt.
Rätselvolle Krankheit
Bis dahin waren die Symptome des Diabetes mellitus, der so genannten Zuckerkrankheit, zwar bekannt, ihre physiologischen Ursachen aber lagen im Dunkeln. Schon um 100 n. Chr. beschrieb der griechische Arzt Aretaios von Kappadozien Diabetes als "rätselvolle Krankheit". Sei diese erst vollkommen ausgebildet, befinde sich der Mensch am Ende seiner Tage. Dann "nimmt die Abzehrung überhand, und nach einem elenden, schmerzvollen Leben folgt der schnelle Tod."
Obwohl es schon seit Jahrhunderten möglich war, die Krankheit zu diagnostizieren, verhinderte das fehlende Wissen um den direkten Zusammenhang zwischen Diabetes und Insulin die lebensrettende Behandlung. Erst Banting und Best fanden den Schlüssel: Insulin funktioniert wie ein "Türöffner", der die Zellwand durchlässig für den lebensnotwendigen Zucker, die Glukose, macht.
Zucker: vom Blut in die Organe
Glukose ist wichtigster Energielieferant des Körpers: Sie gelangt über das Blut zu Gehirn, Leber, Nieren, Muskeln und Fettgewebe. Grundlage ist ein komplexer Stoffwechselvorgang, bei dem die in der Nahrung enthaltenen Kohlenhydrate während der Verdauung in Glukose umgewandelt werden. Die dringt dann in den Blutkreislauf ein, so dass der Blutzuckerspiegel vorübergehend ansteigt - eine normale Reaktion.
Süßigkeiten sind für Zuckerkranke Tabu. Eine ausgewogene Ernährung hilft, den Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.
Aus dem Gleichgewicht
Wird in der Bauchspeicheldrüse nur wenig oder überhaupt kein Insulin gebildet, kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen und verbleibt deshalb im Blut - der Stoffwechsel gerät aus dem Gleichgewicht. Mangelnde Regulation des Blutzuckerspiegels und damit verbundene ständige Überzuckerung des Blutes sind charakteristisch für die häufigste Stoffwechselerkrankung des Menschen: Diabetes mellitus.
Zwei Entstehungsformen des "honigsüßen Durchflusses", wie die Krankheit übersetzt heißt, gibt es: Typ-1-Diabetes, von einem absoluten Insulinmangel gekennzeichnet, ist eine so genannte Autoimmunkrankheit. Das Immunsystem richtet sich gegen körpereigene Zellen und zerstört sie - so auch die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse.
Mangel an Insulin
Beim Typ-2-Diabetes, der sogenannten Altersdiabetes, kann das an sich ausreichend vorhandene Hormon Insulin nicht in genügender Menge freigesetzt werden oder seine volle Wirkung nicht entfalten: Die Zellen des Fett- und Muskelgewebes reagieren schwächer auf das Hormon und nehmen deshalb weniger Glukose auf. Man spricht hier vom relativen Insulinmangel.
Der Körper versucht, mit erhöhter Insulinproduktion auf den steigenden Blutzuckerspiegel zu reagieren. Nach einiger Zeit sind die Reserven jedoch erschöpft, die Bildung des Insulins bleibt völlig aus. An Altersdiabetes leiden über neunzig Prozent der Diabetiker. Meist tritt sie zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebensjahr auf, allerdings sind heutzutage auch immer mehr Kinder betroffen.
Insulin muss gespritzt werden. Der Körper stellt zu wenig davon bereit.
Heimtückischer Typ 2
Ganz anders beim Typ 2: Diese Form ist heimtückischer. Denn körperlich ist die Überzuckerung des Blutes nicht spürbar. So kann eine Erkrankung über lange Zeit unentdeckt bleiben - mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen: Wird die Krankheit erst nach Jahren diagnostiziert, können Herz, Nieren, Augen oder Nerven bereits unwiderruflich geschädigt sein.
Ein chronisch erhöhter Blutzucker führt zu Durchblutungsstörungen in verschiedenen Organen und Körperregionen. In den großen Blutgefäßen fördert er die Arteriosklerose und wird somit zum Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Doch nicht nur die großen Blutgefäße sind betroffen, auch Schädigungen kleiner Arterien, wie in der Niere oder in der Netzhaut des Auges, haben erhebliche Konsequenzen, zum Beispiel Nierenversagen oder Erblindung.
Lindern, nicht heilen
Die Entdeckung des Insulins ermöglichte es, Diabetespatienten wirksam zu behandeln, ihre Symptome und Beschwerden zu lindern. Aber bis heute sind die Gründe für absoluten und relativen Insulinmangel nicht vollends geklärt; Diabetes mellitus bleibt unheilbar. Trotz allen medizinischen Fortschritts haben wir es noch immer mit einer rätselvollen Krankheit zu tun - die sich schneller und schneller verbreitet...
Ulrike Wolf (aktualisiert 10.11.2011)
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Diabetes - Risikocheck
Die Lebensweise, aber auch erbliche Faktoren erhöhen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wie hoch das persönliche Risiko ist, zeigt ein Test der Deutschen Diabetes Stiftung.
Die Lebensweise, aber auch erbliche Faktoren erhöhen das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Wie hoch das persönliche Risiko ist, zeigt ein Test der Deutschen Diabetes Stiftung.
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Der Blutzuckerspiegel...
bei gesunden Menschen liegt nüchtern unter 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und steigt nach dem Essen auf maximal 140 mg/dl.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO handelt es sich um eine diabetische Erkrankung, wenn der Nüchternblutzucker ständig über 120 mg/dl und der Blutzucker nach der Mahlzeit über 180 mg/dl liegen.
bei gesunden Menschen liegt nüchtern unter 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und steigt nach dem Essen auf maximal 140 mg/dl.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO handelt es sich um eine diabetische Erkrankung, wenn der Nüchternblutzucker ständig über 120 mg/dl und der Blutzucker nach der Mahlzeit über 180 mg/dl liegen.
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Lebensretter Insulin
Jahrhundertelang suchten Forscher nach einem Gegenmittel für die tödliche Zuckerkrankheit. Bis 1921 kannte niemand den Stoff, der den Diabetikern fehlt.
Mit der Entdeckung des Insulins nahte Rettung: Aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen und Rindern ließ sich das Hormon gewinnen, kein Mensch musste mehr an den Folgen erhöhten Blutzuckerspiegels sterben.
Durch rasches Bevölkerungswachstum und vergrößerten Wohlstand nahm Diabetes nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Mitte der 1970er Jahre prognostizierten Studien, dass das Insulin zur Jahrtausendwende nicht mehr für alle Diabetiker reichen würde.
Die Lösung des Problems fanden Forscher in der Gentechnik: 1982 wurde das erste gentechnologisch hergestellte Insulin in den USA zugelassen, seit Ende der 1990er Jahre ist es auch in Deutschland erhältlich.
Jahrhundertelang suchten Forscher nach einem Gegenmittel für die tödliche Zuckerkrankheit. Bis 1921 kannte niemand den Stoff, der den Diabetikern fehlt.
Mit der Entdeckung des Insulins nahte Rettung: Aus der Bauchspeicheldrüse von Schweinen und Rindern ließ sich das Hormon gewinnen, kein Mensch musste mehr an den Folgen erhöhten Blutzuckerspiegels sterben.
Durch rasches Bevölkerungswachstum und vergrößerten Wohlstand nahm Diabetes nach dem Zweiten Weltkrieg zu. Mitte der 1970er Jahre prognostizierten Studien, dass das Insulin zur Jahrtausendwende nicht mehr für alle Diabetiker reichen würde.
Die Lösung des Problems fanden Forscher in der Gentechnik: 1982 wurde das erste gentechnologisch hergestellte Insulin in den USA zugelassen, seit Ende der 1990er Jahre ist es auch in Deutschland erhältlich.



