Von Schicksal und Schuld
Mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms und der Möglichkeit, genetische Defekte identifizieren zu können, verbanden sich schon früh große Hoffnungen: Kann man Erbkrankheiten in Zukunft heilen?Neue Tests: Mittels Blutproben lassen sich genetische Defekte und mögliche, daraus resultierende Krankheiten diagnostizieren.
Schöne, neue Welt?
Gattaca ist eine beunruhigende Zukunftsvision, präsentiert im gleichnamigen Film von Andrew Niccol aus dem Jahr 1997. Der Regisseur zeichnet darin eine Welt, in der das menschliche Genom komplett entschlüsselt ist und in der es keine Erbkrankheiten mehr gibt - gleichzeitig aber auch eine Welt, in der täglich Blut-, Urin- und Haarproben analysiert und kontrolliert werden; eine Welt, in der zum Scheitern verurteilt ist, wer nicht strengen genetischen Normen genügt. Nur mit perfekter DNS hat man in Gattaca eine Zukunft.
Blättern im Buch des Lebens
Science Fiction à la Hollywood - oder mögliche Realität? Der Film entstand zu einer Zeit, als die Genforschung rasante Fortschritte machte, beinahe täglich die Entdeckung neuer Gene gemeldet wurde - Gene, die beispielsweise verantwortlich sind für das Haarwachstum, für das Altern, aber auch für Brustkrebs. Erfüllt von der Hoffnung und dem Traum, in naher Zukunft bestimmte Krankheiten durch Gentherapie heilen zu können, drangen die Wissenschaftler immer weiter in das "Buch des menschlichen Lebens" vor. Nur, je mehr Wissen sie anhäuften, umso mehr neue Fragen stellten sich ihnen auch.
In jeder menschlichen Körperzelle gibt es 46 paarweise angeordnete Chromosomen - nur die Geschlechtschromosomen haben je einen einfachen Erbinformationssatz.
Zwar gilt das menschliche Erbgut seit April 2000 als entschlüsselt, die großen Hoffnungen der Forscher - und die vieler Betroffener - aber haben sich bis heute nicht erfüllt. Etwa 11.000 genetische Erkrankungen sind derzeit bekannt, von denen man rund fünfhundert bereits mittels Gentest - durch Pränataldiagnostik einige davon sogar schon bei einem Ungeborenen - identifizieren kann. Doch wem nutzen die diagnostischen Möglichkeiten, wenn es noch immer keine Therapien gibt? Beispiel Chorea Huntington: Der so genannte Veitstanz - eine Erbkrankheit, die meist zwischen dem vierzigsten und fünfzigsten Lebensjahr ausbricht und innerhalb kürzester Zeit zum Verlust der motorischen Kontrolle, zu Demenz und zu Wesensveränderungen führt - kann mittels prädiktiver Diagnostik mit hundertprozentiger Sicherheit vorausgesagt werden. Heilbar ist Chorea Huntington nicht.
Genetische Diskriminierung
Ein noch gesunder Mensch gilt nach einer solchen Diagnose als "genetisch krank". Neben den Auswirkungen auf das persönliche Verständnis von Krankheit und Gesundheit könnten Gentests in Zukunft weitreichende soziale Folgen haben. So hat sich der Nationale Ethikrat im August 2005 dafür ausgesprochen, in Ausnahmefällen Gentests vor Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses zuzulassen. Hängt künftig die Qualifikation eines Menschen auch von seinem Erbgut ab? Droht die "genetische Diskriminierung", nicht nur in der Arbeitswelt, sondern beispielsweise auch beim Abschluss von Lebens- und Krankenversicherungen? ...
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Infobox
Die Informationen über den "Bauplan" eines Menschen und über die Funktionsweise seines Körpers liegen dicht gepackt im Kern jeder seiner Zellen. Als Informationsträger dient die DNS (Desoxyribonukleinsäure), ein so genanntes Makromolekül, das häufig auch als Erbsubstanz bezeichnet wird.
Bei der Zeugung - dem Verschmelzen von Ei- und Samenzelle - werden je ein kompletter Satz mütterlicher und ein kompletter Satz väterlicher DNS zusammengebracht. Körperliche Merkmale, wie zum Beispiel die Farbe der Augen oder der Haare, oder bestimmte Krankheiten und psychische Anlagen, die bereits bei den eigenen Vorfahren auftraten, können so an die Kinder vererbt werden.
Der Bauplan des gesamten menschlichen Erbguts, die Gene, sind in jeder Zelle hinterlegt. Etwa 100.000 besitzt der Mensch davon, aufgereiht in den Chromosomen. In einer menschlichen Körperzelle befinden sich normalerweise 46 paarweise angeordnete Chromosomen: je ein Chromosom stammt von der Mutter, das andere vom Vater. 22 Paare, die Autosomen, sind bei Mann und Frau gleich. Das 23. Paar, die Gonosomen (Geschlechtschromosomen), bestimmt das Geschlecht des Menschen. Statt des doppelten Erbinformationssatzes enthalten die Geschlechtszellen jeweils einen einfachen DNS-Satz.
Bei der Zeugung - dem Verschmelzen von Ei- und Samenzelle - werden je ein kompletter Satz mütterlicher und ein kompletter Satz väterlicher DNS zusammengebracht. Körperliche Merkmale, wie zum Beispiel die Farbe der Augen oder der Haare, oder bestimmte Krankheiten und psychische Anlagen, die bereits bei den eigenen Vorfahren auftraten, können so an die Kinder vererbt werden.
Der Bauplan des gesamten menschlichen Erbguts, die Gene, sind in jeder Zelle hinterlegt. Etwa 100.000 besitzt der Mensch davon, aufgereiht in den Chromosomen. In einer menschlichen Körperzelle befinden sich normalerweise 46 paarweise angeordnete Chromosomen: je ein Chromosom stammt von der Mutter, das andere vom Vater. 22 Paare, die Autosomen, sind bei Mann und Frau gleich. Das 23. Paar, die Gonosomen (Geschlechtschromosomen), bestimmt das Geschlecht des Menschen. Statt des doppelten Erbinformationssatzes enthalten die Geschlechtszellen jeweils einen einfachen DNS-Satz.


