Bei Gift anrufen!
Die Gefahr steckt in vielen Situationen: das Kind allein in der Küche, der Schluck aus der falschen Flasche... Und dann braucht man sie. Sie, das sind zum Beispiel die Fachleute vom Giftnotruf.Rund um die Uhr ist der Giftnotruf Erfurt für alle erreichbar. Doch ins Haus kommen die Mitarbeiter nicht. Dafür ist der Notarzt da. Was der Giftnotruf aber bietet, sind umfassende Informationen rund ums Thema Gift und kompetente Beratung bei Problemen.
Anrufen (unter 0361/730730) kann jeder Betroffene sowie Ärzte, die auf den reichen Erfahrungsschatz der dort tätigen Mediziner zurückgreifen wollen. Das Gemeinsame Giftinformationszentrum (GGIZ) wird von vier ostdeutschen Ländern finanziert. Sein Leiter Dr. med. Helmut Hentschel gibt im Gespräch mit Lexi-Online Einblicke in seine Arbeit:
Lexi-Online: Herr Dr. Hentschel, wer ruft Sie an?
Hentschel: In vielen Fällen werden wir von besorgten Eltern angerufen: "Das Kind hat meinen Lippenstift gekaut." oder: "Es hat die Nasentropfen getrunken." Bei Kindern sind schwere Vergiftungen allerdings selten, während bei rund zehn Prozent der erwachsenen Anrufer lebensbedrohliche Vergiftungen dahinter stecken. Am liebsten arbeiten wir aber im Vorfeld, also noch bevor eine gefährliche Situation eingetreten ist: Vergiftungsgefahren vorbeugen, eine Vergiftung schnell erkennen und sie einer wirksamen Behandlung zuführen - das sind die drei Säulen unserer Tätigkeit.
Lexi-Online: Was können Sie Hilfesuchenden bieten?
Hentschel: Wir geben mit Expertenwissen untersetzte bewertete Informationen. Grundlage sind die Erfahrungen aus etwa tausend Vergiftungsfällen, mit denen jeder der sieben Fachärzte des Zentrums pro Jahr beratend zu tun hat. Unseren Informationsdienst halten wir zu jeder Tages- und Nachtzeit offen. Gesprächspartner sind dabei neben hilfesuchenden Bürgern vor allem niedergelassene Ärzte oder Klinikärzte der Rettungsstellen und Intensivstationen.
Lexi-Online: Vergiftungen stehen manchmal im Zusammenhang mit Straftaten. Tun Sie etwas bei solchem Verdacht?
Haushaltsprodukte, wie Waschmittel und Reiniger, duften gut, haben tolle Farben - und sind für Kinder sehr verlockend. Hier droht Vergiftungsgefahr!
Hentschel: Wir unterliegen in jedem Fall der ärztlichen Schweigepflicht, zumal wir den Wahrheitsgehalt telefonischer Aussagen nicht überprüfen können. Die beratende Tätigkeit unserer Institution schließt Anzeigen bei der Polizei in der Regel aus. So können auch Menschen mit Drogenproblemen unbedenklich den Kontakt zu uns suchen.
Lexi-Online: Spielen Suizide oder Suizidversuche bei Vergiftungen eine wesentliche Rolle?
Hentschel: Häufig haben wir es mit Vergiftungsverdacht bei Kindern zu tun; Suizide kommen hier praktisch nicht vor. Anders sieht das bei Menschen im mittleren Lebensalter oder bei alten Menschen aus. Medikamenten-Missbrauch ohne tödlichen Ausgang in unbewältigten Konfliktsituationen, wir sprechen von parasuizidalen Handlungen, beginnt schon in der Pubertät. Betrachten wir nur die Gruppe der Erwachsenen, steht mehr als die Hälfte aller Anfragen im Zusammenhang mit Medikamenten. Rund zwei Drittel haben suizidale Hintergründe...
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Infobox
Vergiftungen verhindern
Schätzungsweise 100.000 Vergiftungsunfälle bei Kindern passieren jährlich in Deutschland, davon etwa 10.000 mit Vergiftungserscheinungen. Gehäuft treten Vergiftungen im häuslichen Umfeld mit Arzneimitteln und Haushaltsprodukten auf. Besonders oft betroffen sind Kinder zwischen einem und fünf Jahren. Das sicherste Mittel gegen Vergiftungen ist, Gifte erst gar nicht in die Hände von Kindern gelangen zu lassen. Dazu gibt es einige grundlegende Regeln:
Schätzungsweise 100.000 Vergiftungsunfälle bei Kindern passieren jährlich in Deutschland, davon etwa 10.000 mit Vergiftungserscheinungen. Gehäuft treten Vergiftungen im häuslichen Umfeld mit Arzneimitteln und Haushaltsprodukten auf. Besonders oft betroffen sind Kinder zwischen einem und fünf Jahren. Das sicherste Mittel gegen Vergiftungen ist, Gifte erst gar nicht in die Hände von Kindern gelangen zu lassen. Dazu gibt es einige grundlegende Regeln:
- Alle gefährlichen Stoffe im Haushalt (zum Beispiel Reiniger, Waschmittel, Farben, Lacke, Kleber) in verschließbaren Schränken außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Nach dem Gebrauch alle benutzten Produkte sofort vor dem Zugriff sichern.
- Schon beim Kauf auf kindersichere Verschlüsse und Warnhinweise auf der Verpackung achten.
- Um Verwechslungen zu vermeiden, Haushaltsmittel und Chemikalien immer in der Originalverpackung aufbewahren und nie umfüllen oder umpacken.
- Auch Medikamente sollten originalverpackt außerhalb der Reichweite von Kindern und unter Verschluss aufbewahrt werden. Arzneimittel, die für Erwachsene bestimmt sind, dürfen Kindern nicht verabreicht werden.
- Gefüllte Aschenbecher, Tabakwaren und Alkoholika nie unbeaufsichtigt stehen lassen.
- Da auch Pflanzen in Wohnung und Garten giftig sein können, sollte man sich darüber informieren. Beim Kauf neuer Pflanzen den botanischen Namen erfragen, um die Identifizierung zu erleichtern.


