Haarige Botschaften
Haare sind ein biologisches Phänomen: Im Grunde ist unsere Haarpracht, die für Bewunderung oder - bei Verlust - auch mal für Trauer sorgt, totes Zellmaterial. Hier aber sind viele Informationen gespeichert.Zum Frisieren benötigte Kaiserin Elisabeth von Österreich täglich mehrere Stunden. Folge: lebenslange Kopfschmerzen.
Verführung und Macht
Schon immer prägten sowohl Eitelkeiten als auch praktische Anforderungen die Moden der verschiedenen Epochen - so auch auf den Köpfen der Menschen. Unsere Haarpracht verbreitet sogar vielfältigste Botschaften: Gilt das lange Haar der Frau als verführerischer Inbegriff von Weiblichkeit, signalisiert das Haar des Mannes hingegen Führungsqualität, Macht und sexuelle Potenz.
Identität durch Abgrenzung
Eine Kulturgeschichte der Haarmoden ist zugleich eine Geschichte von Status und Identität, aber auch von Abgrenzung. Heutzutage werden zum Beispiel ehemals subkulturelle äußere Charakteristika von der Populärkultur aufgesogen und gesellschaftsfähig gemacht. Dadurch verlieren die Signale an Wirkung und Eindeutigkeit - soziale Differenzierung über Moden und Frisuren ist somit kaum noch möglich. Doch diese Differenzierung hat eine äußerst wichtige Funktion: Um sich eine Persönlichkeit zu schaffen, braucht der Mensch das Gefühl von Unverwechselbarkeit. Mit der Abgrenzung kann er jedoch gleichzeitig seine Einstellung zu einer bestimmten Gruppe oder Gesinnung manifestieren. Erst im Anderssein behauptet der Mensch seine Identität.
Mittel der Unterwerfung
Und das ist tief in der Geschichte der Sitten verankert: Bereits im antiken Griechenland sagte die Frisur etwas über den Status ihres Trägers aus: Langes Haar - das Symbol für Würde, Freiheit und Lebenskraft - behielt sich die herrschende Klasse vor. Dagegen demütigte sie Sklaven und Gefangene, indem sie ihnen die Köpfe kahl rasierte und so deren niedrige Stellung markierte. Jemandem das Haar zu nehmen und somit seine Identität zu zerstören, ist bis heute ein beliebtes Mittel der Unterwerfung. So gab es bei einigen Indianerstämmen den grausamen Brauch des Skalpierens besiegter Feinde, und die Tonsur der Mönche gilt als demütige Geste gegenüber Gott. In amerikanischen Gefängnissen und Militärcamps müssen sich Neuankömmlinge den Kopf scheren lassen - aus hygienischen, disziplinarischen und psychologischen Gründen.
Öffentliche Demütigung
Auch die öffentliche, gewaltvolle Zerstörung weiblicher Identität zieht sich durch alle Zeiten. So begründeten die "alten" Germanen die lange währende Tradition, eine des Ehebruchs beschuldigte Frau zu bestrafen, indem man ihr das lange Haar abschnitt. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Frankreich und in anderen europäischen Ländern Frauen, denen man ein intimes Verhältnis mit den deutschen Besatzern nachsagte, der Kopf rasiert - als öffentliche Demütigung.
Modebewusste Römer
Das Haar als Symbol für Würde und Freiheit, aber auch für Macht und Eitelkeit - in allen Kulturen hatte es eine besondere Bedeutung. Im Römischen Reich waren Haarmoden Markenzeichen des jeweiligen Herrschers und wechselten mit jedem neuen Mann an der Spitze des Staates. So lagen mal Locken im Trend, mal raspelkurze Haare. Auch Bärte kamen zwischenzeitlich in Mode: in der Tradition griechischer Philosophen und Feldherren sollten sie ihren Trägern einen intellektuellen Anstrich verleihen. Die reichen römischen Bürger bemühten sich, jede aktuelle Haarmode nachzuahmen, um so ihre Zugehörigkeit und Loyalität zur herrschenden Klasse zu demonstrieren...
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Infobox
Das menschliche Haar besteht aus Haarschaft, Haarwurzel und Haarzwiebel. Der Haarschaft ragt aus der Haut heraus, die Haarwurzel ist im so genannten Haarfollikel in der Haut verankert. Die Haarzwiebel, eine knollenartige Verdickung, gibt dem Haar Halt. Talgdrüsen an der Haarwurzel fetten das Haar. Muskeln und feine Nervenfasern umfassen jedes einzelne Haar. Deutlich wird das beim Phänomen der Gänsehaut: Die Nerven registrieren schon kleinste Berührungen, wie etwa einen leichten Luftzug, woraufhin sich die Muskeln zusammenziehen und das Haar aufrichten.
Medulla, Cortex und Cuticula heißen die drei Schichten, aus denen das Haar besteht: Erstere sind die Markzellen im Innern; als Cortex wird der Hauptbestandteil des Haares bezeichnet - die verhornten Faserzellen. Sie bestimmen Festigkeit und Elastizität des Haares. In dieser Schicht liegen auch die Farbpigmente. Diese werden Melanin genannt; sie entstehen durch die Umwandlung körpereigener Aminosäuren.
Die verschiedenen Haarfarben basieren auf dem Mischungsverhältnis zweier Melanintypen: Eumelanin (das Schwarz-Braun-Pigment) und Phaeomelanin (das Rot-Pigment, welches übrigens auch für blonde Haare verantwortlich ist). Graue Haare entstehen, wenn im zunehmenden Alter die Melaninproduktion nachlässt und die Pigmente durch Einlagerung von Luftbläschen im Haarschaft ersetzt werden. Außen schützt schließlich eine Schuppenschicht das Haar - sie ist durchsichtig, so dass die Farbpigmente durchschimmern können.
Haare finden sich fast überall am Körper, um ihn vor äußeren Einflüssen zu schützen: zum Beispiel vor Sonneneinstrahlung (Kopfhaare), dem Eindringen von Fremdkörpern (Augenbrauen und Wimpern) oder dem Einatmen von Schmutz (Haare in der Nase). Die Haarentwicklung beginnt in der frühen Schwangerschaft; etwa fünf Millionen Haarfollikel werden bereits vor der Geburt angelegt. Ob die Haare später glatt oder lockig, dick oder dünn, blond oder braun sind, ist zu diesem Zeitpunkt längst entschieden - weil genetisch bedingt.
Medulla, Cortex und Cuticula heißen die drei Schichten, aus denen das Haar besteht: Erstere sind die Markzellen im Innern; als Cortex wird der Hauptbestandteil des Haares bezeichnet - die verhornten Faserzellen. Sie bestimmen Festigkeit und Elastizität des Haares. In dieser Schicht liegen auch die Farbpigmente. Diese werden Melanin genannt; sie entstehen durch die Umwandlung körpereigener Aminosäuren.
Die verschiedenen Haarfarben basieren auf dem Mischungsverhältnis zweier Melanintypen: Eumelanin (das Schwarz-Braun-Pigment) und Phaeomelanin (das Rot-Pigment, welches übrigens auch für blonde Haare verantwortlich ist). Graue Haare entstehen, wenn im zunehmenden Alter die Melaninproduktion nachlässt und die Pigmente durch Einlagerung von Luftbläschen im Haarschaft ersetzt werden. Außen schützt schließlich eine Schuppenschicht das Haar - sie ist durchsichtig, so dass die Farbpigmente durchschimmern können.
Haare finden sich fast überall am Körper, um ihn vor äußeren Einflüssen zu schützen: zum Beispiel vor Sonneneinstrahlung (Kopfhaare), dem Eindringen von Fremdkörpern (Augenbrauen und Wimpern) oder dem Einatmen von Schmutz (Haare in der Nase). Die Haarentwicklung beginnt in der frühen Schwangerschaft; etwa fünf Millionen Haarfollikel werden bereits vor der Geburt angelegt. Ob die Haare später glatt oder lockig, dick oder dünn, blond oder braun sind, ist zu diesem Zeitpunkt längst entschieden - weil genetisch bedingt.



