Wenn das eigene Haar - wie bei Ludwig XIV. (1638 bis 1715) - nur wenig Würde ausstrahlt, ist eine künstliche Mähne der geeignete Ersatz.
Schein und Sein
In der Zeit des Barock ließen Männer sich die Haare wieder wachsen. Nur, nicht jeder konnte mit einer vollen Haarpracht aufwarten, die doch so wichtig als Ausdruck von Macht und Status war. Was also tun? Der französische König Ludwig XIII. machte es vor - er verbarg sein schütteres Eigenhaar unter einer hüftlangen Perücke. Bei seinem Nachfolger Ludwig XIV. wurde die sogenannte Allongeperücke gar zur psychologischen Komponente: Der um die Haarpracht vergrößerte Kopf repräsentierte Macht und Würde. Die "Löwenmähne" - welche den Perückenmachern tatsächlich als Vorbild diente - wurde zum Symbol.
Weg mit den alten Zöpfen
Auch bürgerliche Männer bevorzugten Ende des 18. Jahrhunderts die Lockenfrisur in Form aufwändiger Perücken mit Zöpfen. Doch das ging mit der Französischen Revolution bald wieder verloren. Im Bürgertum setzte sich mehr und mehr der praktische und bequeme Kurzhaarschnitt bei den Männern durch. Frauen galt jedoch noch bis ins Zwanzigste Jahrhundert hinein die kunstvoll aufgesteckte Frisur als Beleg für ihren gesellschaftlichen Status. Um 1920 fielen dann aber auch bei den ersten mutigen Frauen die alten Zöpfe. Zwar lösten die Kurzhaarschnitte als Zeichen der Gleichberechtigung heftige Diskussionen aus, wurden aber immer beliebter. In den Zwanziger Jahren bot sich bald eine einheitliche Haarmode: der Bubikopf. Egal welchen Alters oder welcher sozialen Schicht - die modische Frau trug nun kurzes, glatt gekämmtes Haar.
Kaum zu glauben, aber um das Jahr 1920 widersprach dieser Kurzhaarschnitt noch konservativen Moralvorstellungen.
Dieser emanzipatorische Akt war der erste in einer langen Reihe sich durch die Jahrzehnte ziehender Haar-Provokationen. Noch bevor in den fünfziger Jahren die Rock'n'Roller mit ihren Elvis-Tollen den Unmut von Eltern und Gesellschaft auslösten, probten Swing Kids in den 1930er Jahren den Aufstand gegen die spießbürgerliche Enge in Nazideutschland. Gänzlich unpolitisch motiviert, schufen sie durch ihre Vorliebe für den amerikanischen Lebensstil, Swingmusik und längere Haare eine Gegenkultur zum uniformierten Alltag der Hitler-Jugend.
Befreiung von Konventionen
Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten die Haarmoden alle paar Jahre - ein Schock folgte dem nächsten. Jugendliche kultivierten die Abgrenzung von gesellschaftlichen Konventionen und perfektionierten sie mit jeder neuen Generation. In den 1960er und 1970er Jahren sahen die Söhne plötzlich aus wie ihre eigenen Freundinnen. Sie demonstrierten damit Freiheit und Individualität - eben anders zu sein, als die anderen.
Katalog der Möglichkeiten
Eigentlich unterschieden sich aber auch die Punker der 1970er und 1980er Jahre in ihrer Einstellung kaum von den alten Griechen: Die Frisur war schon immer ein äußeres Zeichen für die Identifikation mit einer Gruppe oder Gesinnung - auch die ungewöhnlichste Haarmode schweißt ihre Träger zusammen. Wenn aber alle Differenzierungsmerkmale früher oder später von der Gesellschaft vereinnahmt und zu Trends gemacht werden - wo bleibt da die Originalität, die Identität des Einzelnen? Sind wir eigentlich noch Individualisten, wenn wir uns in dieser eben nur scheinbar individualisierten Welt nicht mehr voneinander abgrenzen können? Über Moden und äußere Erscheinungsbilder funktioniert das jedenfalls kaum noch. Jeder kann sich im Katalog der Möglichkeiten bedienen, und besonders Frisuren haben an Signalwirkung bezüglich gesellschaftlicher Differenzierung verloren. Aber vielleicht sind ja gesunde Zähne das Statussymbol der kommenden Jahre...
Ulrike Wolf (15.01.2004/aktualisiert 05.04.2009)
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Allein auf dem Kopf wachsen jeden Tag mehr als dreißig Meter Haar. Das ist das Ergebnis einer interessanten Rechnung: Bei durchschnittlich 100.000 Haaren, von denen jedes im Monat einen Zentimeter wächst, ergibt das pro Kopf ein monatliches Haarwachstum von 1.000 Metern.
Die Haarzwiebeln am Kopf sind besonders aktiv, sodass dort das Haar viel schneller wächst als an anderen Stellen der Haut - und auch länger wird. Ohne Schneiden erreichten Männer eine maximale Haarlänge von 40 bis 50 Zentimetern, Frauen sogar 70 bis 80 Zentimeter. Längen über einen Meter sind selten, da der natürliche Lebenszyklus des Haares dafür sorgt, dass es vorher ausfällt.
Ungefähr sieben Jahre umfasst die von mehreren Phasen gekennzeichnete Lebensspanne eines Haares: In der Wachstumsphase wächst das Haar in drei Tagen etwa einen Millimeter. Wachstumsgeschwindigkeit und -dauer sind genetisch festgelegt und variieren je nach Körperregion.
Nach dieser ersten Phase, die bei Männern etwa zwei bis vier Jahre und bei Frauen zwischen vier und sechs Jahren dauert, durchlebt das Haar eine kurze Übergangsphase von zwei bis vier Wochen, um dann in die Ruhephase überzugehen: nach weiteren drei bis vier Monaten fällt es schließlich aus und ein neues Haar wächst nach. Dieser Vorgang kann sich in jedem Haarfollikel bis zu zwölf Mal wiederholen. Auf diese Weise verliert der Mensch jeden Tag zwischen 60 und 100 Haare.
Die Haarzwiebeln am Kopf sind besonders aktiv, sodass dort das Haar viel schneller wächst als an anderen Stellen der Haut - und auch länger wird. Ohne Schneiden erreichten Männer eine maximale Haarlänge von 40 bis 50 Zentimetern, Frauen sogar 70 bis 80 Zentimeter. Längen über einen Meter sind selten, da der natürliche Lebenszyklus des Haares dafür sorgt, dass es vorher ausfällt.
Ungefähr sieben Jahre umfasst die von mehreren Phasen gekennzeichnete Lebensspanne eines Haares: In der Wachstumsphase wächst das Haar in drei Tagen etwa einen Millimeter. Wachstumsgeschwindigkeit und -dauer sind genetisch festgelegt und variieren je nach Körperregion.
Nach dieser ersten Phase, die bei Männern etwa zwei bis vier Jahre und bei Frauen zwischen vier und sechs Jahren dauert, durchlebt das Haar eine kurze Übergangsphase von zwei bis vier Wochen, um dann in die Ruhephase überzugehen: nach weiteren drei bis vier Monaten fällt es schließlich aus und ein neues Haar wächst nach. Dieser Vorgang kann sich in jedem Haarfollikel bis zu zwölf Mal wiederholen. Auf diese Weise verliert der Mensch jeden Tag zwischen 60 und 100 Haare.
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Ursprünglich sind Dreadlocks die natürliche Haartracht der Afrikaner. Deren krauses Haar wird, wenn sie es nicht schneiden und kämmen, automatisch zu Dreadlocks. Für viele afrikanische und auch asiatische Völker symbolisieren sie Heiligkeit. Medizinmänner und Schamanen tragen deshalb häufig Dreadlocks.
Als die Europäer Afrika eroberten, versuchten sie alles, um die Naturvölker ihrer Ursprünglichkeit zu berauben: Zum Zeichen der Unterwerfung schnitten sie ihnen die Haare ab. Seit dieser Zeit sind Dreadlocks Symbol für den Kampf gegen die Unterdrückung.
Große Bekanntheit erlangten sie aber erst durch die Religion der "Rastafaris": Diese glauben, ihr Führer Haile Selassie - eigentlich Tafari Makonnen - sei der wiedergeborene Jesus Christus. Bei der Krönung zum Kaiser von Äthiopien erhielt er 1930 den Titel Ras Tafari, das Haupt Tafari. So nennen sich auch seine Anhänger, für die Dreadlocks das äußere Erkennungszeichen ihrer Religion darstellen. Seit dem weltweiten Siegeszug der Reggaemusik sind Dreadlocks auch in anderen Kulturen salonfähig und finden sich in den verschiedensten Szenen.
Als die Europäer Afrika eroberten, versuchten sie alles, um die Naturvölker ihrer Ursprünglichkeit zu berauben: Zum Zeichen der Unterwerfung schnitten sie ihnen die Haare ab. Seit dieser Zeit sind Dreadlocks Symbol für den Kampf gegen die Unterdrückung.
Große Bekanntheit erlangten sie aber erst durch die Religion der "Rastafaris": Diese glauben, ihr Führer Haile Selassie - eigentlich Tafari Makonnen - sei der wiedergeborene Jesus Christus. Bei der Krönung zum Kaiser von Äthiopien erhielt er 1930 den Titel Ras Tafari, das Haupt Tafari. So nennen sich auch seine Anhänger, für die Dreadlocks das äußere Erkennungszeichen ihrer Religion darstellen. Seit dem weltweiten Siegeszug der Reggaemusik sind Dreadlocks auch in anderen Kulturen salonfähig und finden sich in den verschiedensten Szenen.



