Geächtet und geliebt
Heute hoch im Kurs, war das Tattoo vor nicht mal zwanzig Jahren noch verachtetes Stigma. Doch der bisweilen schmerzhafte Körperschmuck hat eine Jahrtausende alte Geschichte.Tätowierter Maori, um 1870.
Trendsetter Ötzi
Begonnen hat seine Geschichte schon vor zigtausend Jahren. Vermutlich entstanden die ersten Körperbemalungen zur selben Zeit wie die Höhlenmalerei. Bei Ausgrabungen fand man mehr als zehntausend Jahre alte Geräte, die als Tätowierungswerkzeuge gedient haben könnten. Die älteste bekannte Zeichnung prangt auf dem Körper des Steinzeitmenschen Ötzi. Untersuchungen haben allerdings ergeben, dass es sich hier wahrscheinlich nicht um Schmuck oder Erkennungszeichen handelt, sondern um Formen der Akupunktur. Die Linien liegen auf bekannten Punkten zur Heilung von Krankheiten, an denen Ötzi nachweisbar litt.
Tattooverbot in Europa
Auch anderswo lässt sich der Ursprung der Tätowiererei auf die Medizin zurückführen. Wunden wurden mit Extrakten behandelt, die später Färbungen hinterließen. Solche Erfahrungen führten dann zu beabsichtigten Motiven, die entweder rituellen Charakter hatten oder aber Kennzeichen einer Gruppe oder eines Standes waren. Während sich die Kunstform bei Völkern Amerikas und Afrikas entwickelte, wurde sie in Europa im Jahr 787 durch Papst Hadrian verboten. Erst dem Seefahrer James Cook ist es zu verdanken, dass das Tattoo in Europa wieder salonfähig wurde. Cook gab ihm auch seinen Namen: Das Wort Tattoo leitet sich aus dem polynesischen Tatau ab, dem "Zeichen". Von einer seiner Reisen, 1775, brachte Cook den tätowierten "wilden" tahitischen Prinzen Omai mit nach England. Bald wurden solche lebenden Gemälde zu Attraktionen im Zirkus und auf Jahrmärkten.
Boom in den Neunzigern
Vor allem Seeleute entwickelten immer mehr Geschick beim Stechen der Bilder, fortan breitete sich diese Sitte schnell im Milieu der Hafenstädte aus. Das brachte ihr den miesen Ruf ein, der bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts Bestand hatte. Von den Neunzigern an aber erlebte die Tattoobranche einen regelrechten Boom. Interessant: Nicht nur Seebären mögen den Körperschmuck, sondern immer mehr junge Frauen sind es, die sich tätowieren lassen.
Daniel Najock (01.04.2004)
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