Schöngeist und Siechtum
Franz Schubert, Heinrich Heine, Paul Gauguin - viele Berühmtheiten aus Kunst und Literatur litten an Syphilis. Trotz körperlichen Verfalls setzten sie zu kreativen Höhenflügen an. Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang?Franz Schubert (1797 bis 1828), rund drei Jahre vor seinem Tod. Dass er an Syphilis litt, wusste der Komponist da bereits. (Aquarell von Wilhelm August Rieder)
Erstmals 1495
Syphilis ist eine Infektionskrankheit, die durch sexuelle Kontakte übertragen wird. Erstmals wird der Begriff im Jahr 1530 in einem Gedicht eines veronesischen Arztes erwähnt, die Krankheit selbst ist jedoch älter: Die erste Syphilisepidemie verzeichneten Chronisten im Jahr 1495. Über dreihundert Jahre später infizierte sich auch Franz Schubert mit den Bakterien, die Syphilis auslösen.
Verfall und Schaffenskraft
Als er über der Symphonie Nr. 8 arbeitete, entdeckte der Komponist an seinem Körper erste Anzeichen der Krankheit. Zur damaligen Zeit galt Syphilis als unheilbar. Schubert wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Er stürzte sich in die Arbeit. In den Jahren nach der Infektion komponierte er einige seiner größten Werke: die Deutsche Messe, die Winterreise, den Schwanengesang, sowie unzählige Lieder und Stücke. Seine Kreativität schien durch die Krankheit gesteigert. Dem körperlichen Verfall stand ein Erstarken der geistigen Schaffenskraft gegenüber.
Im syphilitischen Fieberwahn
Damit war Schubert nicht allein. Die Liste berühmter Syphilitiker liest sich wie ein Who is Who der internationalen Schöngeister, der geistigen Elite: Keats, Schiller, Heine, Gauguin, Baudelaire, Dürer, Flaubert, Cellini, Poe, Goya, Schopenhauer, Toulouse-Lautrec - sie alle lebten mit der Krankheit. Beinahe scheint es, als sei Syphilis eine grundlegende Voraussetzung, um sich für den Olymp der Künstler zu qualifizieren. Unsterbliche Werke wurden im syphilitischen Fieberwahn geschaffen, Geschichte wurde geschrieben.
Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? Solche Fragen beschäftigten den Maler Paul Gauguin. (Ausschnitt eines Gemäldes von 1897)
Neben zahllosen Künstlern ist auch der Adel eng mit Syphilis verbunden: Katharina die Große, Heinrich VIII., Karl VIII. und Franz I. waren infiziert. Dies inspirierte den - ebenfalls syphilitischen - Humanisten Erasmus von Rotterdam zu der Bemerkung, ein Adliger ohne Syphilis sei entweder nicht sehr adelig oder kein richtiger Mann. Auch Voltaire scherzte über den Adel und die Syphilis: In Candide erdichtet er als Satire auf adlige Stammbäume eine lückenlose Syphilis-Infektionskette, die bis Kolumbus zurückreicht.
Dichtung oder Wahrheit?
Vor allem Krankheit und Kunst aber sind so untrennbar verwoben, dass Künstlern bisweilen sogar Syphilis angedichtet wurde: Oscar Wilde erschien mit seiner schillernden Persönlichkeit, seiner ausschweifenden Lebensart und seinem Dandytum geradezu als idealer Syphiliskandidat; Beweise, dass er unter Syphilis litt, gibt es jedoch nicht. Friedrich Nietzsche wurde ebenfalls Syphilis zugeschrieben, doch auch bei ihm ist nicht sicher, ob es sich um Dichtung oder Wahrheit handelt: Seit einigen Jahren herrscht die Meinung vor, Nietzsches Syphiliserkrankung sei nur ein bewusst gestreutes Gerücht gewesen, um den Philosophen und seine Anhänger zu diskreditieren...
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Syphilis...
ist eine Infektionskrankheit, die in Deutschland meldepflichtig ist. Der Hauptgrund für Infektionen sind sexuelle Kontakte, die Krankheit kann aber auch während der Schwangerschaft oder der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Auslöser sind Bakterien der Art Treponema pallidum, die in verletzte Schleimhäute eindringen.
Die Krankheit verläuft in drei Stadien: Nach einer etwa dreiwöchigen Inkubationsphase bilden sich in der ersten Phase an den Schleimhäuten am Infektionsort Geschwüre, Lymphknoten schwellen an. Nach drei bis sechs Wochen verschwinden diese Symptome in der Regel folgenlos. In der zweiten Phase kann es zu Ausschlägen und Schleimhautveränderungen im Mund- und Genitalbereich kommen, die Lymphknoten schwellen an, auch Fieber wird in dieser Phase häufig beobachtet. In der dritten Phase attackiert die Krankheit innere Organe und das Nervensystem. Diese Phase kann sich über Jahre oder gar Jahrzehnte erstrecken.
In allen Stadien ist Syphilis behandelbar. Als Therapie werden Penicillinspritzen eingesetzt, bei Allergien auch Antibiotika. Im Jahr 2006 haben sich in Deutschland etwa 3.150 Menschen mit Syphilis infiziert, die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der weltweiten Neuinfektionen auf rund zwölf Millionen.
ist eine Infektionskrankheit, die in Deutschland meldepflichtig ist. Der Hauptgrund für Infektionen sind sexuelle Kontakte, die Krankheit kann aber auch während der Schwangerschaft oder der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Auslöser sind Bakterien der Art Treponema pallidum, die in verletzte Schleimhäute eindringen.
Die Krankheit verläuft in drei Stadien: Nach einer etwa dreiwöchigen Inkubationsphase bilden sich in der ersten Phase an den Schleimhäuten am Infektionsort Geschwüre, Lymphknoten schwellen an. Nach drei bis sechs Wochen verschwinden diese Symptome in der Regel folgenlos. In der zweiten Phase kann es zu Ausschlägen und Schleimhautveränderungen im Mund- und Genitalbereich kommen, die Lymphknoten schwellen an, auch Fieber wird in dieser Phase häufig beobachtet. In der dritten Phase attackiert die Krankheit innere Organe und das Nervensystem. Diese Phase kann sich über Jahre oder gar Jahrzehnte erstrecken.
In allen Stadien ist Syphilis behandelbar. Als Therapie werden Penicillinspritzen eingesetzt, bei Allergien auch Antibiotika. Im Jahr 2006 haben sich in Deutschland etwa 3.150 Menschen mit Syphilis infiziert, die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der weltweiten Neuinfektionen auf rund zwölf Millionen.



