Der Wasser-Mann
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Sebastian Kneipp die Hydrotherapie, indem er sich des Jahrtausende alten Wissens um die Heilkraft des Wassers erinnerte.Der Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) ist Namensgeber der allgemein anerkannten und noch immer populären Kneipptherapie.
Zweifel an der Wirkung
Dabei haben sich manche der klassischen Naturheilverfahren - die teilweise auf Jahrtausende alten Erfahrungen basieren - durchaus als heil- und wirksam bewährt; einige finden sogar im Rahmen der Schulmedizin Anwendung, beispielsweise die Kneippkur. Doch die Prüfer der Stiftung Warentest bescheinigten selbst der allgemein anerkannten Kneipptherapie nur "Hinweise für die Wirkung spezieller Anwendungen". Die "Wirksamkeit als Gesamttherapie" aber bezweifelten sie - mit der Begründung, dass sie durch klinische Studien nicht belegt sei.
Hundertjährige Tradition
Mehr als 160.000 Mitglieder in Deutschlands 660 Kneipp-Vereinen, hinzu kommen noch ungezählte nicht-organisierte Anhänger des Heilverfahrens, sind dagegen sicher: Kneippen bewährt sich bei der Rehabilitation wie beim Vorbeugen von Krankheiten. Sie verweisen auf die über hundertjährige Tradition jener Therapieform, die ihren Namen einem Mann verdankt, der seinerzeit die Naturheilkunde revolutionierte.
Vorbild Antike
Dabei hat der bayrische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) nichts wirklich Neues entdeckt oder erfunden. Er besann sich vielmehr auf die wohltuende und heilende Wirkung des Wassers, wie sie den Menschen in der Antike bereits bekannt war: Als der junge Theologiestudent Kneipp im Jahr 1849 an Tuberkulose erkrankte, wollte er sich mit der Diagnose "unheilbar" nicht abfinden und begann, Bäder in der eiskalten Donau zu nehmen. Mittels Wasserkur genas er tatsächlich.
Kleinste Reize
Auf Basis dieser Erfahrung entwickelte Kneipp die so genannte Hydrotherapie. Dazu zählen Anwendungen wie Güsse, Bäder, Wickel, Auflagen und Packungen, die kalt, warm oder im Wechsel verabreicht werden, sowie das berühmt gewordene Wassertreten. Hinter all dem steckt der Gedanke, dass auch kleinste Reize größtmögliche Effekte erzielen können. Vor allem der thermische Reiz regt Durchblutung, Kreislauf, Herztätigkeit und Stoffwechsel an, stimuliert das Immunsystem und belebt den ganzen Körper.
Diverse Wasseranwendungen nach Kneipp in einer Abbildung von 1894.
"Verwerflich und schädlich"
Zwar unterscheide ihn seine Uneigennützigkeit und Menschenliebe von "Kurpfuschern gewöhnlichen Schlages", doch vom ärztlichen Standpunkt aus sei die Tätigkeit Kneipps zu verwerfen und für schädlich zu erachten, hieß es noch kurz nach Kneipps Tod in der Münchner Medizinischen Wochenschrift. So prophezeite der Autor des Nachrufs auch, dass die Kneippkur voraussichtlich bald von der Bildfläche verschwinden werde.
Begeisterte Reaktionen
Doch statt in Vergessenheit zu geraten, entwickelte sich das Kneippen schon bald zu einer regelrechten Bewegung: zunächst in Bad Wörishofen, wo Kneipp seit 1855 als Beichtvater eines Dominikanerinnenklosters wirkte, dann auch in anderen Kurorten in ganz Deutschland, deren Gäste begeistert auf die Hydrotherapie reagierten. Kneipps Bücher Meine Wasserkur (1886) und So sollt ihr leben! (1889) wurden zu Bestsellern; 1890 gründete der Verleger Ludwig Auer den ersten Kneipp-Verein, 1894 schlossen sich bekennende Kneippärzte zu einem internationalen Verband zusammen. Universitäten begannen, die Wasserheilkunde zu lehren und machten die Kneippsche Lehre europaweit bekannt.
Kein Argument
Bei aller Popularität müssen deren Anhänger heute aber noch immer gegen Vorwürfe kämpfen, wie sie schon zu Lebzeiten Kneipps laut wurden. Zwar ist die Wirkung der Kneippschen Lehre als Gesamttherapie bis heute wissenschaftlich nicht belegt - genauso wenig aber liefert das Fehlen solcher Studien einen Hinweis auf Untauglichkeit. Viele sehen im Prüfergebnis der Stiftung Warentest deshalb kein Argument gegen die Kneipptherapie, sondern vielmehr eine Kritik an der bisherigen Forschungspraxis.
Ulrike Wolf (16.05.2006)
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Beim Begriff Kneippkur denken die meisten wahrscheinlich zuerst an "Wassertreten" und "kalte Güsse". Tatsächlich aber entwickelte Sebastian Kneipp ein umfassendes Therapiekonzept, das die wichtigsten Grundlagen der Naturheilkunde aufgreift. Neben dem gezielten Einsatz von Wasser, Wärme, Kälte, Licht, Luft, Bewegung, Entspannung und ausgewogener Ernährung maß Kneipp einer strengen Lebensordnung - wie der "inneren Uhr" - besondere Bedeutung bei.
So dienen Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Bewegungs-, Ernährungs- und Ordnungstherapie gleichermaßen der Gesunderhaltung, der Heilung und der Abhärtung des Körpers. Je nach Beschwerden können die einzelnen Methoden ausgewählt und kombiniert werden.
So dienen Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), Bewegungs-, Ernährungs- und Ordnungstherapie gleichermaßen der Gesunderhaltung, der Heilung und der Abhärtung des Körpers. Je nach Beschwerden können die einzelnen Methoden ausgewählt und kombiniert werden.
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Kneippen für den Hausgebrauch ist gar nicht schwer. Viele Güsse lassen sich ganz einfach über der Badewanne ausführen. Die Temperatur der Güsse hängt dabei vom eigenen Wohlbefinden und vom individuellen Behandlungsziel ab.
Während heiße Güsse muskuläre Verspannungen lösen helfen, verbessern kalte Güsse die Durchblutung. Der Wasserstrahl sollte ohne Druck aus der Dusche über die betroffenen Körperstellen fließen. Zur Abhärtung gibt es aber auch so genannte Druckstrahlgüsse, die neben dem Temperaturreiz einen druckmechanischen Reiz auslösen.
Bei allen Güssen ist darauf zu achten, dass der Körper vor der Anwendung gut aufgewärmt ist und im Anschluss durch Bewegung oder Bettruhe gewärmt wird.
Während heiße Güsse muskuläre Verspannungen lösen helfen, verbessern kalte Güsse die Durchblutung. Der Wasserstrahl sollte ohne Druck aus der Dusche über die betroffenen Körperstellen fließen. Zur Abhärtung gibt es aber auch so genannte Druckstrahlgüsse, die neben dem Temperaturreiz einen druckmechanischen Reiz auslösen.
Bei allen Güssen ist darauf zu achten, dass der Körper vor der Anwendung gut aufgewärmt ist und im Anschluss durch Bewegung oder Bettruhe gewärmt wird.
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Nach Ansicht Kneipps unterstützen Heilpflanzen die Wasseranwendungen. Seine Lehre von der heilenden Kraft ausgesuchter Kräuter und anderer Pflanzen beruht auf Jahrtausende alten Erfahrungen. Inzwischen ist die Wirkung vieler Arzneipflanzen wissenschaftlich nachgewiesen. Sie finden sich heute unter anderem in Tees, Salben, Badezusätzen und Säften. Und auf zahlreichen pharmazeutischen und kosmetischen Produkten prangt der Name Kneipp. Will sich da etwa jemand mit fremden Federn schmücken?
Mitnichten: Bereits 1891 schloss der Pfarrer Sebastian Kneipp Verträge mit dem Würzburger Apotheker Leonard Oberhäußer und erlaubte ihm, "unter dem Namen und dem Bilde des Herrn Pfarrer" Produkte zu entwickeln und zu verkaufen - zunächst in der eigenen Kneipp-Apotheke. Später belieferte die so genannte Kneipp-Mittel-Zentrale auch andere Apotheken.
Heute steckt hinter der Marke Kneipp ein internationales Unternehmen, dessen Produkte - gemäß dem allgemeinen Wellness-Trend - auch in vielen Drogerien und Supermärkten zu finden sind.
Mitnichten: Bereits 1891 schloss der Pfarrer Sebastian Kneipp Verträge mit dem Würzburger Apotheker Leonard Oberhäußer und erlaubte ihm, "unter dem Namen und dem Bilde des Herrn Pfarrer" Produkte zu entwickeln und zu verkaufen - zunächst in der eigenen Kneipp-Apotheke. Später belieferte die so genannte Kneipp-Mittel-Zentrale auch andere Apotheken.
Heute steckt hinter der Marke Kneipp ein internationales Unternehmen, dessen Produkte - gemäß dem allgemeinen Wellness-Trend - auch in vielen Drogerien und Supermärkten zu finden sind.



