Siegeszug der Sauberkeit
Wer rein und gepflegt sein will, benutzt Seife: der "Saubermacher" wurde im Zuge der "hygienischen Revolution" Mitte des 19. Jahrhunderts zum unverzichtbaren Utensil in den Badezimmern.Ladies Home, so hieß die Zeitschrift, aus der diese Werbung von 1922 stammt: mit Seife schön für den großen Tag.
Zwang zur Reinlichkeit
Ist das der Grund, weshalb wir unserem Körper eine so intensive Aufmerksamkeit zuteil werden lassen? In seinem Buch Der Prozess der Zivilisation beschreibt der Soziologe Norbert Elias den wachsenden Einfluss der Zivilisation auf die Körperpflege, die im Laufe der Geschichte einen immer größeren Raum einnahm. Seiner Meinung nach ist die regelmäßige Säuberung durch Wasser und Seife in unserer Gesellschaft nichts anderes als eine Zwangshandlung, "uns angezüchtet durch die Art unserer Konditionierung und durch rationale Gründe in unserem Bewusstsein verfestigt."
Mittelalterliche Waschgepflogenheiten
Unser Sauberkeitsverhalten ist also nicht angeboren, sondern wird über Erziehung und Sozialisation vermittelt und ist daher einem ständigen Wandel unterworfen. Was vor zweihundert Jahren noch als sauber und rein galt, erfüllt heute nicht einmal minimale Hygieneanforderungen. Zu Unrecht rümpfen wir aber die Nase, hören wir von mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Waschgepflogenheiten, haben diese doch den Reinlichkeitsvorstellungen ihrer Zeit vollauf entsprochen. Die Menschen im Mittelalter wuschen nur die unmittelbar sichtbaren Körperteile, nicht aber jene, die den urteilenden Blicken ihrer Mitmenschen verborgen blieben. Es gab zwar Badehäuser, doch waren diese weniger Hygieneanstalt als vielmehr Taverne, Spielhölle und Bordell.
Badehaus im 15. Jahrhundert: Bordell und Spielhölle.
Erst durch verheerende Pestepidemien im 14. Jahrhundert und den Ausbruch der Syphilis gerieten die Badehäuser in den Verdacht, Brutstätten von Seuchen zu sein. Einziger Ausweg schien der Verzicht auf Wasser - was allerdings keineswegs das Ende der Körperpflegekultur bedeutete: Waschen wurde durch die trockene Leibwäsche ersetzt. So gab es beispielsweise in Versailles kaum Bäder. Statt sich zu waschen, rieb sich der französische Adel den Körper mit trockenen Tüchern ab und wechselte mehrmals täglich das Hemd.
Mittel der sozialen Distinktion
Und wenn das nicht reichte, übertünchte Parfüm die unerwünschten Körpergerüche. Parfüm wurde zum Mittel der sozialen Distinktion, entlarvten doch starke Ausdünstungen und Mundgeruch den Menschen niederer Herkunft. Sich zu parfümieren hieß, sich zu waschen und damit sauber zu sein. Wasser erlebte erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Comeback, als Körperpflege auf ein völlig neues Fundament gestellt wurde. Sauberkeit war nicht länger das Streben nach Luxus, nach affektiertem Putz und Wohlgerüchen - der äußere Schein genügte nicht mehr. Dem Körper selbst, vor allem den verborgenen, den intimen Stellen, wurde nun eine größere Aufmerksamkeit zuteil...
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Infobox
Die ersten Parfüme...
wurden schon vor 7.000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Mit aromatischen Ölen, Salben und Räucherharzen ehrten die Menschen die Götter und salbten ihre Toten. Doch schon in der ägyptischen Oberschicht dienten luxuriöse Düfte der Körperpflege.
Mit den Phöniziern kamen duftende Essenzen nach Asien, Afrika und bis ans Mittelmeer. Aus dem Orient importierte man Aromastoffe und Weihrauch nach Europa. Venedig und Grasse, das Herz der französischen Parfümkunst, entwickelten sich zu den wichtigsten Handelszentren.
Bis zur Aufklärung diente Parfüm als Schutz vor Krankheiten und als wichtigstes Mittel, Körpergeruch mangels Hygiene zu überdecken. Doch dann wandelte sich die Einstellung zum Parfüm, ein frischer Duft wurde zum Statussymbol - wobei sich immer wieder zarte Essenzen mit kräftigen, schweren Düften abwechselten. I
m Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und der Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde aus der Luxusware Parfüm ein Massenprodukt. Heute helfen nur noch teure Marketingkonzepte, in der Konkurrenz der vielen Düfte zu bestehen.
wurden schon vor 7.000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Mit aromatischen Ölen, Salben und Räucherharzen ehrten die Menschen die Götter und salbten ihre Toten. Doch schon in der ägyptischen Oberschicht dienten luxuriöse Düfte der Körperpflege.
Mit den Phöniziern kamen duftende Essenzen nach Asien, Afrika und bis ans Mittelmeer. Aus dem Orient importierte man Aromastoffe und Weihrauch nach Europa. Venedig und Grasse, das Herz der französischen Parfümkunst, entwickelten sich zu den wichtigsten Handelszentren.
Bis zur Aufklärung diente Parfüm als Schutz vor Krankheiten und als wichtigstes Mittel, Körpergeruch mangels Hygiene zu überdecken. Doch dann wandelte sich die Einstellung zum Parfüm, ein frischer Duft wurde zum Statussymbol - wobei sich immer wieder zarte Essenzen mit kräftigen, schweren Düften abwechselten. I
m Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und der Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde aus der Luxusware Parfüm ein Massenprodukt. Heute helfen nur noch teure Marketingkonzepte, in der Konkurrenz der vielen Düfte zu bestehen.




