Ohrenbetäubend
Immer mehr Menschen fühlen sich vom Lärm nicht nur belästigt, nein, der hohe Geräuschpegel, der uns täglich umgibt, ist auch eine Gefahr für die Gesundheit. Unmittelbare Folgen: Schwerhörigkeit, Hörsturz, Tinnitus.Bei diesem Zeichen heißt es: Achtung! Ab 85 Dezibel Lautstärke ist ein Gehörschutz angesagt.
Lärm macht krank
Unter den nervtötenden und quälenden Phantomgeräuschen leidet bereits ein Zehntel der deutschen Bevölkerung. Tinnitus zählt neben Hörsturz und Lärmschwerhörigkeit zu den am häufigsten auftretenden und gleichzeitig folgenschwersten lärmbedingten Gehörschäden. Mediziner sprechen schon von einer Volkskrankheit, kommen doch jährlich mehrere Tausend neue Fälle hinzu. Und nicht nur das Gehör ist bedroht: Dauernde Lärmbelästigung, ein beständig hoher Geräuschpegel wird zum Risikofaktor für die Gesundheit, mit körperlichen, psychischen und sozialen Folgen: Stress, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Konzentrationsmangel, Schlafstörungen bis hin zu seelischen Erkrankungen. Lärm ist nicht nur lästig, Lärm macht krank.
Gerade hörbar bis schmerzhaft
Was ist Lärm? Der Gesetzgeber definiert ihn als schädigenden und störenden Schall. Während ein Begriff wie störend einer subjektiven Bewertung unterliegt, ist Schall ein objektiv erfassbares physikalisches Ereignis. Um die subjektive Wahrnehmung "Lärm" objektivieren zu können, wird der Schalldruck von Geräuschen gemessen und in eine Dezibel-Skala umgerechnet. Dabei reicht die Skala von "gerade hörbar" (Uhrenticken, zwischen 10 und 20 Dezibel) bis "schmerzhaft" (eine Explosion, zwischen 140 und 160 Dezibel).
So laut wie eine Autobahn und trotzdem kein Lärm: das Rauschen eines Wildbachs.
Die Schmerzgrenze des Menschen liegt bei ungefähr 130 bis 150 Dezibel. Doch als Lärm werden im Sprachgebrauch bereits jene Schallereignisse bezeichnet, die eine bestimmte Lautstärke erreichen und damit das Wohlbefinden stören - wobei jeder von uns eine eigene Schallgrenze hat. Folglich ist Lärm eine ganz individuelle Angelegenheit, abhängig von der eigenen Empfindlichkeit und der inneren Einstellung dazu, was als Lärm wahrgenommen wird. Da jeder Mensch über ein subjektives Hörempfinden verfügt, werden spezielle Laute aus verschiedenen Schallquellen bei gleicher Lautstärke nicht als gleich störend angesehen: Das Rauschen eines Gebirgsbachs ist physikalisch genauso laut wie das Rauschen der nahe gelegenen Autobahn - aber bei weitem nicht so unangenehm. Andererseits bringt schon ein tropfender Wasserhahn so manchen zur Verzweiflung.
Umweltproblem Nummer eins
Ob Verkehrslärm, Fluglärm, Fabriklärm oder Schienenlärm - täglich sind wir von einer Vielfalt von unterschiedlichen Geräuschen umgeben. Man kann dem Lärm im Grunde nicht entkommen - für viele ist er deshalb Umweltproblem Nummer eins. Zwischen 1976 und 1991 hat sich der Lärmpegel deutscher Städte auf durchschnittlich sechzig Dezibel verdoppelt, eine Entwicklung, die sich neuesten Untersuchungen zufolge weiter fortsetzen wird. Sinnvolle Lärmquellen, wie beispielsweise Sirenen, müssen um ein Vielfaches lauter sein als noch vor hundert Jahren, um sich auf dem Hintergrund des allgemein gestiegenen Lautstärkepegels bemerkbar zu machen.
Leiser, aber zahlreicher
Zwar flossen Hunderte Millionen Euro in die Lärmsanierung deutscher Autobahnen, Bundesstraßen und Schienennetze, die Industrie entwickelte geräuscharme Reifen und leisere, moderne Flugzeugtriebwerke. Dennoch: Alle Bemühungen, den allgemeinen Lärmpegel zu senken, laufen ins Leere, denn immer mehr Autos und Flugzeuge machen jeden Fortschritt in kürzester Zeit wieder wett...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Ohren | ![]() |
Infobox
Der Begriff Tinnitus...
leitet sich ab vom lateinischen Wort tinnire (klingeln). Es wird in zwei Formen unterschieden: Beim objektiven Tinnitus sind die Ohrgeräusche von anderen hörbar, zum Beispiel durch das Stethoskop des Arztes. Die Geräusche stammen von Körperschallquellen in der Nähe des Innenohrs. Diese Form lässt sich operativ oder medikamentös behandeln.
Anders dagegen beim subjektiven Tinnitus: Er entsteht durch falsche Informationsbildung im Hörsystem und ist nur vom Betroffenen wahrnehmbar. Ausgelöst werden die Phantomgeräusche im Innenohr, im Hörnerv oder im Gehirn. Doch auch Hörsturz sowie akuter oder chronischer Lärmschaden können Auslöser sein.
Neben der psychischen Belastung beeinträchtigt die ungewollte Konzentration auf die Geräusche oft auch die anderen Sinne des Patienten, er kann nicht mehr richtig fühlen, riechen oder schmecken. Entspannungsübungen können helfen, das Pfeifen im Ohr in den Hintergrund treten zu lassen und somit die volle sinnliche Wahrnehmung wieder zu stärken.
leitet sich ab vom lateinischen Wort tinnire (klingeln). Es wird in zwei Formen unterschieden: Beim objektiven Tinnitus sind die Ohrgeräusche von anderen hörbar, zum Beispiel durch das Stethoskop des Arztes. Die Geräusche stammen von Körperschallquellen in der Nähe des Innenohrs. Diese Form lässt sich operativ oder medikamentös behandeln.
Anders dagegen beim subjektiven Tinnitus: Er entsteht durch falsche Informationsbildung im Hörsystem und ist nur vom Betroffenen wahrnehmbar. Ausgelöst werden die Phantomgeräusche im Innenohr, im Hörnerv oder im Gehirn. Doch auch Hörsturz sowie akuter oder chronischer Lärmschaden können Auslöser sein.
Neben der psychischen Belastung beeinträchtigt die ungewollte Konzentration auf die Geräusche oft auch die anderen Sinne des Patienten, er kann nicht mehr richtig fühlen, riechen oder schmecken. Entspannungsübungen können helfen, das Pfeifen im Ohr in den Hintergrund treten zu lassen und somit die volle sinnliche Wahrnehmung wieder zu stärken.



