Nichtsehen trennt den Menschen von den Dingen. Nichthören trennt den Menschen von den Menschen.
Immanuel Kant
Missverstanden
Wer schlecht hört, versucht das oft zu vertuschen. Nun, zunächst gelingt das auch. Mit der Zeit aber werden Gespräche zur Schwerstarbeit - für den Betroffenen wie für sein Umfeld. Ein gefährlicher Teufelskreis entsteht.Hören ist für uns selbstverständlich. Wie unerlässlich allerdings ein intaktes Hörvermögen für den Alltag ist, wird den meisten erst dann bewusst, wenn das eigene Gehör nachlässt oder ganz verloren geht. Schätzungsweise 14 Millionen Deutsche leiden unter Schwerhörigkeit, etwa 80.000 sind gehörlos. Und nicht nur alte Menschen sind betroffen: Experten nehmen an, dass in Deutschland ein Drittel aller Zwanzigjährigen etwa 25 Dezibel leiser hört als gesunde Menschen.
"Hörst du schwer?"
Das Spektrum der Schwerhörigkeitsgrade reicht von minimaler Einschränkung des Hörvermögens bis zu an Taubheit grenzenden Hörverlust. Und darin liegt das Problem: Viele Betroffene leugnen jene Art der körperlichen Beeinträchtigung selbst dann noch, wenn die Kommunikation schon zur Schwerstarbeit geworden ist oder das Umfeld immer öfter fragt "Sag mal, hörst du schwer?".
Unauffällig weiterleben
Nur etwa zwanzig Prozent all derer, die an Schwerhörigkeit leiden, besitzen ein Hörgerät. Anders als optische Sehhilfen, welche heutzutage sogar schon als Modeaccessoires dienen, stehen Hörhilfen für einen Makel. In unserer Gesellschaft ist Schwerhörigkeit noch immer nicht akzeptiert; ein nachlassendes Gehör gilt als Anzeichen von Vergreisung, Begriffsstutzigkeit, sogar Dummheit. Kein Wunder, dass viele Schwerhörige versuchen, unauffällig, ohne Hörgerät, in der Welt der Hörenden weiterzuleben. Der physischen wie psychischen Folgen, welche das Verleugnen der unsichtbaren Behinderung nach sich zieht, sind sich die Betroffenen jedoch selten bewusst. Schwerhörigkeit ist nicht heilbar, und ohne medizinische Betreuung und Therapie wird sich ihr Zustand verschlimmern.
Schematische Darstellung vom Aufbau des menschlichen Ohres: Der Gehörsinn ist der sensibelste unserer fünf Sinne.
Das Gehirn eines jungen Menschen vermag den Hörverlust noch zu kompensieren, mit zunehmendem Alter aber baut das Gehör stetig ab, da die Nervenzellen ohne kontinuierliche Reizflutung verkümmern. Der im Ohr ankommende Schall wird irgendwann zum Klangbrei, dessen Sinn das Gehirn nicht mehr entziffern kann. So entstehende Missverständnisse lassen das Umfeld der Betroffenen nicht selten - zu Unrecht - an deren Verstand zweifeln.
Geringschätzung und Ablehnung
Mit einer "so tun als ob"-Strategie reagieren Schwerhörige oft auf die problematische Situation. Allerdings machen sie damit die Sache - für sich selbst wie für ihr Umfeld - eher komplizierter: schlechte Erfahrungen, wie etwa Spott oder mangelndes Verständnis, lassen Hörgeschädigte künftig immer wieder Geringschätzung und Ablehnung seitens der Gesprächspartner erwarten; sie fühlen sich ausgegrenzt und glauben häufig, die Welt habe sich gegen sie verschworen...
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Das menschliche Hörfeld...
hängt vom für die Lautstärke maßgeblichen Schalldruck und der die Tonhöhe bestimmenden Frequenz ab. Um sehr tiefe und hohe Töne wahrnehmen zu können, ist ein höherer Schalldruck nötig als für Töne mittlerer Frequenzen. Die höchste Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs liegt zwischen 500 und 5.000 Hertz. Das ist die Frequenzspanne der menschlichen Sprache.
Das Gehör ist der sensibelste und differenzierteste unserer fünf Sinne. Doch wie wird aus Schall eigentlich Information? Über die Luft breitet sich der Schall wellenförmig aus. Erreichen die Schallwellen das menschliche Ohr, gelangen sie über den Hörkanal zum Trommelfell. Dort löst der Schalldruck Bewegungen aus, die auf die Gehörknöchelchen wirken, welche die Schallschwingungen zum Innenohr übertragen.
Hier werden sie um das rund Zwanzigfache verstärkt und anschließend an die Basilarmembran weitergegeben. Die mit der Membran verbundenen Haarzellen erzeugen bioelektrische Impulse und leiten sie an den Hörnerv weiter. Von dort aus gelangen sie ins Hörzentrum des Gehirns, wo aus den entschlüsselten Signalen schließlich Informationen werden.
hängt vom für die Lautstärke maßgeblichen Schalldruck und der die Tonhöhe bestimmenden Frequenz ab. Um sehr tiefe und hohe Töne wahrnehmen zu können, ist ein höherer Schalldruck nötig als für Töne mittlerer Frequenzen. Die höchste Empfindlichkeit des menschlichen Ohrs liegt zwischen 500 und 5.000 Hertz. Das ist die Frequenzspanne der menschlichen Sprache.
Das Gehör ist der sensibelste und differenzierteste unserer fünf Sinne. Doch wie wird aus Schall eigentlich Information? Über die Luft breitet sich der Schall wellenförmig aus. Erreichen die Schallwellen das menschliche Ohr, gelangen sie über den Hörkanal zum Trommelfell. Dort löst der Schalldruck Bewegungen aus, die auf die Gehörknöchelchen wirken, welche die Schallschwingungen zum Innenohr übertragen.
Hier werden sie um das rund Zwanzigfache verstärkt und anschließend an die Basilarmembran weitergegeben. Die mit der Membran verbundenen Haarzellen erzeugen bioelektrische Impulse und leiten sie an den Hörnerv weiter. Von dort aus gelangen sie ins Hörzentrum des Gehirns, wo aus den entschlüsselten Signalen schließlich Informationen werden.



