Kreuzprobleme
Eine ungeschickte Bewegung, Dauerstress oder das falsche Heben von schweren Gegenständen - und schon folgt die Strafe: Rückenbeschwerden! In Deutschland sind sie längst zum Volksleiden Nummer eins geworden.Starke, plötzlich einschießende Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, die Muskeln des unteren Rückens sind quälend verspannt, die Beweglichkeit stark eingeschränkt - das sind erste Anzeichen für einen Hexenschuss. Ähnlich schmerzhaft sind Bandscheibenvorfall oder Ischiasbeschwerden.
Rückenschmerzen - wer kennt sie nicht? In den Industrienationen treffen sie fast jeden Menschen mindestens einmal im Leben. Überwiegend, zu etwa fünfundachtzig Prozent, sind Rückenschmerzen lokale, unspezifische Beschwerden ohne jedwede konkrete organische Ursache.
Teures Volksleiden
Probleme mit dem Rücken stellen mit Abstand das teuerste Volksleiden dar. Auf geschätzte fünfundzwanzig Milliarden Euro jährlich belaufen sich Behandlungs- und Folgekosten allein in Deutschland. Hinzu kommen noch die Kosten für Arbeitsausfälle: Rückenschmerzen sind der häufigste Grund für Krankschreibungen.
Eigentlich ist unser Rücken ja ein feinmechanisches Wunderwerk der Natur: Denn die Wirbelsäule - nicht etwa eine ungelenke Säule, sondern eine bewegliche Gliederkette - ist das zentrale Halte- und Bewegungsorgan des Rückens. Sie trägt und stützt einen großen Teil des Körpergewichts, ermöglicht die Beweglichkeit des Rumpfes, verbindet den Rumpf über gelenkige Verbindungen der Beckenregion und des Schultergürtels mit den Gliedmaßen und trägt den Kopf.
Stabilität durch Wirbel
Die Wirbelsäule besteht aus 24 beweglichen und neun bis zehn starren Wirbeln. Bewegliche Wirbel sind durch Bandscheiben, Wirbelgelenke und Bänder miteinander verbunden. Sieben Halswirbel halten den Kopf und ermöglichen Menschen, ihn zu drehen, seitlich, nach hinten und vorn zu neigen. Zwölf Brustwirbel formen gemeinsam mit den Rippen den knöchernen Brustkorb, der Herz und Atemorgane schützt.
Durch die fünf Lendenwirbel kann der Mensch seinen Oberkörper in verschiedene Richtungen beugen und drehen. Die miteinander verwachsenen fünf Kreuzbeinwirbel verankern die Wirbelsäule mit dem Darmbein im Becken. Keine Funktion mehr haben die vier bis fünf Steißbeinwirbel. Während also Wirbel hauptsächlich für Stabilität sorgen, wirken Bandscheiben vor allem wie Stoßdämpfer. Sie bestehen aus einem äußeren, straffen Faserring und einem weichen, gallertartigen Kern. Dieser sorgt für die Pufferwirkung - Erschütterungen, zum Beispiel beim Springen, werden abgefedert, einseitige Belastungen ausgeglichen.
Viele Schulkinder tragen ihre kiloschweren Rucksäcke nur mit einer Hand - statt auf dem Rücken. Die einseitige Belastung löst Verspannungen und Schmerzen aus.
Aber auch in sich selbst kann die Wirbelsäule beim Gehen entstehende Stöße abfangen. Im Profil ist erkennbar, dass die Wirbelsäule zweimal S-förmig gekrümmt ist. Am Hals ist sie nach vorn gebogen, im Brustbereich nach hinten, im Lendenbereich erneut nach vorn und Kreuz- und Steißbein zeigen wieder nach hinten.
Wesentliche Voraussetzung für einen gesunden Rücken ist eine kräftige Muskulatur. Die Rückenmuskulatur schafft das Gegengewicht zur Schwerkraft - ohne sie würde der Mensch, wegen des Gewichts von Brustkorb und Organen, nach vorn kippen.
Auto, Büro, Couch
Das harmonisch aufeinander abgestimmte Wunderwerk Rücken ist allerdings für die in unserer Zeit übliche sitzende Lebensweise nicht geeignet. Doch immer mehr Menschen verbringen ihren Tag hauptsächlich im Sitzen - abwechselnd im Büro, Auto und auf der Couch. Die daraus resultierende fehlende Bewegung lässt Muskeln verkümmern, Wirbelsäule und Rückenmuskulatur werden entweder zu wenig oder falsch belastet.
Deshalb kommt es zu Symptomen wie Nacken- und Schulterschmerzen, Nackensteife, Schwierigkeiten beim Bücken, Hexenschuss und Ischiasbeschwerden. Das heißt also: Rückenschmerzen sind keine Krankheit, sondern lediglich ein Symptom. Auch Stress, familiäre oder berufliche Probleme und seelische Belastungen können zu einer permanenten inneren Anspannung führen, die sich wiederum auf die Muskulatur überträgt.
Armer Nacken: Das tägliche Sitzen fordert seinen Tribut. Der Ausweg: ganz bewusst aufrecht sitzen und viel bewegen!
Damit Schmerzen im Rücken gar nicht erst auftreten, lautet das Zaubermittel Vorbeugung. Bei der Büroarbeit ist ein regelmäßiger Wechsel zwischen Sitzen und Stehen von Vorteil. Auch ein paar einfache Lockerungsübungen schaffen Abhilfe. Daheim wirken eine straff gepolsterte Matratze, die sich dem Rücken anpasst und ein stützendes Nackenkissen Verspannungen entgegen.
Ganzkörpersportarten wie Schwimmen, Skilanglauf und regelmäßige Gymnastik stärken Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Bewegung sollte schlicht so viel wie möglich in den Tagesablauf integriert werden - also statt dem Auto das Fahrrad nutzen oder zu Fuß gehen und eher Treppensteigen, als den Aufzug zu bemühen. Was einfach klingt, kostet im täglichen Leben oftmals größte Überwindung. Denn nach einem langen Tag im Büro sehnen sich viele einfach nur noch nach ihrer gemütlichen Couch...
Susanne Haldrich (aktualisiert 09.03.2012)
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Hexenschuss
Der Schuss einer Hexe tut höllisch weh! Wer sich schnell genug umdreht, kann vielleicht noch sehen, wie sie mit dem Besen davonfliegt... Der noch immer im Volksmund verwendete Begriff Hexenschuss ist in der Medizin als Lumbago bekannt - ein in Schüben auftretender Schmerz in der Lendengegend.
Was aber hat nun eine Hexe davon, dem einen oder anderen einen schmerzenden Rücken aufzubürden? Das Wort Hexenschuss ist eine Wortschöpfung aus dem 16. Jahrhundert. Im Volksglauben beruhte die Krankheit Lumbago auf dem Schuss einer Hexe. Diese Vorstellung scheint sehr alt zu sein, im Altenglischen (um 450 - 1000) gibt es die Begriffe haegtessan (Hexenschuss) und ylfagescot (Elbenschuss).
Schmerzen ohne erkennbare Ursache, etwa Zahnschmerzen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen oder eben plötzlich auftretende Rückenschmerzen deuteten die Menschen im Mittelalter als dämonisches Wirken. Gerade Hexen, angeblich im Bunde mit dem Teufel und deshalb ausgestattet mit magisch-schädigenden Kräften, wurden Ereignisse und Taten angelastet, die sich niemand erklären konnte.
Der Schuss einer Hexe tut höllisch weh! Wer sich schnell genug umdreht, kann vielleicht noch sehen, wie sie mit dem Besen davonfliegt... Der noch immer im Volksmund verwendete Begriff Hexenschuss ist in der Medizin als Lumbago bekannt - ein in Schüben auftretender Schmerz in der Lendengegend.
Was aber hat nun eine Hexe davon, dem einen oder anderen einen schmerzenden Rücken aufzubürden? Das Wort Hexenschuss ist eine Wortschöpfung aus dem 16. Jahrhundert. Im Volksglauben beruhte die Krankheit Lumbago auf dem Schuss einer Hexe. Diese Vorstellung scheint sehr alt zu sein, im Altenglischen (um 450 - 1000) gibt es die Begriffe haegtessan (Hexenschuss) und ylfagescot (Elbenschuss).
Schmerzen ohne erkennbare Ursache, etwa Zahnschmerzen, rheumatische Beschwerden, Kopfschmerzen oder eben plötzlich auftretende Rückenschmerzen deuteten die Menschen im Mittelalter als dämonisches Wirken. Gerade Hexen, angeblich im Bunde mit dem Teufel und deshalb ausgestattet mit magisch-schädigenden Kräften, wurden Ereignisse und Taten angelastet, die sich niemand erklären konnte.
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Raus aus dem Bett!
Absolute Bettruhe und Schonung lautete früher das Rezept gegen Rückenschmerzen. Doch der Königsweg in der Behandlung ist heute ein anderer: Akute Schmerzen werden gelindert, danach steht die dauerhafte Kräftigung des Rückens an erster Stelle.
Oft führen Verrenkungen der kleinen Wirbelgelenke, beispielsweise durch ungeschickte, plötzliche Bewegungen oder Fehlbelastungen zu schmerzhaften Verspannungen der Rückenmuskulatur. Das einst angeratene Schonen verstärkt die zugrundeliegende Fehlhaltung - ein Teufelskreis, der die Schmerzen nur verschlimmert. Deshalb ist Bewegung der geeignetste Behandlungsweg. Nicht hilflos leidend bekämpft man Rückenschmerzen, sondern aktiv durch Bewegung und Muskeltraining für die Wirbelsäule.
Wenn Bettruhe unumgänglich ist, sollte der Rückenpatient spätestens nach zwei Tagen wieder aufstehen. Ein leichtes Schmerzmittel kann mitunter helfen, wieder in Schwung zu kommen. Ziel ist, dass der Patient nach möglichst kurzer Zeit genauso fit oder gar in noch besserer körperlicher Verfassung ist als vor den Beschwerden.
Absolute Bettruhe und Schonung lautete früher das Rezept gegen Rückenschmerzen. Doch der Königsweg in der Behandlung ist heute ein anderer: Akute Schmerzen werden gelindert, danach steht die dauerhafte Kräftigung des Rückens an erster Stelle.
Oft führen Verrenkungen der kleinen Wirbelgelenke, beispielsweise durch ungeschickte, plötzliche Bewegungen oder Fehlbelastungen zu schmerzhaften Verspannungen der Rückenmuskulatur. Das einst angeratene Schonen verstärkt die zugrundeliegende Fehlhaltung - ein Teufelskreis, der die Schmerzen nur verschlimmert. Deshalb ist Bewegung der geeignetste Behandlungsweg. Nicht hilflos leidend bekämpft man Rückenschmerzen, sondern aktiv durch Bewegung und Muskeltraining für die Wirbelsäule.
Wenn Bettruhe unumgänglich ist, sollte der Rückenpatient spätestens nach zwei Tagen wieder aufstehen. Ein leichtes Schmerzmittel kann mitunter helfen, wieder in Schwung zu kommen. Ziel ist, dass der Patient nach möglichst kurzer Zeit genauso fit oder gar in noch besserer körperlicher Verfassung ist als vor den Beschwerden.



