Autsch!
Obwohl er richtig unangenehm sein kann, hat Schmerz doch eine wichtige Funktion: Er warnt uns vor größeren Gefahren. Selbst zur Gefahr wird Schmerz, wenn er chronisch auftritt.Kaum zu spüren sind die zarten Stiche: Akupunktur soll Schmerzen lindern helfen.
Komplexe Qual
Was aber ist Schmerz - ein einfaches Reiz-Reaktions-Schema oder möglicherweise nur das, was wir als solches empfinden? Schmerz zählt zu den quälendsten wie auch zu den komplexesten Empfindungen des Körpers. Viele Faktoren sind an seiner Wahrnehmung und Verarbeitung beteiligt: diverse Nerven, Gehirnbereiche, Botenstoffe, Proteine und sogar die Gene. Wie intensiv der Schmerz am Ende wird, das hängt von körperlichen, aber gleichfalls von zahlreichen emotionalen Faktoren ab.
Objektiv nicht beschreibbar
Ob Indianer nun weniger leiden als andere Menschen, sei dahingestellt. Fest steht jedoch, dass wir alle Schmerz unterschiedlich wahrnehmen und empfinden. Das ist denn auch das große Problem bei der Therapie von Schmerzpatienten: Zwar beruht die Wahrnehmung des Schmerzes überwiegend auf tatsächlichen physiologischen Vorgängen; doch es ist immer eine subjektive, gefühlsmäßige Empfindung, welche sich objektiv nicht beschreiben lässt.
Nozizeptoren
Wie kommt es nun zum Gefühl von Schmerz, beispielsweise bei einer Verletzung? Jeder Mensch besitzt verschieden empfindliche Schmerzsensoren, so genannte Nozizeptoren. Rund neunzig Prozent dieser Sinneszellen liegen in der Haut. Aber auch innere Organe verfügen darüber. Nozizeptoren reagieren auf Temperatur, Dehnung oder Druck und senden bei starker Reizung elektrische Impulse zum Rückenmark. Die werden von hier zum Gehirn weitergeleitet. Als wichtige Gefahrensignale haben solche Impulse Vorrang vor allen anderen Reizen. Über schnell leitende Nervenfasern - die A-Delta-Fasern - gelangen sie in der Geschwindigkeit von 14 Metern pro Sekunde zum Gehirn.
Vorfahrt für den Erstschmerz
Hier erzeugen sie den so genannten Erstschmerz: ein akuter, stechender Schmerz, der eine sofortige Reaktion auslöst - das Messer wird fallengelassen, die Hand von der heißen Herdplatte genommen. Dem Erstschmerz folgen - über langsam leitende C-Fasern - noch weitere, lang anhaltende Schmerzsignale. Sie erzeugen einen schwer lokalisierbaren, ausstrahlenden Schmerz, der auch dann noch spürbar ist, wenn der ursächliche Reiz schon gar nicht mehr existiert. Der Körper verfügt über ein schmerzhemmendes System, welches die individuelle Schmerzempfindung beeinflusst: So hilft der Ausstoß von Endorphinen dem Organismus, Schmerzen weniger intensiv zu erfahren und nach Verletzungen handlungsfähig zu bleiben...
Seite
1
| 2
Infobox
Kleine Stiche, große Wirkung
Schmerzen machen das Leben schwerer. Große Hoffnungen setzen Schmerzpatienten mittlerweile in die Akupunktur - eine Jahrtausende alte fernöstliche Methode. Nach altchinesischer Auffassung stellt Akupunktur die innere Harmonie des Körpers wieder her: Kleine Nadelstiche lösen Blockaden auf und bringen den Organismus ins Gleichgewicht.
Die Nadeln sind sehr fein - daher ist die Behandlung relativ schmerzfrei. Es gibt insgesamt 361 Akupunkturpunkte, die auf vierzehn verschiedenen Meridianen - auch Energiebahnen genannt - liegen und sich durch den ganzen Körper ziehen. Je nach Krankheitsbild wird die Akupunkturnadel entlang der betroffenen Meridiane gesetzt, welche dann bestimmte Organe und Nerven beeinflussen.
Auch wenn die Wirkungsweise noch immer nicht vollständig erforscht werden konnte, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Akupunktur inzwischen bei etwa einhundert Krankheiten - darunter Migräne, Asthma und chronische Rückenschmerzen.
Schmerzen machen das Leben schwerer. Große Hoffnungen setzen Schmerzpatienten mittlerweile in die Akupunktur - eine Jahrtausende alte fernöstliche Methode. Nach altchinesischer Auffassung stellt Akupunktur die innere Harmonie des Körpers wieder her: Kleine Nadelstiche lösen Blockaden auf und bringen den Organismus ins Gleichgewicht.
Die Nadeln sind sehr fein - daher ist die Behandlung relativ schmerzfrei. Es gibt insgesamt 361 Akupunkturpunkte, die auf vierzehn verschiedenen Meridianen - auch Energiebahnen genannt - liegen und sich durch den ganzen Körper ziehen. Je nach Krankheitsbild wird die Akupunkturnadel entlang der betroffenen Meridiane gesetzt, welche dann bestimmte Organe und Nerven beeinflussen.
Auch wenn die Wirkungsweise noch immer nicht vollständig erforscht werden konnte, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation Akupunktur inzwischen bei etwa einhundert Krankheiten - darunter Migräne, Asthma und chronische Rückenschmerzen.
Infobox
Borderline
Als unangenehm und verzichtbar erachten die meisten von uns Schmerzen. Doch es gibt Menschen, die sich immer wieder selbst Schmerzen zufügen: Sie verletzen sich mit Rasierklingen, Nadeln und Messern. Schätzungsweise achtzig Prozent der so genannten Ritzer leiden unter dem Borderline-Syndrom, einer extremen Identitätsstörung.
Ihr voraus gehen oft schwere seelische Beeinträchtigungen oder traumatische Erlebnisse in früher Kindheit. Der selbst zugefügte Schmerz soll den Betroffenen ein Gefühl der Lebendigkeit geben, sie sich wieder selbst spüren lassen. Der Körper wird zum Ausdruck innerer Konflikte, über den Schmerz lassen sich unerträgliche Gefühle verdrängen, Spannungen abbauen. Manchen dient die Selbstverletzung als Akt der Selbstbestimmung im fremdbestimmten Alltag: Die angebliche Schmerzunempfindlichkeit soll die eigene Stärke beweisen.
Als unangenehm und verzichtbar erachten die meisten von uns Schmerzen. Doch es gibt Menschen, die sich immer wieder selbst Schmerzen zufügen: Sie verletzen sich mit Rasierklingen, Nadeln und Messern. Schätzungsweise achtzig Prozent der so genannten Ritzer leiden unter dem Borderline-Syndrom, einer extremen Identitätsstörung.
Ihr voraus gehen oft schwere seelische Beeinträchtigungen oder traumatische Erlebnisse in früher Kindheit. Der selbst zugefügte Schmerz soll den Betroffenen ein Gefühl der Lebendigkeit geben, sie sich wieder selbst spüren lassen. Der Körper wird zum Ausdruck innerer Konflikte, über den Schmerz lassen sich unerträgliche Gefühle verdrängen, Spannungen abbauen. Manchen dient die Selbstverletzung als Akt der Selbstbestimmung im fremdbestimmten Alltag: Die angebliche Schmerzunempfindlichkeit soll die eigene Stärke beweisen.


