Nette Tricks
Sie schreiten über glühende Kohlen, tauchen ihre Hände in siedendes Wasser oder betten sich auf Hunderten von Nägeln: Fakire. Erstaunt fragt sich der Zuschauer: Kennen diese Männer tatsächlich keinen Schmerz?Indischer Fakir auf dem Nagelbrett: Absolute Körperbeherrschung gilt als Bedingung. (Fotografie: Indien, 1907)
Übersinnliche Kräfte?
Ist das nur fauler Zauber oder verfügen diese "Jahrmarktsheiligen" wirklich über außergewöhnliche Fähigkeiten? Die Praktiken der Fakire haben wenig mit Übersinnlichem zu tun: Meist basieren sie auf ganz profanen Gesetzmäßigkeiten. Beim Feuerlauf geht es von Natur aus relativ schmerzfrei zu: Die Strecke muss bloß zügig durchlaufen werden, damit keine Glut an den Füßen kleben bleibt. Autosuggestionen wie "ich gehe über kühles Moos", helfen außerdem weiter. Ähnlich ist das Prinzip beim Ölbad für die Hände.
Der Fakir und sein Nagelbrett
Zu den klassischen Accessoires des Fakirs gehört das Nagelbrett: Hier legt sich der Meister mit nacktem Rücken auf ein Brett, aus dem Hunderte Nägel ragen. Auf der Brust des Fakirs wird dann oft, als zusätzlicher Showeffekt, ein großer Stein zertrümmert - und wirklich übersteht der Akteur die scheinbar gefährliche Prozedur ohne jeglichen Kratzer.
Spröde Steine
Indien-Reisende des 19. Jahrhunderts zeigten sich von der Nummer noch beeindruckt - heute sollte die Schau eher müdes Lächeln verursachen. Realistisch betrachtet, verteilt sich der Druck des Körpers nämlich auf viele hundert Nägel. Wirklich in die Haut dringt daher keiner von ihnen. Der Stein besteht meist aus Gasbeton - und ist leicht zu zertrümmern. Die Energie des wuchtigen Hammerschlags wird von der spröden Steinmasse aufgefangen und nach außen geleitet. Lediglich wenige Kilogramm, die verbleibende Kraft des Schlages, bekommt der Fakir tatsächlich zu spüren.
Nervenkitzel für die Show
Eine besonders hohe Schmerzgrenze braucht man bei derart Praktiken also nicht zu haben - vor Selbstversuchen sei dennoch gewarnt: Fakire betonen, dass eine gute Konzentration wichtig sei und vor Verletzungen schütze. Ein reizvolles Showelement ist die angebliche Unempfindlichkeit gegen Schmerzen natürlich immer - ohne sie wäre der ganze Zauber reichlich trivial.
Julia Ziebell (30.09.2004)


