Fabrik und Kathedrale
Das Bauhaus - Schule und Ideenschmiede - gab tiefgreifende Impulse. Mit den Ansprüchen der Industrie konfrontiert, ebnete es den Weg zum modernen Design.Der Marxist und Künstler William Morris (1819 bis 1900) rief die Reformbewegung ins Leben, an die das Bauhaus anknüpfen sollte.
Wer immer Utopien schafft, geht aus von einem Unbehagen. Für das Bauhaus - und für seine Vorläufer im 19. Jahrhundert - ist es das Unbehagen am industriellen Produkt. Unüberbrückbar schien mit dem Beginn der Industrialisierung die Kluft zwischen der Kunst, dem "Geistigen", und dem materiellen Massenerzeugnis. Die Künstler selbst, längst in eine Nische gedrängt, standen abseits vom profanen "Gewerbe", also von Handwerk und Industrie.
Geschmacksverbildende Folgen
Im Heimatland der Industrialisierung, in England, regte sich rasch intellektueller Protest: Protest nicht nur gegen künstlerische Isolation, viel mehr gegen Massenkitsch, produziert vor allem für die Armen, und dessen geschmacksverbildende Folgen. Der Künstler, Philosoph - und wache soziale Beobachter - John Ruskin (1819 bis 1900) ist einer der ersten, der die schlechte Qualität und Form industriell hergestellter Produkte kritisiert.
Doch Ruskins "zurück ins Mittelalter", wo Zünfte noch in nicht entfremdeter Arbeit schöne Dinge erzeugten, deuteten schon seine Zeitgenossen als wenig fruchtbare Idee. Es blieb dem Ruskin-Schüler William Morris (1834 bis 1896) vorbehalten, am Anfang der großen Reformbewegung zu stehen, die im Bauhaus ihren Höhepunkt fand.
Walter Gropius (1883 bis 1969) formte als prominenter Architekt und Gründer des Bauhaus' den Geschmack der Zeit.
Ort der Kunst war den Reformern die Werkstatt, nicht mehr das Atelier. In Morris' Werkstätten etwa fertigten er und andere maschinenhassende Enthusiasten bald handwerklich aufwendige Güter: Stoffe, Teppiche, Glasmalereien, Gebrauchsgerät, Möbel. Der Künstler, bedroht vom Markt, sollte seine neue Rolle als Dekorateur der menschlichen Umwelt finden, geschmacklicher Verbildung - und eigenem sozialen Abstieg - so entgegen wirken.
Auf deutschem Gebiet, dessen Industrie am Ende des 19. Jahrhunderts nach britischem Vorbild ihren Höhenflug begann, lagen die Dinge, was Rekorde in puncto Hässlichkeit betraf, übrigens noch schlimmer. Auch deshalb schickte Preußens Regierung 1896 den "Geschmacksspion" Hermann Muthesius (1861 bis 1927) nach England. Zurück brachte der, Resultat sechsjährigen Aufenthalts, ein Reformprogramm für Kunstgewerbeschulen. Ehrlichkeit und Qualität bei der industriellen Verarbeitung des Materials, lautete das Motto des Muthesius-Kreises. Unter dem Namen Deutscher Werkbund begann dieser Kreis ab 1907 die Geschmäcker zu formen.
Ob arm oder reich
Verbunden mit dem Werkbund begegnen wir jenem Mann, der als Bauhaus-Gründer - und führender Kopf über mehr als ein Jahrzehnt - bekannt werden sollte: Walter Gropius. Mit Gropius (1883 bis 1969) kommt ein Aspekt in die Debatte, der bis dahin eher nebenher gelaufen war: Jedem Menschen, egal ob arm oder reich, soll Kunst im Alltag zugänglich sein. Es ist die Frage nach der allgemeinen, nicht elitären Gültigkeit von Kunst, die tief in das gesellschaftliche Geschehen greift...
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Infobox
Das internationale Bauhaus
Das Werk von Walter Gropius besteht vor allem aus Entwürfen für Wohngebäude, Bürohäuser und Schulen. Das Faguswerk in Alfeld, das Gebäude des Bauhauses und das Arbeitsamt in Dessau sind prominente Beispiele in Deutschland. Doch auch im Ausland, gerade in den USA, profilierte sich Gropius mit unterschiedlichen Projekten.
In England begann 1934 der Bauhausstil seinen Einfluss geltend zu machen. Zusammen mit der MARS-Gruppe (Modern Architectural Research Group) gestaltete Gropius zahlreiche Bauten. Maxwell Fry, ein britischer Architekt, gründete in diesem Jahr ein Büro mit dem deutschen Exilanten Gropius. Vor allem Schulen im County Cambridgeshire beruhen auf Gropius' Plänen. Die Volkshochschule in Impington Village sei hier genannt.
Ab 1938 waren die Vereinigten Staaten Schaffensstätte des Avantgardisten. Gropius baute den Pavillon für Pennsylvania zur Weltausstellung 1939, gestaltete in New York ein Juweliergeschäft und setzte seinen Entwurf für das MetLife-Gebäude an der Grand Central Station der Stadt um. Allein im Bundesstaat Massachusetts entstanden 23 Schulgebäude, an deren Planung Gropius innerhalb der Kollaboration TAC (The Architects Collaborative, Inc.) beteiligt war.
Mit Entwürfen machte sich Gropius weltweit einen Namen, doch in den USA und Deutschland gibt es die meisten Umsetzungen. In Berlin bildete die Gropiusstadt den Höhepunkt seines rationalen Siedlungsbaus: Billiger Wohnraum für möglichst viele Menschen war das Ziel. Heute kritisieren Städteplaner die dortigen Hochhäuser und Passagen als Bausünden und soziale Brennpunkte.
In England begann 1934 der Bauhausstil seinen Einfluss geltend zu machen. Zusammen mit der MARS-Gruppe (Modern Architectural Research Group) gestaltete Gropius zahlreiche Bauten. Maxwell Fry, ein britischer Architekt, gründete in diesem Jahr ein Büro mit dem deutschen Exilanten Gropius. Vor allem Schulen im County Cambridgeshire beruhen auf Gropius' Plänen. Die Volkshochschule in Impington Village sei hier genannt.
Ab 1938 waren die Vereinigten Staaten Schaffensstätte des Avantgardisten. Gropius baute den Pavillon für Pennsylvania zur Weltausstellung 1939, gestaltete in New York ein Juweliergeschäft und setzte seinen Entwurf für das MetLife-Gebäude an der Grand Central Station der Stadt um. Allein im Bundesstaat Massachusetts entstanden 23 Schulgebäude, an deren Planung Gropius innerhalb der Kollaboration TAC (The Architects Collaborative, Inc.) beteiligt war.
Mit Entwürfen machte sich Gropius weltweit einen Namen, doch in den USA und Deutschland gibt es die meisten Umsetzungen. In Berlin bildete die Gropiusstadt den Höhepunkt seines rationalen Siedlungsbaus: Billiger Wohnraum für möglichst viele Menschen war das Ziel. Heute kritisieren Städteplaner die dortigen Hochhäuser und Passagen als Bausünden und soziale Brennpunkte.




