Gesichtslose Schöpfer?
Die Semperoper trägt den Namen ihres Erbauers. Dagegen blieben die Schöpfer mittelalterlicher Kathedralen anonym. Bewunderung gebührte allein den Bauwerken.Am Anfang war das Wort - das Wort Gottes nämlich. Mit der Christianisierung Europas entstand auch erstmals eine einheitliche Kunstepoche. Sie umfasste den größten Teil des Kontinents und fand in einem neuen Baustil ihren deutlichsten Ausdruck. Die heidnischen Heiligtümer verschwanden - an ihre Stelle wurden nun christliche Kirchen gebaut. Hier sollte das Wort Gottes verkündet werden. Doch mehr noch: die Kirche selbst war Gottes Haus, Heiligtum und Wohnsitz der göttlichen Allmacht.
Machtfaktor Kirche
Der romanische Dom war nicht für Menschen konzipiert und gebaut. Die Bauleute - Steinmetze und Maler - sahen ihr Schaffen als Gottes-Dienst. Die Schöpfer traten hinter ihr Werk zurück. Zudem waren die romanischen Bauherren ausschließlich auf die Arbeitskraft ihrer Untertanen angewiesen. Angehörige aller Stände halfen in religiöser Begeisterung beim Bau. War die Romanik noch von einem unerschütterlichen Gottglauben geprägt, so sind für die nächsten Jahrhunderte aufkeimender Intellekt sowie erstarkender Individualismus und Fortschrittsglaube bestimmend. Doch trotz der zunehmenden Verstädterung Mitteleuropas behauptete die Kirche ihre Stellung als größter Machtfaktor - an materiellen wie auch an ideellen Kräften.
Verschiebung der Gewichte
Die Bischöfe waren weltliche und geistliche Machthaber; waren zugleich Feldherren und Politiker. Adel und Klerus durchdrangen sich gegenseitig, der Kaiser als Träger der weltlichen Macht war abhängig von der Treue und Loyalität seiner Fürsten. Wichtig war das Zusammenspiel der Kräfte. Was sich in der romanischen Architektur zuvor noch als Gleichgewicht ausdrückte, begann sich nun zu verschieben.
Marienkult und Scheiterhaufen
Die Zeit der Gotik war geprägt von der Sehnsucht der Menschen nach seelischem Halt, hervorgerufen auch durch eine starke innere Zerrissenheit. So fallen in diese Zeit beispielsweise das Massensterben durch die Pest, von den Menschen damals als Strafgericht Gottes angesehen, und die Inquisition. Diese fand im Marienkult einen paradoxen Höhepunkt: So vollendete Kathedralen wie Notre-Dame wurden der unbefleckten Jungfrau geweiht, während in ihrem Schatten unschuldige Frauen auf Scheiterhaufen den Tod fanden.
In Bezug auf seine Außenmaße übertraf der Kaiserdom in Speyer alle romanischen Bauten des Deutschen Reiches.
Doch fällt in diese widersprüchliche Zeit auch die Geburtsstunde der Stadt. Die gotische Kathedrale war stets ein städtischer Bau, sozusagen das Herz der Stadt. Nur große Städte mit einer sehr gut ausgebildeten Geldwirtschaft konnten sich solch ein riesiges und kostenintensives Bauvorhaben leisten.
Lohn für Arbeit
Während die romanischen Kirchen noch von Leibeigenen und Freiwilligen gebaut wurden, wirkten nun selbstständige Arbeitskräfte gegen Bezahlung. Bauarbeiter und Künstler brachten kein persönliches Opfer mehr, sondern verdienten sich so nun ihren Lebensunterhalt. Damit eine Kathedrale wie der Kölner Dom errichtet werden konnte, war eine große Zahl gut ausgebildeter Werkleute notwendig. Die Vielzahl der Arbeitskräfte und der sehr komplizierte Bauvorgang verlangten eine klare Regelung aller mit dem Bau einer Kathedrale zusammenhängenden Dinge. Wo er begonnen wurde, schlossen sich Bauleute, die keiner Zunft angehörten, zu einem Kollektiv mit eigener Ordnung - einer Bauhütte - zusammen...
Infobox
Meister Gerhard
Nur wenig weiß man über die Erbauer mittelalterlicher Kathedralen. Und wo Fakten fehlen, bietet sich ein idealer Nährboden für Sagen und Legenden. Wie die von Meister Gerhard, dem ersten Dombaumeister Kölns, und seiner Wette mit dem Teufel.
Dieser Meister war ein ehrgeiziger Mann. Eines Tages kam der Teufel zu ihm und bot ihm seine Hilfe an, doch er wies das Angebot stolz zurück. Da schlug ihm der Teufel eine Wette vor: Er werde eine Wasserleitung von der Eiffel bis unter den Dom bauen. Sollte ihm das gelingen, würde er die Seele Gerhards bekommen.
Überzeugt von der Unkenntnis des Teufels willigte der Meister ein. Doch der Teufel erschlich sich das Vertrauen seiner Frau, die ihm unwissentlich das Geheimnis für den Bau einer Wasserleitung verriet.
Eines Tages hörte Meister Gerhard Wasser rauschen. Da wusste er, dass er die Wette verloren hatte. "Wenn ich diesen Dom nicht vollenden kann, soll es auch niemand anderem gelingen!", rief er aus und stürzte sich in die Tiefe. Bis heute sind immer wieder Bauleute am Kölner Dom tätig.
Nur wenig weiß man über die Erbauer mittelalterlicher Kathedralen. Und wo Fakten fehlen, bietet sich ein idealer Nährboden für Sagen und Legenden. Wie die von Meister Gerhard, dem ersten Dombaumeister Kölns, und seiner Wette mit dem Teufel.
Dieser Meister war ein ehrgeiziger Mann. Eines Tages kam der Teufel zu ihm und bot ihm seine Hilfe an, doch er wies das Angebot stolz zurück. Da schlug ihm der Teufel eine Wette vor: Er werde eine Wasserleitung von der Eiffel bis unter den Dom bauen. Sollte ihm das gelingen, würde er die Seele Gerhards bekommen.
Überzeugt von der Unkenntnis des Teufels willigte der Meister ein. Doch der Teufel erschlich sich das Vertrauen seiner Frau, die ihm unwissentlich das Geheimnis für den Bau einer Wasserleitung verriet.
Eines Tages hörte Meister Gerhard Wasser rauschen. Da wusste er, dass er die Wette verloren hatte. "Wenn ich diesen Dom nicht vollenden kann, soll es auch niemand anderem gelingen!", rief er aus und stürzte sich in die Tiefe. Bis heute sind immer wieder Bauleute am Kölner Dom tätig.


