Unverschämt komisch
Clowns überschreiten Grenzen und machen immer das Gegenteil von dem, was von ihnen erwartet wird. In ihrem unbekümmerten Spiel ist ihre ganz spezielle Komik begründet. Jedoch, lächerlich machen sie sich dabei nie.Aufgesetzte Fröhlichkeit oder die Freiheit des Geistes und des Herzens. Was steckt hinter der Maske des Clowns?
Karikaturen der Zirkusstars
Gerade zum Karneval sind sie überall anzutreffen: die vor Fröhlichkeit überschäumenden Spaßmacher. Solch Kostümierung allein macht aber noch niemanden zum Clown. Was man da sieht, sind allenfalls Karikaturen der echten Varieté- und Zirkusstars. Indes stellt sich die Frage, warum gerade Clowns so beliebt sind, und wieso viele Menschen selbst einmal Clown sein wollen.
Auch die Fotografin Cindy Sherman ging dieser Frage nach und machte Menschen in Clownskostümen zum Motiv ihrer Bilder (Cindy Sherman: Clowns, Schirmer/Mosel 2004). Für Sherman bietet die Maske des Clowns die sicherste Möglichkeit für ein Individuum, seine Individualität zu verstecken. Aber geht es dem Clown wirklich darum, sich hinter seiner Maske zu verbergen? Sind es nicht eher die Masken des Alltags, hinter denen wir Schutz suchen und finden?
Angst ums Image
In einer Welt voller gesellschaftlicher Konventionen sind die meisten Menschen unentwegt bestrebt, sich angemessen zu verhalten, "vernünftig" zu handeln, sich anzupassen und damit ihr Image aufrecht zu erhalten. "Was könnten die anderen über mich denken?", wird für viele zur alles bestimmenden Frage. Allgegenwärtig ist häufig die Angst, sich zu blamieren, als nicht "normal" angesehen zu werden, zu versagen.
Kinder kennen solche Ängste kaum. Doch mit dem Prozess des Erwachsenwerdens weicht kindliche Unbekümmertheit oft dem Kleinmut, Naivität dem Vorurteil und Spontaneität der Scham. Diese Vorgänge macht uns nun der Clown bewusst: Er, dem Angst, Scham und Intoleranz völlig fremd sind, hebt unsere Alltags-Masken auf, spielt mit ihnen und führt sie so ad absurdum.
Das ewige Kind
Der Clown verkörpert das ewige Kind, unsere Sehnsucht nach Freiheit, nach dem Leben jenseits von Konventionen und der Alltagsroutine. So entspringt unser Lachen über seine Torheiten weniger der Häme; es ist ein befreiendes Lachen, weil der Clown zeigt, wie wir unseren Ängsten am besten begegnen können.
Sein unbekümmertes Vorgehen ist Ausdruck grenzenlosen Vertrauens, seine Neugier und sein Nicht-Wissen um die Konsequenzen seines Tuns immunisieren ihn gegen die Angst. Wie ein Kind sieht der Clown alles zum ersten Mal.
Der Clown kennt keine Zweifel, bei ihm triumphieren Lebensmut und Lebenslust. Sein offener Blick verrät fassungsloses Staunen und ist durch keinerlei wertenden Gedanken getrübt. Unschuldig, gespannt und ohne Vorurteile schaut er dem - meist selbst geschaffenen - Chaos geradewegs ins Auge. Der Clown tut das, wovor viele Angst haben: Er gibt sich hin, er stolpert, er blamiert sich, er versagt - und das alles mit selbstüberzeugtem Lachen im Gesicht. Scheitern als Hochgenuss!
Lachen statt wachsen
Indem er andere mit seinem Lachen ansteckt, erhält sich der Clown seine Würde: Er kann noch so viel fallen - ein Clown wird immer wieder aufstehen, über sein "Missgeschick" lachen und nie an seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten verzweifeln. Allerdings wird er auch nie aus seinen Erfahrungen lernen. Er bleibt eben Kind, wird nicht erwachsen und damit "vernünftig". Alles am Clown ist authentisch, unmittelbar; er bleibt sich treu, entfremdet sich nicht.
Im Clown vereinen sich Freud und Leid, Größe und Schwäche des Menschen. Seine Sorglosigkeit und die ursprüngliche, lebendige Natur ermöglichen ihm ein Sein jenseits aller Konventionen. Clownsein heißt eben nicht, sich hinter einer Maske zu verstecken - es heißt, sich von den Zwängen der Vernunft zu befreien. Doch schon der berühmte Charlie Rivel erkannte, dass zwar in jedem Menschen ein Clown stecke, aber "nur die wenigsten haben den Mut, dies auch zu zeigen!"
Ulrike Wolf (10.05.2005)
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Die Figur des Clowns...
hat ihre Wurzeln im Elisabethanischen Theater im England des 16. Jahrhunderts, unter anderem in einigen Tragödien Shakespeares als komisches Intermezzo oder, um das ernste Pathos der Heldenfiguren zu kontrastieren. Im übrigen Europa wandelte sich der törichte Hanswurst zum Arlecchino der italienischen Commedia dell'arte oder in Frankreich zum weißgeschminkten, nachdenklichen Pierrot.
Seit dem 18. Jahrhundert von der Theaterbühne in den Zirkus verbannt, wurde der Clown dort zum zentralen Bestandteil des Programms. Neue Typen entstanden: Dummer August, Weißclown sowie Akrobatik- und Musicalclown. Die Nummern beziehen ihren Witz meist aus der vorgeführten Torheit der Protagonisten im Kampf mit der Tücke des Objekts oder aus slapstickhaften Duellen.
hat ihre Wurzeln im Elisabethanischen Theater im England des 16. Jahrhunderts, unter anderem in einigen Tragödien Shakespeares als komisches Intermezzo oder, um das ernste Pathos der Heldenfiguren zu kontrastieren. Im übrigen Europa wandelte sich der törichte Hanswurst zum Arlecchino der italienischen Commedia dell'arte oder in Frankreich zum weißgeschminkten, nachdenklichen Pierrot.
Seit dem 18. Jahrhundert von der Theaterbühne in den Zirkus verbannt, wurde der Clown dort zum zentralen Bestandteil des Programms. Neue Typen entstanden: Dummer August, Weißclown sowie Akrobatik- und Musicalclown. Die Nummern beziehen ihren Witz meist aus der vorgeführten Torheit der Protagonisten im Kampf mit der Tücke des Objekts oder aus slapstickhaften Duellen.
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"Clown"
Noch heute herrscht Uneinigkeit über die Herkunft des Begriffs Clown. Auffallend ist jedoch die Ähnlichkeit der verschiedenen Herleitungen, trifft die Zuschreibung von Tölpelhaftigkeit doch besonders den wenig gebildeten Berufsstand des Bauern. Mit ihm teilt sich der Clown die unterprivilegierte Stellung, und beide müssen ihr Glück gegen Armut, Demütigung und die Ungerechtigkeit des Lebens behaupten.
Einige Quellen sehen die Entstehung des Begriffs im spätmittelalterlichen England. Dort soll er eine abfällige Bezeichnung für Menschen niederer Herkunft gewesen sein - ähnlich dem deutschen Tölpel oder Bauerntrampel. Später nannte man Schauspieler so, die sich auf der Bühne rüpelhaft benahmen.
Von dort aus sei Clown zum Oberbegriff für viele Narrengestalten, lustige Figuren und Spaßmacher geworden. Andere Quellen hingegen nennen einen viel späteren Zeitpunkt der Entstehung: So soll sich der Name Clown erst Mitte des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für die speziellen Manegenkomiker etabliert haben.
Vorbild war hier wohl die Figur Claude der Bauer, im Französischen Claude le colon. Aus einer Art Lautmischung von Claude und colon sind beide Worte wahrscheinlich erst zum Begriff claune und im Englischen dann zum Clown verschmolzen.
Noch heute herrscht Uneinigkeit über die Herkunft des Begriffs Clown. Auffallend ist jedoch die Ähnlichkeit der verschiedenen Herleitungen, trifft die Zuschreibung von Tölpelhaftigkeit doch besonders den wenig gebildeten Berufsstand des Bauern. Mit ihm teilt sich der Clown die unterprivilegierte Stellung, und beide müssen ihr Glück gegen Armut, Demütigung und die Ungerechtigkeit des Lebens behaupten.
Einige Quellen sehen die Entstehung des Begriffs im spätmittelalterlichen England. Dort soll er eine abfällige Bezeichnung für Menschen niederer Herkunft gewesen sein - ähnlich dem deutschen Tölpel oder Bauerntrampel. Später nannte man Schauspieler so, die sich auf der Bühne rüpelhaft benahmen.
Von dort aus sei Clown zum Oberbegriff für viele Narrengestalten, lustige Figuren und Spaßmacher geworden. Andere Quellen hingegen nennen einen viel späteren Zeitpunkt der Entstehung: So soll sich der Name Clown erst Mitte des 19. Jahrhunderts als Bezeichnung für die speziellen Manegenkomiker etabliert haben.
Vorbild war hier wohl die Figur Claude der Bauer, im Französischen Claude le colon. Aus einer Art Lautmischung von Claude und colon sind beide Worte wahrscheinlich erst zum Begriff claune und im Englischen dann zum Clown verschmolzen.
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Berühmte Clowns
Charlie Rivel (1896 bis 1983) gilt als Paradebeispiel eines Clowns. Dauernd scheiterte er an der "vernünftigen" Welt. Packte Clown Rivel etwas falsch an, drehte er es sich sogleich in seinem Sinne zurecht. Durch die Fähigkeit des Sich-Wunderns über Selbstverständliches und Alltägliches ließ er die Dinge in ganz neuem Licht erscheinen.
Grock (1880 bis 1959), in der Schweiz als Adrian Wettach geboren, war der Philosoph unter den Clowns. Seine Nummern waren eine Mischung aus Exzentrik- und Musicalclownerie - einmalig sein Geigenspiel während eines Saltos.
Oleg Popov ist nach eigener Aussage "Clown aus tiefstem Herzen". Der 1930 in Moskau geborene Russe bezaubert durch seinen naiven, sanften, poetischen Humor. Markenzeichen des Meisters der Situationskomik sind die karierte Ballonmütze über der gelben Perücke, ein kleines Stöckchen und nur wenige Tupfer Schminke im Gesicht.
Charlie Rivel (1896 bis 1983) gilt als Paradebeispiel eines Clowns. Dauernd scheiterte er an der "vernünftigen" Welt. Packte Clown Rivel etwas falsch an, drehte er es sich sogleich in seinem Sinne zurecht. Durch die Fähigkeit des Sich-Wunderns über Selbstverständliches und Alltägliches ließ er die Dinge in ganz neuem Licht erscheinen.
Grock (1880 bis 1959), in der Schweiz als Adrian Wettach geboren, war der Philosoph unter den Clowns. Seine Nummern waren eine Mischung aus Exzentrik- und Musicalclownerie - einmalig sein Geigenspiel während eines Saltos.
Oleg Popov ist nach eigener Aussage "Clown aus tiefstem Herzen". Der 1930 in Moskau geborene Russe bezaubert durch seinen naiven, sanften, poetischen Humor. Markenzeichen des Meisters der Situationskomik sind die karierte Ballonmütze über der gelben Perücke, ein kleines Stöckchen und nur wenige Tupfer Schminke im Gesicht.



