Der Genuss von Kaviar ist auch aus Sicht des Artenschutzes fragwürdig: Störe sind vom Aussterben bedroht.
Krone der Esskultur?
Die Vorlieben vieler Gourmets - die sich selbst ja so gern als Feingeister betrachten - tendieren nicht selten ins Inhumane, ins Dekadente: Leckerbissen, die eigentlich die Krone der Esskultur sein sollen, verdeutlichen vielmehr den Verfall der Kultur. Es ist also ein zweischneidiges Schwert: Was die Feinschmecker als delikat - köstlich - erachten, ist oft, auch im erweiterten Wortsinn, eine delikate Angelegenheit.
Bei lebendigem Leibe
So auch im Falle einer besonders zur Weihnachtszeit beliebten Delikatesse: Hummer. Das grausame Kochen bei lebendigem Leibe ist im Grunde, es klingt makaber, das erlösende Ende eines langen Leidenswegs. In europäischen Gewässern fast ausgerottet, stammen die Krustentiere heute überwiegend aus nordamerikanischen Zuchten. Nach dem Fang werden sie mit zusammengebundenen Scheren in enge Metallboxen verpackt und bleiben bis zum Transport, manchmal über Wochen, ohne Futter im Kühlhaus.
Genuss ohne Hemmung
Die anschließende Zubereitung entspricht der deutschen Tierschutz-Schlachtverordnung. Wie lange der Todeskampf der Tiere jedoch wirklich dauert - Köche sprechen vom sofortigen Eintreten des Todes, Tierschützer dagegen nennen Zeiten von fünf bis sieben Minuten -, kann niemand mit Gewissheit sagen - und auch nicht, ob und wie sehr die Hummer dabei leiden. Die Liste der Delikatessen, deren "Genuss" mit solch Qualen verbunden ist, ließe sich fortsetzen. Nun wird sich manch einer fragen, worin denn der Unterschied bestehe zwischen einem Schweineschnitzel und einem Hummer-"Festmahl". Die Antwort ist einfach: Häufig handelt es sich bei Delikatessen um unnötiges Tierleid für entbehrliche Gaumenkitzel. Der hemmungslose Genuss ist ein Genuss ohne Hemmung.
Ulrike Wolf (27.09.2004)
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Damit die Tiere ordentlich wachsen, bleibt nichts dem Zufall überlassen: Die Wasserqualität wird stets auf optimale Temperatur, pH-Wert und Sauerstoffgehalt untersucht. Auch Futter und Lichtverhältnisse müssen stimmen. Veterinäre kümmern sich später um die "Ernte". Die Rede ist von der Kaviar-Produktion in Zuchtanlagen. Die kleinen Eier des Störs zählen zu den beliebtesten und teuersten Delikatessen. Doch wird der Wild-Kaviar immer rarer. Im Kaspischen Meer - hier wurde bisher der größte Teil des Kaviars gewonnen - ist der Stör mittlerweile durch Überfischung und Umweltverschmutzung vom Aussterben bedroht. Die Zuchtanlagen scheinen da eine lohnende Alternative. Denn mit Kaviar ließ sich schon immer viel Geld verdienen. Und Tierschützer stehen den so genannten Aquakulturen ebenfalls positiv gegenüber - immerhin werden die Fische betäubt, bevor ihnen der Bauch aufgeschnitten wird, um die Eier zu entnehmen. Zwar nicht ganz so brutal wie die Methoden am Kaspischen Meer, aber bei weitem nicht harmlos: Nach der Ernte werden die Tiere wieder zugenäht - und müssen die Prozedur wohl noch sechs bis sieben Mal in ihrem Leben über sich ergehen lassen.


