Das Forum war wichtigster Ort der römischen Demokratie. (Kupferstich von Johann Sebastian Müller, 1715 bis 1765)
Lucullus
Bloß so in Luxus und Reichtum hineingeboren wurde er nicht, dieser Licius Licinius Lucullus: Als Konsul des Jahres 74 kommandierte der spätere Gourmet Legionen. Es ging gegen den pontischen König Mithridates, einen alten Feind Roms. Erfolgreich führte Lucullus den Feldzug, freilich auch für sich selbst: Hoher Staatsbeamter war der Mann vorher, Multimilliardär danach. Die Reichtümer des besiegten Landes lagen offen, der Konsul hatte großes Sammeltalent nach geltendem Brauch. Und er brachte, neben viel Geld, einen Kirschbaum von Kleinasien nach Rom.Kurz vor dem Ende
Keineswegs deshalb nun endete die politische Karriere abrupt. Schuld war auch Arroganz, dass Lucullus aufs Abstellgleis und ins Privatleben geriet: Die Legionen meuterten gegen ihren unbeliebten harten Chef, ein Konkurrent kam ans Ruder. Der, Pompejus, sollte später noch von sich reden machen. Da ging es schon bergab mit der römischen Republik, im blutigen Bürgerkrieg. Überhaupt, was war los mit dieser Republik, dem antiken Vorbild unserer Demokratie? Ums Siebenhundertvierzehnfache soll das Vermögen der Wohlhabenden im Schnitt die Mittel der Armen übertroffen haben, berechneten Historiker mit großer Akribie. Das gilt für die Zeit kurz vor dem Ende, kurz bevor die starken Männer kamen: Pompejus eben - und Julius Caesar.
Demokratie der Reichen
Roms Republik war eine Demokratie der Reichen. Ärmere Schichten, das oft arbeitslose Stadtvolk etwa, lebten vom Verkauf ihrer Wählerstimmen und von Getreidespenden der Politik. Zum Schluss ging zur Demokratie keiner mehr hin. Es war sinnlos, die Leute hatten andere Sorgen - und solche wie Lucullus andere Interessen: leckere Speisen, Gesellschaften, prachtvolle Häuser.
Unsterblicher Ruf
"Das Leben des Lucullus lässt sich mit einer alten Komödie vergleichen, zuerst Staats- und Kriegsbegebenheiten, hinterher aber Trinkgelage und Schmausen und alle Arten von Spielereien", wird der gelehrte Grieche Plutarch später notieren. Plutarch ist es wohl auch, der dem Lucullus einen unsterblichen Ruf für die Nachwelt verschaffte. Die Anekdoten sind ganz nett: Einmal, so schreibt Plutarch, habe Cicero, der berühmte demokratische Redner, den Genießer besuchen wollen. Persönlich bescheiden (oder auf sein Image bedacht), beharrte Cicero, dass Lucullus seinem Dienstpersonal den prominenten Gast nicht ankündigen dürfe. Nur, dessen Hinweis, das Dinner finde diesmal im luxuriösen Apollonsaal statt, genügte: Fünfzigtausend Sesterzen musste der Koch bei solcher Order in die Pfanne hauen...
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