Lucullus bringt den Kirschbaum nach Rom. (Französischer Stich von 1807)
Pracht und Verschwendung
Neureich ist hier wahrscheinlich das richtige Wort. So sieht es auch Plutarch, der von "außergewöhnlicher Pracht und Verschwendung" spricht, wie es "bei schnell erworbenem Reichtum" gewöhnlich der Fall sei. Doch, sein gewaltiges Vermögen nur in Speise und Trank umzusetzen, vermied Lucullus: Hängende Gärten über dem Tibertal gingen auf seine Rechnung, ebenso Meerwasserbecken am Golf von Neapel, darin leckere Fische.
Neureicher Lebemann
Mit Frauen aber, will es zumindest Plutarch wissen, hatte Lucullus trotz allem kein Glück: Die Clodia, seine erste Gemahlin, schlief lieber mit ihrem Bruder und diversen Gästen; die zweite war, abgesehen vom Inzest, auch nicht viel treuer. Fehlte dem neureichen Lebemann etwa doch der aristokratische Touch, die rechte Selbstverständlichkeit? Vielleicht war es auch nur Verdruss, den auszugleichen all das Teure und Leckere herangekarrt werden musste. Denn wessen Leben einer "alten Komödie" gleicht, der merkt das schließlich selber. Gewiss, sogar Komödianten haben manchmal Glück: Als Lucullus 56 v. Chr. starb, gerade einundsechzig, zogen zwar Wolken über die römische Republik, die große Endkatastrophe, der Bürgerkrieg, aber stand noch aus.
Was bleibt?
Im Zeitalter der Cäsaren dann prassten immer weniger Reiche auf Kosten immer größerer Mengen von Armen. Kaum zweihundert wirklich Begüterte soll es während der späteren Kaiserzeit noch gegeben haben - bei einer Einwohnerzahl des Reiches von fünfzig bis achtzig Millionen. Irgendwann kamen die Goten, und die Vandalen... Geschichte wiederholt sich nicht. Jedenfalls nicht in den Einzelheiten. Roms Republik ging unter; neue Republiken sah die Welt. Heute sind lukullische Genüsse eher Massenware. Was bleibt, außer verstaubten Kochrezepten, einer Legende und einer Lehre? Ach ja, der Kirschbaum, den Lucullus einst nach Europa verpflanzte.
Michael Schmittbetz (27.09.2004)
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