Soli deo gloria - nur zu Gottes Ruhm: so signierte Händel seine Werke.
Göttliche Inspiration?
Späteren Generationen war die Legende lieb und teuer, der Messias, Händels bekanntestes Werk, sei "göttlicher Inspiration" entsprungen. Tatsächlich ist auch dieses Oratorium Resultat sorgsamen Planens: William Cavendish, Vizekönig von Irland, hatte Händel im Namen von Wohltätigkeitsvereinen zur Oratoriumssaison 1742 nach Dublin geladen. "Die Aussicht auf ein neues Publikum, der gute Zweck, und das Angebot mehrerer Konzerte waren für Händel Anreiz genug, die Planung einer Reihe von Darbietungen in Angriff zu nehmen", schreibt Biograf Hogwood.
Aus dem Archiv
Das Archiv der Versatzstücke wurde geöffnet, manches sogar neu komponiert. Verwerflich ist dies nicht, ebenso wenig wie "politische Gesten" aus Opportunismus, die sich in Händels Stücken häufig finden. Es ist nur eben meilenweit vom romantischen Ideal des nur seinem Genie verpflichteten Künstlers entfernt. Das aber entstammt, wie der Name schon sagt, einer späteren Epoche. Der Mensch des Barock, weltläufig, meist sachlich, geschäftstüchtig und irdischem Glanz zugeneigt, hätte es für versponnen gehalten.
Händel als Vielfraß: Karikatur von Joseph Goupys, 1754.
Händel, der Opern-Manager, war Zeit seines Lebens umstritten. Die Glorifizierung setzte erst nach seinem Tode ein. Zu Lebzeiten scheint man Privates deshalb wohlweislich gehütet zu haben. Dann, im Begeisterungstaumel, war Verfängliches nicht mehr gefragt. Große Leidenschaften, ob zu Weib oder Mann - Fehlanzeige! Was bis in unsere Tage hinüberkam, sind Gerüchte: Da soll einerseits die hochgestellte Geliebte gewesen sein; da ist andererseits von homosexueller Orientierung die Rede. Nichts davon ist belegt.
Eitel und depressiv
Zeitgenossen unterstreichen Händels Eitelkeit und trockenen Humor. Auf geschäftliche Misserfolge reagierte er depressiv. 1754 veröffentlichte eine Londoner Gazette eine boshafte Karikatur: Händel, gezeichnet als Vielfraß, sitzt an der Orgel, umgeben von Flaschen und erlegtem Geflügel. "Seine Gestalt war die eines großen und sehr stattlichen Mannes", hielt Sir John Hawkins 1776 fest. Da war Händel schon anderthalb Jahrzehnte tot. "Sein Gang war immer schlendernd und recht schwerfällig, denn er wiegte sich dabei ein wenig wie ein Mann mit O-Beinen. Seine Gesichtszüge waren fein und sein Ausdruck im allgemeinen friedlich, er sprach von Würde und Wohlwollen und jeder Eigenschaft des Herzens, die Vertrauen und Hochschätzung weckt."
Mehr als 20.000 Pfund
Ab 1751 beginnt Händels Sehkraft zu schwinden; ab Mai 1752 ist er blind. Unverdrossen aber stellt der Komponist Teile alter Stücke zu neuen Werken zusammen, schreibt sogar neue Arien und überarbeitet älteres Material. Am Samstag, dem 14. April 1759, um 8 Uhr morgens, stirbt Georg Friedrich Händel. Beigesetzt wird er, wie von ihm gewünscht, in der Westminster Abbey. "Überall wurde betont, dass er bei seinem Tod über ein Vermögen von mehr als 20.000 Pfund verfügte", schreibt Hogwood. "Die vereinten Chöre der Chapel Royal, von St. Paul und Westminster sangen William Crofts Begräbnismesse. Es soll ihm ein Denkmal errichtet werden, das seine Werke zweifellos überdauern", steht im Universal Chronical vom 28. April.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 09.02.2010)
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Engländer oder Deutscher?
Nur scheinbar ist diese Frage in Bezug auf Händel leicht zu beantworten. Natürlich, Georg Friedrich Händel kam am 23. Februar 1685 in Halle an der Saale zur Welt. An der deutschen Herkunft besteht also kein Zweifel.
Andererseits verbrachte er den größten - und produktivsten - Teil seines Lebens auf englischem Boden, nämlich die Jahre ab 1712. Vor allem im 19. Jahrhundert reklamierte britischer Nationalstolz den Komponisten unverhohlen für sich: "Es ist wahr, Händel wurde nicht als Engländer geboren, doch nie gab es jemanden, der in Hinblick auf die besten englischen Eigenschaften selbst englischer gewesen wäre", meinte zum Beispiel der Schriftsteller Samuel Butler (1835 bis 1902).
Händels Musik war für viele Briten im Zeitalter des Nationalismus Ausdruck von Überlegenheitsgefühl, manifestiert in Kolossalaufführungen mit fast militärischem Anstrich. Noch 1920 beteiligten sich viertausend Musiker aus allen Regionen des Landes am Großen Händelfestival im Kristallpalast in London.
Nur scheinbar ist diese Frage in Bezug auf Händel leicht zu beantworten. Natürlich, Georg Friedrich Händel kam am 23. Februar 1685 in Halle an der Saale zur Welt. An der deutschen Herkunft besteht also kein Zweifel.
Andererseits verbrachte er den größten - und produktivsten - Teil seines Lebens auf englischem Boden, nämlich die Jahre ab 1712. Vor allem im 19. Jahrhundert reklamierte britischer Nationalstolz den Komponisten unverhohlen für sich: "Es ist wahr, Händel wurde nicht als Engländer geboren, doch nie gab es jemanden, der in Hinblick auf die besten englischen Eigenschaften selbst englischer gewesen wäre", meinte zum Beispiel der Schriftsteller Samuel Butler (1835 bis 1902).
Händels Musik war für viele Briten im Zeitalter des Nationalismus Ausdruck von Überlegenheitsgefühl, manifestiert in Kolossalaufführungen mit fast militärischem Anstrich. Noch 1920 beteiligten sich viertausend Musiker aus allen Regionen des Landes am Großen Händelfestival im Kristallpalast in London.
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Die erste nationalistische...
Bearbeitung eines Händel-Stückes in Deutschland gab es 1914: Ein gewisser Hermann Stephani arbeitete Händels Judas Maccabäus zu einem Oratorium mit dem Titel Der Feldherr um. Etwa 1942, so berichtet Händel-Biograf Hogwood, seien sogar Pläne herangereift, die Texte sämtlicher Oratorien zu "arisieren".
Wirklich bedeutsam für die moderne deutsche Händel-Rezeption sind die Interpretationen von Oscar Hagen in den 1920er Jahren. Hagen, der sich Händels Opern widmete, ging mit dem Material höchst freizügig um. Abstraktionen und symbolistische Elemente zeichneten seine Inszenierungen aus.
Bearbeitung eines Händel-Stückes in Deutschland gab es 1914: Ein gewisser Hermann Stephani arbeitete Händels Judas Maccabäus zu einem Oratorium mit dem Titel Der Feldherr um. Etwa 1942, so berichtet Händel-Biograf Hogwood, seien sogar Pläne herangereift, die Texte sämtlicher Oratorien zu "arisieren".
Wirklich bedeutsam für die moderne deutsche Händel-Rezeption sind die Interpretationen von Oscar Hagen in den 1920er Jahren. Hagen, der sich Händels Opern widmete, ging mit dem Material höchst freizügig um. Abstraktionen und symbolistische Elemente zeichneten seine Inszenierungen aus.



