Haupt-Sache
Bis vor einem halben Jahrhundert war der Hut nicht von den Köpfen der Menschen wegzudenken und gehörte beinahe obligatorisch zur alltäglichen Bekleidung. Damals schon trug man den Hut niemals nur zum Schutz.Schwungvolle Träume und Reif für Ascot - so heißen diese Hutkreationen, welche die Models auf der Düsseldorfer Modewoche präsentieren. (Bild: F. Gambarini /ddp)
Selten ohne Hut
Mancher wird nun vielleicht verblüfft fragen: War denn der Hut, der eine über rund fünfeinhalb Jahrtausende währende Geschichte aufweisen kann, je "weg vom Fenster"? Er war es, zumindest fast: Gerade mal eines halben Jahrhunderts bedurfte es, ihn weitgehend aus dem Straßenbild zu verdrängen. Noch bis Ende der 1950er Jahre gingen Männer wie Frauen selten ohne Hut aus dem Haus; wer es tat, galt als unfein. Unterschiedliche Faktoren führten in der Folgezeit jedoch zum beinahe völligen Verschwinden dieses Kopfputzes.
Trauriges Nischendasein
Für die Jeans und Petticoat tragende Jugend passten Hüte weder zum Outfit noch zur Lebenseinstellung. Bei den jungen Damen wurde der Pferdeschwanz modern, Frauen mittleren Alters bevorzugten hochtoupierte Frisuren. Kopfbedeckungen fanden nun keinen Platz mehr auf dem Schöpfen. Und sogar beim Mann erwies sich der Hut zunehmend als unpraktisch: ob im Auto oder in der Straßenbahn - Hüte störten mehr, als dass sie den Träger vor Wind und Wetter schützten. Und so führte der Hut während der letzten Jahrzehnte ein trauriges Nischendasein, trat in der Öffentlichkeit nur noch als obligatorischer Bestandteil diverser Berufsbekleidung und Uniformen sowie als modisches Beiwerk bei Hochzeiten oder hochkarätigen gesellschaftlichen Ereignissen, wie beispielsweise dem berühmten Pferderennen im englischen Ascot, in Erscheinung.
Für jeden sichtbar
Viele Jahrhunderte lang sah das ganz anders aus, da gehörten Hüte, Mützen oder Tücher wie selbstverständlich zur Bekleidung des Menschen - und erfüllten neben der ursprünglichen Funktion als Schutz vor Wind und Wetter, Schmutz oder Verletzung zahlreiche symbolische und kulturelle Aufgaben. Denn hierfür eignen sich die kopfbedeckenden Accessoires, die ja vom hervorragendsten Körperteil getragen werden, besonders gut...
Seite
1
| 2
Infobox
Symbol der Freiheit
Am Beispiel der Phrygischen Mütze wird die politische Symbolkraft von Kopfbedeckungen besonders deutlich. Erkennbar ist sie an ihrer eigentümlichen Form: ein nach vorn geschlagener, in Richtung der Stirn fallender Zipfel. Sie stammt ursprünglich aus Persien und gelangte von da nach Europa.
Zunächst kennzeichnete die phrygische Mütze hier nur die lokale Herkunft ihres Trägers. Aber als Symbol der Freiheit wurde sie schon von freigelassenen Sklaven im antiken Griechenland und Rom getragen. Auf diesem Hintergrund erkoren die Jakobiner während der Französischen Revolution (1789 bis 1794) die phrygische Mütze zum Symbol ihres politischen Bekenntnisses. Als Jakobinermütze wurde sie obligatorische Kopfbedeckung der an der Revolution Beteiligten.
In der politischen Ikonographie und in der Bildenden Kunst verwendete man die phrygische Mütze daraufhin oft als Zeichen republikanischer und demokratischer Gesinnung. Als Freiheitssymbol fand sie auch in Staatswappen und auf den Flaggen einiger lateinamerikanischer Länder Verwendung, die erfolgreich für ihre Unabhängigkeit gekämpft hatten, wie beispielsweise Haiti, El Salvador und Nicaragua.
Am Beispiel der Phrygischen Mütze wird die politische Symbolkraft von Kopfbedeckungen besonders deutlich. Erkennbar ist sie an ihrer eigentümlichen Form: ein nach vorn geschlagener, in Richtung der Stirn fallender Zipfel. Sie stammt ursprünglich aus Persien und gelangte von da nach Europa.
Zunächst kennzeichnete die phrygische Mütze hier nur die lokale Herkunft ihres Trägers. Aber als Symbol der Freiheit wurde sie schon von freigelassenen Sklaven im antiken Griechenland und Rom getragen. Auf diesem Hintergrund erkoren die Jakobiner während der Französischen Revolution (1789 bis 1794) die phrygische Mütze zum Symbol ihres politischen Bekenntnisses. Als Jakobinermütze wurde sie obligatorische Kopfbedeckung der an der Revolution Beteiligten.
In der politischen Ikonographie und in der Bildenden Kunst verwendete man die phrygische Mütze daraufhin oft als Zeichen republikanischer und demokratischer Gesinnung. Als Freiheitssymbol fand sie auch in Staatswappen und auf den Flaggen einiger lateinamerikanischer Länder Verwendung, die erfolgreich für ihre Unabhängigkeit gekämpft hatten, wie beispielsweise Haiti, El Salvador und Nicaragua.


