Jazz - das ist das, was um dich herum passiert!
Und der Jazzmusiker, das ist der Reporter."
(Archie Shepp, Saxophonist)
Vertonte Geschichte
Revolte und Kommerz, Intellektualität und Verflachung - all das gab es in mehr als einem Jahrhundert Jazz. Dennoch, beinahe jeder erkennt, worum es sich handelt, wenn er die ersten Töne hört.Heute in der Preservation Hall - im French Quarter von New Orleans: der Sound des alten Storyville. (Bild: Urte Paul)
Bordelle, Bars, Ballsäle
Und sie alle bringen ihren eigenen Musikstil mit. Die schwarzen Musiker sind fasziniert von den fremdartigen Instrumenten der Europäer, von ihrem Rhythmus, ihrer Harmonie. Sie verbinden diese Elemente mit ihrer eigenen afrikanischen Musiktradition - und schaffen so etwas Neues: Marschmusik, Blues und Rag vermischt mit sprühenden Improvisationen, mit Pfiffen, Schreien und den dunklen Rhythmen der ehemaligen Sklaven. Im Vergnügungsviertel Storyville wird diese Musik jede Nacht gespielt, die Bordelle, Bars und Ballsäle sind durchzogen von den ungewohnten Klängen.
Ganz bestimmt nicht leise
1917 endet die Euphorie jäh. Der Erste Weltkrieg tobt. New Orleans wird zum Kriegshafen. Das Storyville wird geschlossen. All die Musiker, die dem Storyville seinen Sound gegeben hatten, sind arbeitslos. Gemeinsam ziehen sie nach Norden, in die wachsenden Industriezentren. Aber ihre Hoffnungen werden enttäuscht. Statt in eigenen Häusern begegnen sich die Arbeiter in Slums und Ghettos wie der South Side von Chicago. Dort ist es schmutzig, schäbig und improvisiert - aber ganz bestimmt nicht leise. Alte Musikerkollegen aus New Orleans treffen sich, holen ihre Instrumente raus, spielen die Musik, die sie aus ihrer Stadt mitgebracht haben: den Jazz.
Chance zur Rebellion
Das hektische Großstadtleben verändert die Musik. Sie ist nicht mehr so locker, so entspannt; in Chicago bekommt der Jazz einen neuen Drive - und zieht Nachahmer an: Einige weiße Studenten sehen im Jazz die Chance zu rebellieren - gegen die Gesellschaft, gegen Konventionen, gegen ihre bürgerliche Herkunft. Sie gründen eigene Bands, wollen den Jazz der South Side nachspielen. Mit ihrem europäischen Musikgeschmack aber glätten sie den Jazz, nehmen ihm Ecken und Kanten und damit genau jene Wildheit und Schärfe, die sie so bewundert hatten. Trotz aller Unterschiede: Der Jazz ist die erste kulturelle Gemeinsamkeit, die Schwarz und Weiß verbindet.
Glatte Haare, helle Haut
Nicht nur in Chicago spielt der Jazz. Anfang der 1920er Jahre entwickelt sich in New York eine Clubszene, in der ein publikums- und tanzfreundlicherer Stil gespielt wird: der Swing. Die Weltwirtschaftskrise 1929 erschüttert auch die Musikszene, viele kleinere Ensembles lösen sich auf. Die arbeitslosen Musiker schließen sich zu wirtschaftlicheren Big Bands zusammen, um überhaupt Geld zu verdienen. Individualität und Improvisation, bis hierhin die Markenzeichen des Jazz, sind in solch großen Orchestern kaum mehr möglich. Songs sind jetzt arrangiert, die Musiker glätten die Musik ebenso wie die Haare, schminken ihre Haut heller und passen ihre Lieder dem Schlagergeschmack der Weißen an.
Exotik und Apartheid
Mitte der 1930er Jahre erholt sich die amerikanische Wirtschaft von der Depression. Es riecht nach Neuanfang, nach Aufbruch, und der Swing ist die passende Begleitmusik...
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Louis Armstrong
Im Vergnügungsviertel Storyville von New Orleans kommt um das Jahr 1915 ein schwarzer Heranwachsender erstmals mit dem Jazz in Berührung: Sein Name ist Louis Armstrong.
Der in ärmlichen Verhältnissen lebende junge Kohlenträger macht sich eigens ein Jahr älter, um Zutritt zu den Bordellen zu erlangen, in denen jeden Abend der Jazz erklingt. Als Geburtsdatum gibt Armstrong den 4. Juli 1900 an, und wird sein Leben lang dabei bleiben. Tatsächlich geboren ist er am 4. August 1901. Im Rotlichtmilieu von Storyville hat der spätere Weltstar seine ersten Auftritte als Musiker.
Im Vergnügungsviertel Storyville von New Orleans kommt um das Jahr 1915 ein schwarzer Heranwachsender erstmals mit dem Jazz in Berührung: Sein Name ist Louis Armstrong.
Der in ärmlichen Verhältnissen lebende junge Kohlenträger macht sich eigens ein Jahr älter, um Zutritt zu den Bordellen zu erlangen, in denen jeden Abend der Jazz erklingt. Als Geburtsdatum gibt Armstrong den 4. Juli 1900 an, und wird sein Leben lang dabei bleiben. Tatsächlich geboren ist er am 4. August 1901. Im Rotlichtmilieu von Storyville hat der spätere Weltstar seine ersten Auftritte als Musiker.
Ab 1919 startet Armstrong eine bemerkenswerte, doch zunächst keineswegs steile Karriere: zweiter Trompeter in King Oliver's Creole Jazz Band in Chicago, bald Starsolist unter Bandleader Fletcher Henderson, die Periode der Big Bands in den 1930ern, dann wieder kleinere Formationen im New-Orleans-Stil.
Trompete und Gesang verhelfen dem Ausnahmetalent zu Ruhm. Hollywoodfilme, bei denen Armstrong mitwirkt, und seine Begabung als Entertainer bringen während der 1950er Jahre den endgültigen Durchbruch auf den Bühnen der Welt.
Trompete und Gesang verhelfen dem Ausnahmetalent zu Ruhm. Hollywoodfilme, bei denen Armstrong mitwirkt, und seine Begabung als Entertainer bringen während der 1950er Jahre den endgültigen Durchbruch auf den Bühnen der Welt.
Nicht zuletzt wegen dieser internationalen Beliebtheit ist Armstrong eine wichtige Figur des Ost-West-Konflikts: Der Jazztrompeter und Sänger reist in den Ostblock, nach Afrika, und wirbt durch sein Erscheinen für den westlichen Lebensstil. Bei allem macht er aus seiner Opposition gegen die US-amerikanische Praxis der Rassentrennung kein Hehl.
Ab Ende der 1960er Jahre ist Armstrong zunehmend durch körperliche Gebrechlichkeit gehandicapt. Am 6. Juli 1971 stirbt er in New York an einem Herzinfarkt.
Ab Ende der 1960er Jahre ist Armstrong zunehmend durch körperliche Gebrechlichkeit gehandicapt. Am 6. Juli 1971 stirbt er in New York an einem Herzinfarkt.



