Zurück auf die Tanzfläche!
Unsere Webautorin sprach mit den Mitgliedern der Berliner Jazzband Dirty Honkers: Was kann Jazz heute sein? Wo ist die Konstante in der Vielfalt der Erscheinungsbilder?Andrea, Gad und Florent von den Dirty Honkers: Ihre Musik bezeichnen sie als Electro-Swing-Hardcore-Pop.
LexiTV: Seid ihr zufrieden damit, wie Jazz sich heute anfühlt?
Florent: Das, was die Jazz-Industrie heute produziert und bewirbt, spiegelt nicht das wider, worum es bei Jazz in erster Linie ging. Jazz war früher sehr lebendig, sehr rau, und nicht im Mindesten so ausgeklügelt und kultiviert wie heute.
Gad: Wenn man heute mit Leuten aus meiner Generation spricht, dann hört man oft Kommentare, dass Jazz ein wenig trocken und versnobt ist; etwas, mit dem man sich nicht identifizieren kann…
Florent: …und es fordert dem Hörer sehr viel ab. Man muss verstehen, dass Jazz voller Referenzen und Codes ist.
Gad: Da ist ein Kreislauf, der bei jedem erfolgreichen Genre einsetzt: Es beginnt als etwas sehr Bodenständiges, als etwas, das jeder spielen kann. Dann wird es immer komplizierter - bis nur noch das äußere Erscheinungsbild als Konstante übrig bleibt. Die wahre Kraft und die Lebhaftigkeit gehen verloren. Ich unterscheide zwei Arten von Musik: Einmal gibt es Musik, bei der man Spaß haben kann, zu der man tanzen kann, die man genießt. Und es gibt Musik, die eher dafür gedacht ist, geistig in sie einzutauchen und zu reflektieren. Momentan ist Jazz eher in der zweiten Kategorie, was sehr elitär ist, und wir versuchen, den Jazz wieder runterzubringen.
LexiTV: Ihr wollt Jazz also wieder zu der Tanzmusik machen, die er einst war?
Andrea: Im Jazz geht es nicht darum, steif herumzustehen und ernst zu gucken. Wir wollen auf die Bühne gehen, unbeschwert spielen und einfach Spaß haben. Darum spielen wir auch diese erhebenden Big-Band-Melodien. Wir mögen den alten Swing, der hat Groove.
Florent: Und er ist nicht intellektuell, man kann sehr leicht eine Beziehung aufbauen. Und er erfordert nicht all die Vorbereitung. Wenn ich modernen Jazz hören will, dann muss ich mich darauf einlassen. Das soll bei uns anders sein. Ich möchte, dass der Funke bei unserem Publikum sofort überspringt, dass sie sofort etwas fühlen.
Gad: Das ist die eine Seite. Aber wir wollen nicht nur den alten, traditionellen Jazz wiederbeleben und in die heutige Zeit übersetzen, wir wollen auch das, was in der aktuellen Tanzmusik passiert, mit einbeziehen.
LexiTV: Aber das, was in der heutigen Tanzmusik passiert, ist oft sehr synthetisch…
Gad: Viele Musiker behandeln Stücke wie mathematische Formeln, sie stecken nicht mehr sehr viel Zeit und Liebe hinein. Sie sehen sich nur noch als Toningenieure. Wir wollen die Melodie zurückbringen.
Andrea: Deshalb benutzen wir auch keine Synthesizer, wir bringen echte Instrumente auf die Bühne. Nur so kann man Ausdruck und Emotion vermitteln.
LexiTV: Im Jazz gibt es wahnsinnig viele Spielarten: Swing, Bebop, Hardbop, Acid Jazz und Smooth Jazz, um nur einige zu nennen. Was haben all diese Stile gemeinsam, um immer noch als Jazz eingeordnet zu werden; was ist das Kondensat von Jazz?
Andrea: Improvisation. Das ist etwas, das es in anderen Musikstilen nicht gibt, wenn ein Musiker aufsteht und mit seiner Musik das sagt, was er zu sagen hat. Beim Jazz gibt es diesen großartigen Augenblick: ein Musiker improvisiert, und alle anderen Bandmitglieder stimmen ein und spielen das Hauptthema. Das ist wie Magie. Man fühlt, wie die Anspannung immer weiter wächst, bis zu dem Punkt, an dem alle wissen: jetzt!
Florent: Die besten Jazz-Konzerte sind die, bei denen man immer wieder von der Musik überrascht wird.
LexiTV: Andrea, Gad und Florent, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Melanie Brühler (10.03.2010)
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Infobox
Die Dirty Honkers...
sind eine multinationale Band aus Berlin. Sie besteht aus Gad Hinkis, einem israelischen Hip-Hop-Produzenten, der Saxophonistin und Sängerin Andrea Roberts aus Kanada und dem französischen Saxophonisten Florent Mannant.
Alle drei sind schon lange in der Musikszene aktiv und schlossen sich im Herbst 2009 zu den Dirty Honkers zusammen. Gemeinsam wollen sie den Jazz von einer Musik für Musiker wieder zu einer Musik für alle machen. Sie spielen am liebsten live, nehmen aber gerade auch ihr erstes Studioalbum auf. Ihre Musik bezeichnen sie selbst als Electro-Swing-Hardcore-Pop.
sind eine multinationale Band aus Berlin. Sie besteht aus Gad Hinkis, einem israelischen Hip-Hop-Produzenten, der Saxophonistin und Sängerin Andrea Roberts aus Kanada und dem französischen Saxophonisten Florent Mannant.
Alle drei sind schon lange in der Musikszene aktiv und schlossen sich im Herbst 2009 zu den Dirty Honkers zusammen. Gemeinsam wollen sie den Jazz von einer Musik für Musiker wieder zu einer Musik für alle machen. Sie spielen am liebsten live, nehmen aber gerade auch ihr erstes Studioalbum auf. Ihre Musik bezeichnen sie selbst als Electro-Swing-Hardcore-Pop.



