Die 1980er Jahre
Auch das nächste Jahrzehnt hatte noch etliche Highlights im Repertoire. Aufs Ganze gesehen allerdings fiel das Stimmungsbarometer. Brach die Wende dem Ostrock das Genick?Auf der Suche nach dem Sound der Jugend: es war ein Lebensgefühl.
Dicht am Mainstream
Hinzu kam ein weiteres Phänomen. Die Nachfrage nach Ostrock sank. Immer weniger Platten wurden verkauft. Gingen in den 1970ern noch Hunderttausend und mehr der schwarzen Scheiben pro Veröffentlichung über den Ladentisch, so verkauften sich in den Achtzigern die Platten vieler guter Gruppen maximal zwanzigtausend Mal. Nur absoluten DDR-Top-Bands gelang es, die Hunderttausendermarke im Verkauf zu knacken. Viele der großen Bands versuchten darauf hin, sich musikalisch mit eher wechselndem Erfolg dem internationalen Mainstream anzupassen. Jüngere Gruppen wie Pankow oder Silly setzen dem Trend harten, geradlinigen Rock ohne Schnörkel entgegen. Ihnen gelang es nicht nur, musikalisch neue Wege zu finden, sondern auch textlich offen und kritisch mit der DDR umzugehen. Damit erreichten sie ihre Fans.
Ostrock ist wieder angesagt - und das leise kratzende Geräusch der LPs ist wieder in.
Ab Mitte der Achtziger setzten die DDR-Kulturverantwortlichen Rockkonzerte mit internationalen Stars als Ventil für die Unzufriedenheit der eigenen Jugend ein. Gestandene DDR-Rocker wurden oft als Vorbands eingesetzt und bekamen dann unverdient den Unmut zu spüren, der sich in heftigen Pfeifkonzerten entlud. Trotz aller Schwierigkeiten entstanden in dieser Zeit auch völlig neue, unangepasste Bands wie Die Skeptiker, Keimzeit oder Die Art, die sich musikalisch in kein althergebrachtes Schema pressen ließen.
Ende und neuer Anfang
Mit der Wende brach der Platten- und Konzertmarkt für Bands aus der DDR weitgehend zusammen. Nun wurde nachgeholt, was jahrzehntelang entbehrt wurde. Viele Ostrockplatten landeten unverdient im Müll oder wurden billig auf dem Flohmarkt verramscht. So mancher ärgert sich mittlerweile darüber, da heute für etliche DDR-Platten von Sammlern hohe Preise gezahlt werden. Denn inzwischen besinnen sich viele Ostdeutsche wieder auf das Lebensgefühl ihrer Jugend, das mit dem Rock Made in GDR untrennbar verbunden ist.
Ekkehard Muntschick (23.09.2008)
Die 1960er Jahre: politisch suspekt
Die 1970er Jahre: der Drahtseilakt
Die 1980er Jahre: endgültig Schluss?
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Die 1980er Jahre: endgültig Schluss?
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Infobox
Sonderzug und Oberindianer
"Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow / ich muss mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin..." Udo Lindenbergs berühmter Song entsteht 1983 als Reaktion auf die bis dahin erfolglosen Bemühungen des Rockmusikers um einen Auftritt in der DDR.
Der ironische Liedtext scheint dem Ansinnen zunächst nicht zuträglich zu sein: Lindenberg bezeichnet Erich Honecker als "Oberindianer", was die Staatsmacht veranlasst, den Hit zu verbieten. Die Fans in Ost und West aber sind begeistert.
Und staunen nicht schlecht, als dem Sänger erlaubt wird, beim Festival Rock für den Frieden im Berliner Palast der Republik aufzutreten. Am 25. Oktober 1983 steht Udo Lindenberg tatsächlich auf einer Ost-Berliner Bühne - unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und vor ausgewähltem Publikum.
Auch die Liedauswahl steht dem Künstler nicht frei; Sonderzug nach Pankow ertönt an diesem denkwürdigen Abend jedenfalls nicht. Das DDR-Fernsehen überträgt das Konzert zeitversetzt, um mögliche Provokationen vor Ausstrahlung unter Umständen entfernen zu können.
Nach dem Konzert plant Lindenberg eine Tournee durch die DDR, erhält dafür jedoch keine Erlaubnis, da er sich nach Ansicht der SED-Regierung während des Konzertes unpassend geäußert habe. Das Auftrittsverbot wird bis zum Mauerfall bestehen bleiben, auch wenn es in der Zwischenzeit zu einem öffentlichkeitswirksamen Zusammentreffen von Lindenberg und Honecker kommt.
Zunächst schickt der Musiker dem Staatsoberhaupt eine Lederjacke, woraufhin der sich mit einer Schalmei bedankt. Beim Staatsbesuch Honeckers in der BRD 1987 überreicht Lindenberg dem SED-Chef dann persönlich eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" als Zeichen der gemeinsamen Friedensbemühungen. Doch erst nach der politischen Wende geht Udo Lindenbergs Wunsch von einer Tournee in Erfüllung.
"Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow / ich muss mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin..." Udo Lindenbergs berühmter Song entsteht 1983 als Reaktion auf die bis dahin erfolglosen Bemühungen des Rockmusikers um einen Auftritt in der DDR.
Der ironische Liedtext scheint dem Ansinnen zunächst nicht zuträglich zu sein: Lindenberg bezeichnet Erich Honecker als "Oberindianer", was die Staatsmacht veranlasst, den Hit zu verbieten. Die Fans in Ost und West aber sind begeistert.
Und staunen nicht schlecht, als dem Sänger erlaubt wird, beim Festival Rock für den Frieden im Berliner Palast der Republik aufzutreten. Am 25. Oktober 1983 steht Udo Lindenberg tatsächlich auf einer Ost-Berliner Bühne - unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und vor ausgewähltem Publikum.
Auch die Liedauswahl steht dem Künstler nicht frei; Sonderzug nach Pankow ertönt an diesem denkwürdigen Abend jedenfalls nicht. Das DDR-Fernsehen überträgt das Konzert zeitversetzt, um mögliche Provokationen vor Ausstrahlung unter Umständen entfernen zu können.
Nach dem Konzert plant Lindenberg eine Tournee durch die DDR, erhält dafür jedoch keine Erlaubnis, da er sich nach Ansicht der SED-Regierung während des Konzertes unpassend geäußert habe. Das Auftrittsverbot wird bis zum Mauerfall bestehen bleiben, auch wenn es in der Zwischenzeit zu einem öffentlichkeitswirksamen Zusammentreffen von Lindenberg und Honecker kommt.
Zunächst schickt der Musiker dem Staatsoberhaupt eine Lederjacke, woraufhin der sich mit einer Schalmei bedankt. Beim Staatsbesuch Honeckers in der BRD 1987 überreicht Lindenberg dem SED-Chef dann persönlich eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" als Zeichen der gemeinsamen Friedensbemühungen. Doch erst nach der politischen Wende geht Udo Lindenbergs Wunsch von einer Tournee in Erfüllung.



