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Sonderzug und Oberindianer
"Entschuldigen Sie, ist das der Sonderzug nach Pankow / ich muss mal eben dahin, mal eben nach Ost-Berlin..." Udo Lindenbergs berühmter Song entsteht 1983 als Reaktion auf die bis dahin erfolglosen Bemühungen des Rockmusikers um einen Auftritt in der DDR.

Der ironische Liedtext scheint dem Ansinnen zunächst nicht zuträglich zu sein: Lindenberg bezeichnet Erich Honecker als "Oberindianer", was die Staatsmacht veranlasst, den Hit zu verbieten. Die Fans in Ost und West aber sind begeistert.

Und staunen nicht schlecht, als dem Sänger erlaubt wird, beim Festival Rock für den Frieden im Berliner Palast der Republik aufzutreten. Am 25. Oktober 1983 steht Udo Lindenberg tatsächlich auf einer Ost-Berliner Bühne - unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und vor ausgewähltem Publikum.

Auch die Liedauswahl steht dem Künstler nicht frei; Sonderzug nach Pankow ertönt an diesem denkwürdigen Abend jedenfalls nicht. Das DDR-Fernsehen überträgt das Konzert zeitversetzt, um mögliche Provokationen vor Ausstrahlung unter Umständen entfernen zu können.

Nach dem Konzert plant Lindenberg eine Tournee durch die DDR, erhält dafür jedoch keine Erlaubnis, da er sich nach Ansicht der SED-Regierung während des Konzertes unpassend geäußert habe. Das Auftrittsverbot wird bis zum Mauerfall bestehen bleiben, auch wenn es in der Zwischenzeit zu einem öffentlichkeitswirksamen Zusammentreffen von Lindenberg und Honecker kommt.

Zunächst schickt der Musiker dem Staatsoberhaupt eine Lederjacke, woraufhin der sich mit einer Schalmei bedankt. Beim Staatsbesuch Honeckers in der BRD 1987 überreicht Lindenberg dem SED-Chef dann persönlich eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" als Zeichen der gemeinsamen Friedensbemühungen. Doch erst nach der politischen Wende geht Udo Lindenbergs Wunsch von einer Tournee in Erfüllung.