Die anonymen Verführer
Parfüm ist das Werk begabter, oft unbekannter Künstler. Ihnen gelingt es, einzelne Duftstoffe harmonisch miteinander zu kombinieren. Eine sinnliche Arbeit, die große Sensibilität erfordert.Die fünfte Probe war's: Die Nummer des von Coco Chanel bevorzugten Duftes gab dem berühmtesten Parfüm der Welt den Namen.
Atemberaubend muss sie gewesen sein, die Welt, in welcher sich Süskinds Romanheld Grenouille bewegt: Es stank zum Himmel. Häuser, Straßen, Menschen - unerträglicher Gestank breitete sich aus. Toiletten waren zu jener Zeit unbekannt, körperliche Pflege verpönt und Abfall und Exkremente gelangten direkt vom Fenster auf die Straße. Wasser drang selten bis zur nackten Haut vor. Körpergeruch wurde mit Parfüm übertönt.
Mann ohne Duft
In dieser Welt der Gerüche ist Grenouille ein Sonderling. Die Menschen nehmen ihn nicht wahr, haftet doch keinerlei Geruch an ihm. Er jedoch ist in der Lage, jede einzelne Essenz eines Duftes zu identifizieren. So nimmt er die Welt fast gänzlich durch seine Nase wahr. Die Lehre bei einem berühmten Parfümeur ermöglicht es Grenouille, seinen nicht vorhandenen Körpergeruch durch künstlich hergestellte Düfte zu ersetzen. Die Menschen werden erstmals auf ihn aufmerksam.
In Südfrankreich, in ein Lavendelmeer gebettet, liegt die Parfümstadt Grasse.
Leidenschaft an der Duftorgel
Die Suche nach Vollkommenheit - diese Leidenschaft ist es, die Süskinds wahnsinnige Romanfigur mit dem realen Künstler an der Duftorgel verbindet. Der muss jedoch - auf der Suche nach dem unwiderstehlichsten aller Düfte - nicht gleich zum Mörder werden. Vielmehr komponiert er seine Kreationen aus den ihm zur Verfügung stehenden, mehr als zweihundert natürlichen und rund zweitausend synthetischen Duftstoffen.
Bis in die erste Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts waren Parfümeure große Autoritäten bei der Herstellung luxuriöser Duftkreationen. Heute jedoch sind sie meist Angestellte der Riechstoffindustrie; Künstler, deren Namen nie auf ihren Werken zu lesen sein werden. Doch noch immer ist die Qualität eines Parfüms ganz entscheidend vom Parfümeur abhängig. Er ist derjenige, der aus diversen Essenzen ein harmonisches Ganzes schafft.
Ein Mitarbeiter der Firma Schimmel & Co. in Miltitz bereitet um 1920 Blütenteile für die Destillation vor.
Für seinen Berufsstand gibt es kein Diplom. Was wirklich zählt, sind ausgeprägter Geruchs- und Geschmackssinn, Begeisterungsfähigkeit und Geduld. Mehrere Jahre intensiver Übung bedarf es, bis die einzelnen Duftessenzen auseinander gehalten werden können. Ein Parfümeur kennt nicht nur den Geruch der Duftstoffe, sondern ebenso die Eigenschaften, wie zum Beispiel die Reaktion in Kombination mit anderen Essenzen und technische Aspekte wie Haltbarkeit, Hitzebeständigkeit oder Hautverträglichkeit.
Auf die richtige Mischung kommt es an. Für die Herstellung eines neuen Parfüms sind bis zu achtzig Duftessenzen nötig. Stundenlang taucht der Parfümeur Papierstreifen in seine Mixtur und vergleicht deren Duft mit der Idee eines Duftes, die er bereits im Kopf hat. Da sind auch musische Fähigkeiten gefragt, wie etwa die Aufgeschlossenheit für Schönheit und Harmonie.
All das hilft dem Parfümeur, verschiedenste Sinneseindrücke in Düfte zu verwandeln. Der Duftexperte unterscheidet dabei zwischen der note de tête (die Kopfnote, deren Duft man sofort bemerkt, die sich aber auch am ehesten verflüchtigt), der note de coeur (die Herznote, die dem Parfüm seinen eigentlichen Charakter verleiht) und der note de fond (die Basisnote als Grundlage für die Ausdrucksstärke eines Parfüms).
Unverwechselbare Identität
Wie die Komposition eines Musikstücks ist die Parfümherstellung ein abstrakter Vorgang, bei dem einzelne Duftnoten zum harmonischen Klingen gebracht werden müssen. Das bedeutet bei der Parfümherstellung aber nicht zwangsläufig Ausgewogenheit.
Um dem Duft seine unverwechselbare Identität zu geben, genügt manchmal schon die Überdosierung eines charakteristischen Elements. Hier liegt die wahre Kunst des Parfümeurs: einmalige Düfte herzustellen, die dennoch einem harmonisch abgestimmten Duftpotpourri entsprechen und so die Erwartungen vieler Konsumenten erfüllen.
Auch Grenouille übrigens war schlussendlich "erfolgreich". Seine mörderische Suche nach dem einen, wahren Parfüm kostete insgesamt fünfundzwanzig Mädchen das Leben - und sie kostete sein eigenes. Denn die Menschen liebten Grenouille so sehr, dass sie ihn mit Haut und Haaren verschlangen.
Ulrike Wolf (aktualisiert 05.03.2012)
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Parfüme...
wurden schon vor siebentausend Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Mit aromatischen Ölen, Salben und Räucherharzen ehrten die Menschen die Götter und salbten ihre Toten. In der ägyptischen Oberschicht dienten luxuriöse Düfte der Körperpflege.
Mit den Phöniziern kamen duftende Essenzen nach Asien, Afrika und bis ans Mittelmeer. Aus dem Orient importierte man Aromastoffe und Weihrauch nach Europa. Venedig und Grasse, das Herz der französischen Parfümkunst, entwickelten sich zu den wichtigsten Handelszentren.
Bis zur Aufklärung diente Parfüm als Schutz vor Krankheiten und als wichtigstes Mittel, Körpergeruch mangels Hygiene zu überdecken. Doch die Einstellung zum Parfüm wandelte sich: Ein frischer Duft wurde zum Statussymbol, wobei sich immer wieder zarte Essenzen mit kräftigen, schweren Düften abwechselten.
Im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und der Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde aus der Luxusware Parfüm ein Massenprodukt. Heute helfen nur noch teure Marketingkonzepte, in der Konkurrenz der vielen Düfte zu bestehen.
wurden schon vor siebentausend Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Mit aromatischen Ölen, Salben und Räucherharzen ehrten die Menschen die Götter und salbten ihre Toten. In der ägyptischen Oberschicht dienten luxuriöse Düfte der Körperpflege.
Mit den Phöniziern kamen duftende Essenzen nach Asien, Afrika und bis ans Mittelmeer. Aus dem Orient importierte man Aromastoffe und Weihrauch nach Europa. Venedig und Grasse, das Herz der französischen Parfümkunst, entwickelten sich zu den wichtigsten Handelszentren.
Bis zur Aufklärung diente Parfüm als Schutz vor Krankheiten und als wichtigstes Mittel, Körpergeruch mangels Hygiene zu überdecken. Doch die Einstellung zum Parfüm wandelte sich: Ein frischer Duft wurde zum Statussymbol, wobei sich immer wieder zarte Essenzen mit kräftigen, schweren Düften abwechselten.
Im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und der Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde aus der Luxusware Parfüm ein Massenprodukt. Heute helfen nur noch teure Marketingkonzepte, in der Konkurrenz der vielen Düfte zu bestehen.
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Verfahren zur Duftgewinnung
Parfümeure sind in der Lage, den Blumen ihren Duft zu rauben. Um an die Basis des Parfüms - die ätherischen Öle - zu gelangen, haben sie im Verlauf der Zeit verschiedene Möglichkeiten entwickelt.
Ein so altes wie auch einfaches Verfahren ist die Wasser-Destillation: Ähnlich der Teezubereitung werden Pflanzenteile zum Kochen gebracht. Die entstehenden Dämpfe kondensieren und werden aufgefangen. Durch ihre ungleiche Dichte trennen sich Wasser und Öl. Man erhält ätherisches Öl.
Ein schonenderes Verfahren ist die Wasserdampf-Destillation: Statt siedenden Wassers wird Dampf durch die Pflanzen geführt. Das ätherische Öl kondensiert mit dem Wasserdampf. Auch die empfindlichsten Duftstoffe können so freigesetzt werden.
Eine weitere, neuere Methode ist die Extraktion: Die Blüten kommen in ein warmes Lösungsmittelbad aus Benzol oder Kohlendioxid. Die ätherischen Öle lösen sich und gehen in die Flüssigkeit über. Der Vorgang wird wiederholt, bis die Lösung mit Duftstoffen gesättigt ist. Nach dem Verdampfen bleibt eine wachsartige Masse zurück. Hieraus lässt sich reinstes ätherisches Öl gewinnen.
Parfümeure sind in der Lage, den Blumen ihren Duft zu rauben. Um an die Basis des Parfüms - die ätherischen Öle - zu gelangen, haben sie im Verlauf der Zeit verschiedene Möglichkeiten entwickelt.
Ein so altes wie auch einfaches Verfahren ist die Wasser-Destillation: Ähnlich der Teezubereitung werden Pflanzenteile zum Kochen gebracht. Die entstehenden Dämpfe kondensieren und werden aufgefangen. Durch ihre ungleiche Dichte trennen sich Wasser und Öl. Man erhält ätherisches Öl.
Ein schonenderes Verfahren ist die Wasserdampf-Destillation: Statt siedenden Wassers wird Dampf durch die Pflanzen geführt. Das ätherische Öl kondensiert mit dem Wasserdampf. Auch die empfindlichsten Duftstoffe können so freigesetzt werden.
Eine weitere, neuere Methode ist die Extraktion: Die Blüten kommen in ein warmes Lösungsmittelbad aus Benzol oder Kohlendioxid. Die ätherischen Öle lösen sich und gehen in die Flüssigkeit über. Der Vorgang wird wiederholt, bis die Lösung mit Duftstoffen gesättigt ist. Nach dem Verdampfen bleibt eine wachsartige Masse zurück. Hieraus lässt sich reinstes ätherisches Öl gewinnen.
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Psychologie der Düfte
"Jemanden nicht riechen können" - diese Formulierung ist wörtlich zu verstehen. Denn Düfte, so fanden Wissenschaftler heraus, beeinflussen das Verhalten und die emotionale Beurteilung von Menschen. Die Ursache dafür liegt in der Wahrnehmung von Gerüchen, die eng mit dem Gefühlszentrum des Gehirns verknüpft ist. So kommt es beispielsweise, dass bestimmte Düfte Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen aus der Kindheit hervorrufen.
Vor allem spielen Gerüche eine Rolle, wenn es um die Einschätzung von anderen Menschen geht. Psychologen von der Northwestern University in Chicago fanden heraus, dass schon winzige Duftspuren darüber entscheiden, ob ein neutrales Gesicht positiv oder negativ beurteilt wird.
Um das zu beweisen, schnupperten 31 Probanden an Flüssigkeiten, die in unterschiedlichen Stärken einen angenehmen Zitrusduft, einen neutralen Geruch und einen unangenehmen Schweißgeruch verbreiteten. Kurz danach schauten sich die Testpersonen jeweils zwanzig Bilder von Menschen mit neutralem Gesichtsausdruck an. Anhand einer Skala mussten sie schließlich entscheiden, wie sympathisch beziehungsweise wie unsympathisch sie ihr Gegenüber fanden.
Das Ergebnis war eindeutig: Der Schweißgeruch ließ die Menschen unsympathischer erscheinen, während der angenehme Duft mehr Sympathien weckte. Das Experiment allerdings funktionierte nur, wenn die Duftstoffe verdünnt waren und von den Probanden nicht bewusst wahrgenommen wurden.
Werden Düfte bemerkt, schaltet sich das rationale Denken der Menschen ein, das der emotionalen Voreingenommenheit entgegensteuert. Nur bei unbewusst wahrgenommenen Gerüchen werden Sympathiewerte beeinflusst.
"Jemanden nicht riechen können" - diese Formulierung ist wörtlich zu verstehen. Denn Düfte, so fanden Wissenschaftler heraus, beeinflussen das Verhalten und die emotionale Beurteilung von Menschen. Die Ursache dafür liegt in der Wahrnehmung von Gerüchen, die eng mit dem Gefühlszentrum des Gehirns verknüpft ist. So kommt es beispielsweise, dass bestimmte Düfte Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen aus der Kindheit hervorrufen.
Vor allem spielen Gerüche eine Rolle, wenn es um die Einschätzung von anderen Menschen geht. Psychologen von der Northwestern University in Chicago fanden heraus, dass schon winzige Duftspuren darüber entscheiden, ob ein neutrales Gesicht positiv oder negativ beurteilt wird.
Um das zu beweisen, schnupperten 31 Probanden an Flüssigkeiten, die in unterschiedlichen Stärken einen angenehmen Zitrusduft, einen neutralen Geruch und einen unangenehmen Schweißgeruch verbreiteten. Kurz danach schauten sich die Testpersonen jeweils zwanzig Bilder von Menschen mit neutralem Gesichtsausdruck an. Anhand einer Skala mussten sie schließlich entscheiden, wie sympathisch beziehungsweise wie unsympathisch sie ihr Gegenüber fanden.
Das Ergebnis war eindeutig: Der Schweißgeruch ließ die Menschen unsympathischer erscheinen, während der angenehme Duft mehr Sympathien weckte. Das Experiment allerdings funktionierte nur, wenn die Duftstoffe verdünnt waren und von den Probanden nicht bewusst wahrgenommen wurden.
Werden Düfte bemerkt, schaltet sich das rationale Denken der Menschen ein, das der emotionalen Voreingenommenheit entgegensteuert. Nur bei unbewusst wahrgenommenen Gerüchen werden Sympathiewerte beeinflusst.



