Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Düfte

Infobox

Parfüme...
wurden schon vor siebentausend Jahren in Ägypten und Mesopotamien verwendet. Mit aromatischen Ölen, Salben und Räucherharzen ehrten die Menschen die Götter und salbten ihre Toten. In der ägyptischen Oberschicht dienten luxuriöse Düfte der Körperpflege.

Mit den Phöniziern kamen duftende Essenzen nach Asien, Afrika und bis ans Mittelmeer. Aus dem Orient importierte man Aromastoffe und Weihrauch nach Europa. Venedig und Grasse, das Herz der französischen Parfümkunst, entwickelten sich zu den wichtigsten Handelszentren.

Bis zur Aufklärung diente Parfüm als Schutz vor Krankheiten und als wichtigstes Mittel, Körpergeruch mangels Hygiene zu überdecken. Doch die Einstellung zum Parfüm wandelte sich: Ein frischer Duft wurde zum Statussymbol, wobei sich immer wieder zarte Essenzen mit kräftigen, schweren Düften abwechselten.

Im Zuge der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts und der Herstellung synthetischer Duftstoffe wurde aus der Luxusware Parfüm ein Massenprodukt. Heute helfen nur noch teure Marketingkonzepte, in der Konkurrenz der vielen Düfte zu bestehen.

Infobox

Verfahren zur Duftgewinnung
Parfümeure sind in der Lage, den Blumen ihren Duft zu rauben. Um an die Basis des Parfüms - die ätherischen Öle - zu gelangen, haben sie im Verlauf der Zeit verschiedene Möglichkeiten entwickelt.

Ein so altes wie auch einfaches Verfahren ist die Wasser-Destillation: Ähnlich der Teezubereitung werden Pflanzenteile zum Kochen gebracht. Die entstehenden Dämpfe kondensieren und werden aufgefangen. Durch ihre ungleiche Dichte trennen sich Wasser und Öl. Man erhält ätherisches Öl.

Ein schonenderes Verfahren ist die Wasserdampf-Destillation: Statt siedenden Wassers wird Dampf durch die Pflanzen geführt. Das ätherische Öl kondensiert mit dem Wasserdampf. Auch die empfindlichsten Duftstoffe können so freigesetzt werden.

Eine weitere, neuere Methode ist die Extraktion: Die Blüten kommen in ein warmes Lösungsmittelbad aus Benzol oder Kohlendioxid. Die ätherischen Öle lösen sich und gehen in die Flüssigkeit über. Der Vorgang wird wiederholt, bis die Lösung mit Duftstoffen gesättigt ist. Nach dem Verdampfen bleibt eine wachsartige Masse zurück. Hieraus lässt sich reinstes ätherisches Öl gewinnen.

Infobox

Psychologie der Düfte
"Jemanden nicht riechen können" - diese Formulierung ist wörtlich zu verstehen. Denn Düfte, so fanden Wissenschaftler heraus, beeinflussen das Verhalten und die emotionale Beurteilung von Menschen. Die Ursache dafür liegt in der Wahrnehmung von Gerüchen, die eng mit dem Gefühlszentrum des Gehirns verknüpft ist. So kommt es beispielsweise, dass bestimmte Düfte Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen aus der Kindheit hervorrufen.

Vor allem spielen Gerüche eine Rolle, wenn es um die Einschätzung von anderen Menschen geht. Psychologen von der Northwestern University in Chicago fanden heraus, dass schon winzige Duftspuren darüber entscheiden, ob ein neutrales Gesicht positiv oder negativ beurteilt wird.

Um das zu beweisen, schnupperten 31 Probanden an Flüssigkeiten, die in unterschiedlichen Stärken einen angenehmen Zitrusduft, einen neutralen Geruch und einen unangenehmen Schweißgeruch verbreiteten. Kurz danach schauten sich die Testpersonen jeweils zwanzig Bilder von Menschen mit neutralem Gesichtsausdruck an. Anhand einer Skala mussten sie schließlich entscheiden, wie sympathisch beziehungsweise wie unsympathisch sie ihr Gegenüber fanden.

Das Ergebnis war eindeutig: Der Schweißgeruch ließ die Menschen unsympathischer erscheinen, während der angenehme Duft mehr Sympathien weckte. Das Experiment allerdings funktionierte nur, wenn die Duftstoffe verdünnt waren und von den Probanden nicht bewusst wahrgenommen wurden.

Werden Düfte bemerkt, schaltet sich das rationale Denken der Menschen ein, das der emotionalen Voreingenommenheit entgegensteuert. Nur bei unbewusst wahrgenommenen Gerüchen werden Sympathiewerte beeinflusst.