Kunst der Lücke
Grundlage des Restaurierens ist die Frage nach Geschichte und Charakter eines Stückes; Authentizität und Originalität heißen die Ideale. Doch das Wissen über den ursprünglichen Zustand einer Sache ist meist mangelhaft.John Ruskin (1819 bis 1900): Der Brite nannte die Restaurierung einst eine 'Lüge von Anfang bis Ende'.
Mehr Anmut!
Diesem Vorgehen stand man damals durchaus nicht ablehnend gegenüber. Das Gegenteil war der Fall, Schönheit war oberstes Gebot. So bemerkte Giorgio Vasari, ein Zeitgenosse Lorenzettos und sein Biograf, zu den Werken des Bildhauers: "In der Tat besitzen die solcherweise restaurierten Altertümer vielmehr Anmut als jene verstümmelten Leiber und Glieder ohne Haupt."
Ein "perfektes" Kunstwerk
Jahrhunderte lang hielt sich diese Auffassung, bis zum Begründer der modernen Restaurierung, Eugène Viollet-Le-Duc (1814 bis 1879). Viollet-Le-Duc war ein französischer Architekt und mit dem Restaurieren zahlreicher Bauten betraut, darunter die romanische Abtei von Vézelay und Notre-Dame in Paris. In seinen Arbeiten kombinierte er historische Fakten mit eigenen, auf kunsthistorischem Wissen basierenden Modifikationen - mit dem Ziel, ein "perfektes", ästhetisches Kunstwerk mittelalterlichen Stils zu schaffen.
So ließ Viollet-Le-Duc unter anderem attraktive Spitzdächer auf die Mauertürme der Festungsstadt Carcassonne bauen. Schön fürs Auge, aber von der historischen Wahrheit weit entfernt. Viollet-Le-Duc prägte den modernen Begriff des Restaurierens. Er verstand darunter "nicht das Unterhalten, Reparieren oder Neuerstellen eines Gebäudes, sondern seine Wiederherstellung in einem Komplettzustand, der so möglicherweise nie existiert hat."
Notre-Dame in Paris, 2003. Den spitzen Turm in der Mitte, Dachreiter genannt, ließ Eugène Viollet-Le-Duc in den 1860ern errichten.
Schon bald regte sich Widerstand gegen die Ansichten des Franzosen, am ausgeprägtesten durch den englischen Kunsthistoriker und Schriftsteller John Ruskin (1819 bis 1900). Ruskin entrüstete sich über alles Aufgesetzte und nannte das Vorgehen im Sinne Viollet-Le-Ducs "eine Lüge von Anfang bis Ende". Es war für Ruskin eine Verfälschung des Zustandes und damit des Denkmalwerts eines Kulturguts: "die totalste Zerstörung, die ein Gebäude erleiden kann."
Erhalten statt Ergänzen
Eine Alternative zum "Fälschen" und "Zerstören" sah Ruskin darin, den Status Quo zu erhalten. Diese Meinung vertrat auch der deutsche Kunsthistoriker Georg Dehio (1850 bis 1932), der die moderne Denkmalpflege stark beeinflusste. Für ihn waren ergänzende und verschönernde Arbeiten purer Vandalismus. Sein Motto lautete: "Konservieren, nicht Restaurieren!" - erhalten, nicht ergänzen. Es dauerte eine Weile, bis die Praxis der Theorie folgte, doch stellte man bald die kulturhistorische Bedeutung eines Objekts über seinen ästhetischen Wert...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Restaurieren | ![]() |
Infobox
Zum Berufsziel Restaurator...
führen viele Wege. Es gibt einerseits die Möglichkeit, zunächst den Meistergrad in einem Handwerk zu erlangen, etwa als Schreiner oder Maler. Zum staatlich geprüften Restaurator im Handwerk führen dann Weiterbildungen und Qualifizierungen im Berufszweig.
Eine andere Möglichkeit ist der Weg über die Hochschule: Etwa in Erfurt, Dresden und München bieten Fachhochschulen und Universitäten das Fach Restaurierung an. Nach dem obligatorischen Vorpraktikum bekommen angehende Restauratoren theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten vermittelt, unter anderem zu Kunstgeschichte und Materialkunde, zu Restaurierungstechniken und künstlerischem Arbeiten.
führen viele Wege. Es gibt einerseits die Möglichkeit, zunächst den Meistergrad in einem Handwerk zu erlangen, etwa als Schreiner oder Maler. Zum staatlich geprüften Restaurator im Handwerk führen dann Weiterbildungen und Qualifizierungen im Berufszweig.
Eine andere Möglichkeit ist der Weg über die Hochschule: Etwa in Erfurt, Dresden und München bieten Fachhochschulen und Universitäten das Fach Restaurierung an. Nach dem obligatorischen Vorpraktikum bekommen angehende Restauratoren theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten vermittelt, unter anderem zu Kunstgeschichte und Materialkunde, zu Restaurierungstechniken und künstlerischem Arbeiten.



